Sekundärglaukom: Chirurgische Ergebnisse variieren je nach Subtyp

Gesicht eines Patienten mit blauem Tuch abgedeckt. Das linke Auge ist frei, wird mit Lidsperrer aufgehalten. Man sieht zwei Hände in OP-Handschuhen, die Instrumente für eine Augenoperation halten.

Eine große retrospektive Kohortenstudie aus dem IRIS (Intelligent Research in Sight) Registry hat Ergebnisse von minimalinvasiver Glaukomchirurgie (MIGS), Trabekulektomie und Tubus-Shunt-Operationen bei jungen Patienten mit Sekundärglaukom verglichen.

Das Sekundärglaukom stellt gerade bei jungen Patienten selbst erfahrene Operateure vor besondere Herausforderungen. Die zugrunde liegenden Ursachen sind vielfältig, die Erfolgsaussichten unterschiedlich. Aus diesem Grund haben US-amerikanische Wissenschaftler die Ergebnisse verschiedener chirurgischer Verfahren miteinander verglichen. Ihre Erkenntnisse haben die Forschenden in der Fachzeitschrift „American Journal of Ophthalmology” veröffentlicht.

Untersucht wurden 2483 Augen von Patienten im Alter von 18 bis 40 Jahren mit sekundärem Glaukom. Die Studienteilnehmer hatten zwischen 2013 und 2024 entweder eine MIGS, eine Trabekulektomie oder eine Tubus-Shunt-Operation erhalten. Die zwei-Jahres-Versagensrate wurde mittels Kaplan-Meier-Schätzung berechnet. Als Versagen galt eines der folgenden Kriterien: (1) unzureichende Augeninnendrucksenkung (IOD > 21 mmHg oder IOD-Reduktion < 20 % gegenüber dem präoperativen Wert), (2) Hypotonie (IOD < 5 mmHg), (3) jede weitere Glaukomoperation und (4) Entwicklung eines vollständigen Sehverlusts, definiert als Ausfall der Lichtscheinwahrnehmung.

Höchste Versagensraten nach vorangegangenen Augenoperationen

Die Wissenschaftler analysierten 454 MIGS-, 337 Trabekulektomie- und 1692 Tubus-Shunt-Operationen. Die Gesamtversagensraten nach zwei Jahren betrugen für

  • Trabekulektomie 50,6 Prozent,
  • Tubus-Shunt-Operation 52,1 Prozent,
  • Goniotomie 53,3 Prozent und
  • Kanaloplastik 49,0 Prozent.

Differenziert nach der zugrundeliegenden Primärerkrankung ergaben sich bei traumatischem Glaukom Versagensraten von 39,2 Prozent für die Trabekulektomie, 44,2 Prozent für die Tubus-Shunt-Operation, 55,6 Prozent für die Goniotomie und 50,0 Prozent für die Kanaloplastik.

Bei Glaukomen aufgrund „anderer Augenerkrankungen“, meist nach vorangegangenen Augenoperationen, wurden Versagensraten von 58,5 Prozent für die Trabekulektomie, 62,2 Prozent für die Tubus-Shunt-Operation gesehen. Hier fanden sich insgesamt die höchsten Versagensraten.

Die Versagensrate bei der Trabekulektomie war beim steroidinduzierten Glaukom hingegen mit 37,6 Prozent am niedrigsten. Allerdings wurde in zehn Prozent der Fälle eine Hypotonie beobachtet.

Beim uveitischen Glaukom lagen die Versagensraten bei 56,0 Prozent für die Trabekulektomie, bei 45,6 Prozent für die Tubus-Shunt-Operation, bei 55,1 Prozent für die Goniotomie und bei 35,9 Prozent für die Kanaloplastik.

Chirurgische Ergebnisse variierten deutlich je nach Subtyp

Die MIGS machte in dieser jungen Population mit sekundärem Glaukom nahezu jede fünfte Glaukomoperation aus. Dabei blieb rund die Hälfte der Fälle nach zwei Jahren ohne Versagen. Die chirurgischen Ergebnisse variierten deutlich je nach Subtyp des sekundären Glaukoms. Die Trabekulektomie war bei steroidinduziertem Glaukom in fast zwei Dritteln der Fälle erfolgreich. Dabei trat jedoch bei diesen Fällen häufiger eine Hypotonie auf.

Der Vergleich zwischen den verschiedenen Operationsverfahren sollte nach Ansicht der Autoren jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, da die Ergebnisse durch die Ausgangsschwere der Erkrankung beeinflusst sein könnten.

(ak/BIERMANN)