Seheinschränkung ist oft unsichtbar – Ausgrenzung nicht5. Juni 2026 Symbolbild.Bild:©Angel Santana-stock.adobe.com Am 6. Juni ist Tag der Sehbehinderung. Aber was heißt es, „sehbehindert“ zu sein? Rund 7,5 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Netzhauterkrankung, die zur Erblindung führen kann. Dennoch ist das Wissen über das Leben von Menschen mit einer Seheinschränkung gering. Das möchte Pro Retina Deutschland anlässlich des bundesweiten Aktionstages ändern. „Die Sehkraft zu verlieren, ist ein gravierender Einschnitt im Leben“, bringt es Dario Madani, Geschäftsführer von Pro Retina, auf den Punkt. Überall stoßen seheingeschränkte Menschen auf Hürden und Barrieren – ob bei öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Einkaufen oder im Beruf. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Menschen von der Teilhabe an wichtigen Lebensbereichen ausgeschlossen werden. Das nehmen wir nicht hin, sondern engagieren uns für umfassende Barrierefreiheit.“ Auch gegen den defizitorientierten Blick auf Menschen mit Einschränkungen wehrt sich Pro Retina: „Allein der Begriff Sehbehinderung stigmatisiert die Betroffenen.“ Seheinschränkungen sind unsichtbar: Verständnis fördern, durch Aufklärung und Sensibilisierung Hinzu kommt vielfach Unverständnis in Teilen der Bevölkerung: „Seheinschränkungen sind unsichtbar. Daher erkennen viele Menschen nicht, dass eine Person vielleicht Hilfe braucht und reagieren bisweilen mit Ungeduld oder Unverständnis“, erklärt Madani. Unangemessen ist aber auch ungefragte Hilfe, indem der Mensch mit Seheinschränkung einfach angefasst, gezogen oder geschoben wird. Madani empfiehlt, den Betroffenen anzusprechen und zu fragen, ob er Hilfe wünscht und wenn in welcher Form. Um das Verständnis zu fördern, setzt Pro Retina auf Aufklärung und Sensibilisierung: beim Schulprojekt, das schon Grundschulkindern nahebringt, wie Menschen mit Seheinschränkung die Umwelt wahrnehmen und erleben, beim Krankenhausprojekt, in dem Personal geschult wird, bei der politischen Partizipation, bei der es um die Gestaltung einer barrierefreien Gesellschaft geht, in der alle teilhaben können. Pro Retina setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ein Außerdem fordert Pro Retina, Menschen mit Seheinschränkung von Anfang an in politische und administrative Prozesse und Entscheidungen einzubeziehen. Denn Barrieren entstehen häufig dort, wo über Betroffene gesprochen wird und nicht mit ihnen. Wie wichtig diese Forderung ist, zeigen die aktuellen politischen Entwicklungen. Pro Retina sieht mit Sorge, dass Teilhabe, Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und wirksamer Diskriminierungsschutz immer wieder unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden. Geplante Änderungen am Behindertengleichstellungsgesetz, Ausnahmen für Unternehmen bei Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen, Kürzungsdebatten bei Unterstützungsleistungen wie der Eingliederungshilfe sowie eine nur punktuelle Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes kommen einem Rückbau des Sozialstaats gleich und beschneiden die Rechte, Möglichkeiten und Lebensrealität der Betroffenen. Damit gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft Realität wird, fordert Pro Retina verbindliche Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen, starke individuelle Rechtsansprüche, wirksame Beschwerde- und Klagemöglichkeiten sowie einen Diskriminierungsschutz, der Betroffene tatsächlich schützt. Daher appelliert Pro Retina anlässlich des Tags des Sehbehinderung an Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft: Inklusion darf nicht auf später verschoben werden. Menschenrechte, Menschenwürde und die UN-Behindertenrechtskonvention sind nicht verhandelbar.
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