“Sexualität sollte eine Hauptsache in der Nachsorge sein”24. September 2022 Désirée Louise Dräger beim 74. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Hamburg. Foto: Schmitz Vielen Frauen ist nach einer Krebsoperation ihre Sexualität wichtig, sie wagen aber kaum, darüber zu reden. Ärztinnen und Ärzte sollten das Thema aktiv ansprechen, forderte PD Dr. Désirée Louise Dräger beim 74. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Hamburg. Sex im Alter, Sex nach Krebs – das sind weiterhin tabuisierte Themen, kritisierte die Oberärztin der Urologischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock bei der DGU-Pressekonferenz am 22.09.2022. Dabei wünschen sich viele Krebspatientinnen weiterhin ein befriedigendes Sexualleben. “Sie wollen sich lebendig fühlen, Sex bedeutet auch Trost, Normalität”, so die Expertin für Psychoonkologie. “Ganz wichtig: Sexualität ist nicht nur der Akt. Es geht nicht nur um Lust, sondern auch um Kommunikation.” Krebspatientinnen leiden jedoch laut Dräger häufig unter einem “subjektiv empfundenen Attraktivitätsverlust”. Der Grund: “Wir Frauen sehen uns sehr aus einer männlichen, heterosexuellen Brille. Wir müssen gefallen.” Frauen werde immer noch vornehmlich eine passive Rolle zugeschrieben, und es werde davon ausgegangen, dass sie beim Älterwerden ohnehin nicht mehr interessiert seien. “Sex ist aber nicht bloß ein Topping, ein ‘nice to have’, es ist die normalste Sache der Welt. Daher sollte es eine Hauptsache in der Nachsorge sein”, forderte die Expertin. Sie ermutigte ihre Kolleginnen und Kollegen, die Scham gemeinsam mit der Patientin abzubauen, “mit Demut und Respekt”. Doch auch bei älteren Männern mit Krebsdiagnose liegt noch einiges im Argen, was den Umgang ihrer Ärztinnen und Ärzte mit der Sexualität der Patienten betrifft. Aus dem Publikum meldete sich der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS), Ernst-Günther Carl: “Die Urologen fragen viel zu wenig nach Sex. Ich appelliere dafür, die Männer ab 69 Jahren sexuell nicht aufzugeben.” Psychoonkologin Dräger verbreitete jedoch Hoffnung: “Die neue Generation hat das erkannt. Auf unseren Fortbildungen rennen sie uns die Bude ein.” (ms)
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