Schwere Lebererkrankung: Zusammenhang mit Aktivität von Darmbakterien gefunden

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Wissenschaftler aus Schweden haben einen Zusammenhang zwischen spezifischen Aktivitäten von Darmbakterien und der primär sklerosierende Cholangitis (PSC) identifiziert. Dies könnte auch neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Schweden gehört zu den Ländern, in denen relativ viele Menschen von PSC betroffenen, was die höhere Inzidenz in Skandinavien im Vergleich zu anderen Teilen der Welt widerspiegelt. Derzeit, so erklärt die Universität Göteborg anlässlich der Veröffentlichung der neuen Studie in „Nature Metabolism“, gebe es keine wirksamen Therapien, die den Krankheitsverlauf bei PSC stoppen oder umkehren können.

Forschende vermuten schon lange, dass die Darmmikrobiota bei der PSC eine Rolle spielt. Allerdings war bisher unklar, wie genau Darmbakterien zu einer Schädigung der Gallenwege beitragen.

Mögliches fehlendes Glied identifiziert

In der aktuellen Arbeit identifizierte das Forscherteam von der Universität Göteborg gemeinsam mit Kollegen ein potenziell fehlendes Glied in der Beweiskette: den Metaboliten Imidazolpropionat (ImP). Dabei handelt es sich um ein Molekül, das beim Abbau von Nahrungsbestandteilen durch bestimmte Darmbakterien entsteht.

Die Studie zeigt, dass PSC-Patienten erhöhte ImP-Werte aufweisen und dass hohe ImP-Werte auf eine schlechtere Prognose bei PSC schließen lassen. In Experimenten an Mäusen konnten die Forscher durch die chronische Verabreichung von ImP eine Leberentzündung auslösen.

Wenn ImP auf die schützenden Zellen der Gallenwege trifft, aktivieren diese Signalwege, die Entzündungen und Fibrose auslösen.

Eine Kombination von Ursachen

„Die Studie legt nahe, dass eine PSC entstehen kann, wenn Stoffwechselprodukte einer veränderten Darmflora kontinuierlich die Gallenwege erreichen und schädigen“, konstatiert Antonio Molinaro, Forscher an der Universität Göteborg und Oberarzt für Hepatologie am Universitätsklinikum Sahlgrenska. „Die Ergebnisse liefern somit eine mögliche biologische Erklärung für den lange vermuteten Zusammenhang zwischen Darmbakterien und PSC. Wichtig ist auch, dass wir den molekularen Signalweg identifiziert haben, der diesen Effekten zugrunde liegt.“

Antonio Molinaro von Sahlgrenska-Akademie an der Universität Göteborg. (Foto: Karin Allander)

Molinaro ordnet die Bedeutung der Forschungsergebnisse wie folgt ein: „Dies eröffnet mehrere mögliche zukünftige Behandlungsansätze: die Reduzierung der bakteriellen ImP-Produktion, die Hemmung der für die Produktion verantwortlichen bakteriellen Enzyme oder die Blockierung des Signalwegs, über den ImP offenbar Schäden verursacht“, erklärt er.

Die Studie lasse aber nicht die Schlussfolgerung zu, dass ImP die alleinige Ursache für die PSC ist. Die Erkrankung werde wahrscheinlich durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer, immunologischer und umweltbedingter Faktoren sowie durch Veränderungen der Darmflora verursacht, glauben die Wissenschaftler. Die Ergebnisse deuteten jedoch darauf hin, dass ImP wesentlich zum Ausbruch und Voranschreiten der Erkrankung beitragen und einen erheblichen Teil des klinischen Bildes der PSC erklären könne. (ac/BIERMANN)