Sexuelle Gesundheit nach Brustkrebs bleibt häufig unbeachtet23. September 2026 Symbolbild © Olga/stock.adobe.com Sexuelle Gesundheit und Intimität geraten bei der Genesung nach Brustkrebs häufig aus dem Blick. Eine qualitative Studie australischer Forschender zeigt, dass viele Frauen auch nach Abschluss der Behandlung mit sexuellen und partnerschaftlichen Problemen zu kämpfen haben. Für die Studie befragten die Forschenden 31 Brustkrebsüberlebende im Alter von 32 bis 72 Jahren. Auf Grundlage der Interviews entwickelten sie ein dreistufiges Modell, das die sexuelle Anpassung nach der Behandlung beschreibt. Nach Angaben der Erstautorin Mina Esmkhani von der School of Medicine and Dentistry der Griffith University wird die sexuelle Erholung von drei Ebenen beeinflusst: körperlichen Veränderungen, partnerschaftlichen Dynamiken sowie kulturellen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen. Zu den körperlichen Belastungen zählen unter anderem Schmerzen, vaginale Trockenheit, vermindertes sexuelles Verlangen, Narben und ein verändertes Körperbild. Auf der Beziehungsebene spielen die Unterstützung durch den Partner, Kommunikation und emotionale Verbundenheit eine wichtige Rolle. Kulturelle und gesundheitliche Faktoren umfassen dagegen gesellschaftliche Erwartungen, Stigmatisierung und die Frage, ob medizinisches Personal sexuelle Gesundheit überhaupt anspricht. „Sexuelle Erholung ist nicht ausschließlich eine medizinische Frage, sondern betrifft auch körperliche, emotionale, partnerschaftliche und soziale Aspekte“, erklärt Esmkhani. Unterschiedliche Wege der sexuellen Erholung Die Frauen mit ähnlichen Behandlungserfahrungen zeigten teilweise sehr unterschiedliche Verläufe. Die Forschenden identifizierten drei mögliche Entwicklungspfade. Ein Teil der Frauen erlebte anhaltende Beeinträchtigungen, darunter Scham, Isolation und Schwierigkeiten mit Intimität. Andere passten sich schrittweise an, insbesondere durch Kommunikation und Unterstützung. Wieder andere entwickelten ein neues Verhältnis zu ihrer Sexualität und gewannen ein verändertes Selbstverständnis. Unterstützung durch Partner kann helfen Als einer der stärksten Einflussfaktoren erwies sich die Reaktion des Partners. Frauen, die Empathie, Rückversicherung und emotionale Unterstützung erfuhren, konnten sich den Ergebnissen zufolge eher positiv an die Veränderungen anpassen. „Dies zeigt, dass Partner keine passiven Beobachter sind. Sie können entweder Belastungen abpuffern oder diese durch Vermeidung, Schweigen oder Unbehagen verstärken“, erläutert Co-Autorin Charrlotte Seib von der School of Nursing and Midwifery der Griffith University. Eine unterstützende Partnerschaft könne Frauen dabei helfen, sich wieder begehrt zu fühlen, Selbstvertrauen aufzubauen, neue Formen der Intimität zu entwickeln und die emotionale Verbindung aufrechtzuerhalten. Sexualität wird in der Krebsversorgung selten angesprochen Auch das Schweigen im medizinischen Umfeld erwies sich als wiederkehrendes Problem. Nach Angaben der Forschenden berichteten die Teilnehmerinnen, dass sich Ärztinnen und Ärzte vor allem auf Behandlung und Überleben konzentrierten, sexuelle Gesundheit, Intimität und sexuelle Nebenwirkungen jedoch nur selten thematisierten. Viele Frauen hätten daher keine Anlaufstelle für Fragen zu schmerzhaftem Geschlechtsverkehr, nachlassendem sexuellem Verlangen, Problemen mit dem Körperbild oder partnerschaftlichen Herausforderungen gehabt. „Sexuelle Gesundheit muss Teil der regulären Gespräche in der Krebsversorgung werden und darf nicht als optionales Thema behandelt werden, das nur angesprochen wird, wenn die Patientin selbst damit beginnt“, so Studienleiter Prof. Armin Ariana von der School of Medicine and Dentistry der Griffith University. Die Ergebnisse weisen nach Ansicht der Forschenden auf einen Bedarf hin, medizinisches Personal besser für den Umgang mit sexueller Gesundheit nach einer Brustkrebserkrankung zu schulen. Sexualität sollte demnach bereits während der Krebsbehandlung und Nachsorge thematisiert werden. (lj/BIERMANN)
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