Sehstörungen: Besserer Sehtest für Kleinkinder entwickelt10. November 2025 Dr. Susan Leat testet den WatDAT-Sehtest mit einem jungen Teilnehmer. Foto.©Universität Waterloo Kanadische Forscher haben einen neuen Sehtest entwickelt, der bereits bei Kindern im Alter von nur 18 Monaten angewendet werden kann. Dieser könnte helfen, Sehstörungen früher erkennen und behandeln zu können. Kinder unter drei Jahren haben Schwierigkeiten mit den existierenden präzisen Tests zur Ermittlung des Sehvermögens. Vor diesem Hintergrund haben Forscher der School of Optometry & Vision Science der University of Waterloo, Waterloo, Kanada, den Waterloo Differential Acuity Test (WatDAT) entwickelt. Diese neue Methode soll eine präzise Messung des Sehvermögens bei jüngeren Kleinkindern ermöglichen. Die Ergebnisse der Untersuchungen zu WatDAT wurden in der Fachzeitschrift „Ophthalmic and Physiological Optics“ veröffentlicht. Derzeitige Sehtests für Babys und Kleinkinder sind nicht effektiv Etwa 14 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren haben den Forschern zufolge Sehprobleme wie Amblyopie, klinisch signifikante Weitsichtigkeit oder Astigmatismus. Kleinkinder können aber auch von selteneren Erkrankungen, wie zum Beispiel kindliche Katarakte, betroffen sein. „Diese Sehprobleme sind nicht immer durch Beobachtung des Kindes erkennbar. Außerdem klagen Kinder nicht über Sehschwäche, da sie nicht wissen, was gutes Sehen ist“, erklärte Dr. Susan Leat, emeritierte Professorin an der Fakultät für Optometrie und Sehwissenschaften, die die Forschung leitete. „Wenn dieser Test in Kliniken verfügbar ist, können Augenärzte Sehstörungen früher erkennen, was zu einer effektiveren Behandlung führt.“ Die Wissenschaftler erörtern, dass bei derzeitigen Sehtests für Babys und Kleinkindern durch das Zeigen einer Streifenkarte und der Beobachtung der Augenbewegungen lediglich festgestellt werden kann, ob die Kinder das Muster sehen, nicht aber, ob sie Details erkennen können. Das mache solche Tests für die Erkennung von Sehstörungen deutlich weniger effektiv. Die Benennungs- oder Bildzuordnungsaufgaben, die für Kindern ab drei Jahren verwendet werden, ermöglichen durch die schrittweise Verkleinerung des Bildes laut den Forschern hingegen auch eine Bestimmung der Sehschärfe. Jedoch seien diese für drei Jährige tendenziell ungeeignet, da diese zu schwer für Kleinkinder sind. WatDAT ist bereits für Kinder ab 18 Monaten anwendbar Bei dem neuentwickelten Test WatDAT werden den Kindern vier Formen gezeigt, von denen drei identisch sind, beispielsweise ein Haus zwischen drei Kreisen. Das Kind wird dann aufgefordert auf die Form zu zeigen, die anders ist. Diese Übung wird mit immer kleineren Formen durchgeführt, bis das Kind sie nicht mehr ausführen kann. Da diese Methode kognitiv einfacher sei, eigne sie sich bereits für die meisten Kinder ab 18 Monaten. Zudem waren nach Angaben der Wissenschaftler alle Studienteilnehmer ab 24 Monaten, die die Entwicklungsmeilensteine erreichten, in der Lage den Test mit beiden Augen zu absolvieren. Ein Video zur Anwendung von WatDAT sei auch online verfügbar. Die Forscher aus Waterloo stellten in ihren Untersuchungen fest, dass im Vergleich zu zwei derzeit verwendeten pädiatrischen Tests WatDAT von mehr Kindern in jüngerem Alter absolviert werden konnte. Dabei dauerten alle Tests etwa gleich lang, wie die Studienautoren berichten. WatDAT auch für Menschen mit geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen geeignet Die Forscher testeten auch eine kleinere Gruppe von Kindern, die erhebliche Seh- oder Gesundheitsprobleme hatten oder zu früh geboren wurden. Die meisten dieser Kinder konnten den Test ebenfalls absolvieren. „Wir glauben, dass WatDAT ein nützliches Instrument zur Untersuchung des Sehvermögens von Menschen jeden Alters mit geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen sein könnte“, betonte Dr. Supriya Aryal, eine frischgebackene Optometrie-Absolventin, die an der Forschung teilnahm. „Es könnte auch für Patienten mit Sehbehinderungen jeden Alters geeignet sein, allerdings müssen wir noch weitere Untersuchungen durchführen, um dies zu bestätigen.“ Optiker, die WatDAT derzeit in Kanada, den Vereinigten Staaten und Großbritannien beta-testen, berichten, dass Kinder mehr Spaß daran zu haben scheinen, weil sich der Test wie ein Spiel anfühlt. Die Beta-Version des Sehtests werde neben dem gedruckten Format zudem in einem digitalen Format evaluiert. Bei der digitalen Version erhalten die Kinder für die korrekte Identifizierung der verschiedenen Formen eine Cartoon-Belohnung. Die Forscher beabsichtigen, den Test nach Abschluss der Beta-Tests zu vermarkten. Finanziert wurde die Forschung von Fighting Blindness Canada. (sas/BIERMANN)
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