Schwerer COVID-19-Verlauf: Unabhängiger Faktor Adipositas21. Oktober 2020 Foto: © Kurhan/Adobe Stock Laut einer Studie brasilianischer Forscher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine adipöse Person eine schwere COVID-19-Erkrankung entwickelt, unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit sowie Komorbiditäten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz- oder Lungenerkrankungen hoch. Für die systematische Überprüfung hatten die Autoren zunächst die Literaturdatenbanken Medline, Embase, Web of Science, BVS/Lilacs, SciELO, Scopus und Google Scholar nach Studien durchsucht, die bis zum 27. April 2020 veröffentlicht worden waren. Sie identifizierten unter Verwendung von Suchbegriffen wie „obesity“ und „COVID-19“ 40 Studien, von denen schließlich neun mit insgesamt 6577 COVID-19-Patienten aus fünf Ländern in die Metaanalyse aufgenommen wurden. Die Autoren schließen aus ihrer Analyse, dass Adipositas selbst ein Faktor ist, der eine rasche Progression zu einer intensivmedezinisch zu versorgenden Erkrankung begünstigt und das Mortalitätsrisiko signifikant erhöht. „Mehrere Faktoren tragen zum Voranschreiten einer kritischen Erkrankung des adipösen Organismus bei. Einer ist die begrenzte Fähigkeit, Interferone und Antikörper zu produzieren. Darüber hinaus fungiert Fettgewebe als Reservoir für das Virus, sodass es länger im Organismus bleibt“, erklärt Silvia Helena de Carvalho Sales-Peres, Professorin an der Universität von São Paulo (USP) in Bauru (Brasilien) und hauptverantwortliche Forscherin in dem Projekt. Diese potenziell höhere Viruslast sei nicht das einzige Problem, mit dem Patienten mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) konfrontiert seien, ergänzt sie. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die für Fettleibigkeit typische chronische Entzündung von geringem Schweregrad – verursacht durch übermäßige Expansion von Fettzellen – den durch SARS-CoV-2 ausgelösten Zytokinsturm noch schädlicher für die Lunge macht. „Übergewichtige Patienten haben normalerweise eine beeinträchtigte Atemfunktion, da abdominales Fettgewebe das Zwerchfell komprimiert und verhindert, dass es sich normal bewegt“, sagt de Carvalho Sales-Peres. „Insgesamt sind diese Patienten aufgrund verschiedener gleichzeitiger Faktoren anfälliger für eine Abhängigkeit von maschineller Beatmung und anderen Arten der Intensivpflege, wenn sie an COVID-19 erkranken. In den von uns analysierten Studien starben 9,4 Prozent der auf Intensivstationen behandelten adipösen Patienten.“ „Eine stärkere Anfälligkeit für das neuartige Coronavirus bei Erreichen eines bestimmten BMI-Wertes ist kein Zufall. Eine beeinträchtigte Antikörperproduktion und chronische Entzündung begünstigen das Voranschreiten von COVID-19 bei übergewichtigen Personen“, unterstreicht de Carvalho Sales-Peres. „Unsere Analyse hat auch gezeigt, dass das mit Adipositas verbundene Risiko für Raucher oder Personen mit Komorbiditäten wie Diabetes, Bluthochdruck und Lungenerkrankungen noch größer ist.“
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