SGLT2-Inhibitoren + GLP-1-Rezeptorantagonisten: Kardiovaskulärer Nutzen bei Diabetes18. Juni 2021 © forma82 – stock.adobe.com (Symbolbild) In verschiedenen groß angelegten randomisierten, kontrollierten Studien konnten GLP-1-Rezeptorantagonisten (GLP-1RA) und SGLT2-Inhibitoren (SGLT2i) bereits einen kardiovaskulären Nutzen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen oder multiplen Risikofaktoren unter Beweis stellen. Nun wurde anhand von Real-World-Daten auch der additive Nutzen dieser beiden Substanzklassen im Vergleich zur gemeinsamen Behandlung mit GLP-1RA plus Sulfonylharnstoff bewertet. Das Ergebnis: Die Kombination mit einem SGLT2i scheint einen besseren Effekt im Hinblick auf CV-Endpunkte zu erzielen als die Kombination mit Sulfonylharnstoffen. Ein restlicher Confounder könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, geben die Studienautoren um Dr. Chintan V. Dave vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, USA, zu bedenken, da einzelne Wirkstoffe jeder Klasse unterschiedlich große Effekte haben können. Die Patienten, die entweder SGLT2i oder Sulfonylharnstoffe zur GLP-1RA-Basisbehandlung hinzufügten, wurden in 3 US-amerikanischen Datensätzen (2013–2018) identifiziert und im Verhältnis 1:1 mittels Propensity-Score-Matching abgeglichen, wobei für >95 Baseline-Kovariate adjustiert wurde. Die primären Endpunkte waren ein zusammengesetzter kardiovaskulärer Endpunkt (bestehend aus MI, Schlaganfall und Gesamtmortalität) und eine Herzinsuffizienz-bedingte Krankenhauseinweisung (HFH). Bereinigte Hazard Ratios (HR) und 95%-Konfidenzintervalle (KI) wurden in jedem Datensatz geschätzt und mittels Fixed-Effects-Meta-Analyse gepoolt. Unter 12.584 Propensity-Score-gematchten Paaren (mittleres Alter 58,3 ±10,9 Jahre; 48,2% männlich) in den 3 Datensätzen gab es 107 zusammengesetzte kardiovaskuläre Endpunkt-Ereignisse (Inzidenzrate/1000 Personenjahre 9,9; 95%-KI 8,1–11,9) bei Patienten mit ursprünglicher SGLT2i-Therapie im Vergleich zu 129 Ereignissen (Inzidenzrate 13,0; 95%-KI 10,9–15,3) unter ursprünglicher Therapie mit Sulfonylharnstoffen. Dies korrespondiert mit einer bereinigten gepoolten HR von 0,76 (95%-KI 0,59–0,98). Der Rückgang des zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunktes wurde durch numerische Verringerungen des Risikos für MI (HR 0,71; 95%-KI 0,51–1,003) und Gesamtmortalität (HR 0,68; 95%-KI 0,40–1,14), nicht aber für Schlaganfall (HR 1,05; 95%-KI 0,62–1,79) verursacht. Für den Endpunkt HFH ermittelten die Forschenden 141 Ereignisse (Inzidenzrate 13,0; 95%-KI 11,0–15,2) unter SGLT2i vs. 206 Ereignissen (Inzidenzrate 20,8; 95%-KI 18,1–23,8) unter Sulfonylharnstoffen, entsprechend einer bereinigten gepoolten HR von 0,65 (95%-KI 0,50–0,82). Fazit In dieser Kohorte von Patienten mit Diabetes, die bereits GLP-1RA erhielten, scheint die Kombination mit einem SGLT2i einen besseren Effekt im Hinblick auf kardiovaskuläre Endpunkte zu erzielen als die Kombination mit Sulfonylharnstoffen. Das Ausmaß der CV-Risikoreduktion war den Autoren zufolge vergleichbar mit dem Nutzen, der in CV-Outcome-Studien mit SGLT2i im Vergleich zu Placebo beobachtet wurde, bei denen die GLP-1RA-Basisanwendung minimal war. (ah) Autoren: Dave CV et al. Korrespondenz: Chintan V Dave; [email protected] Studie: Risk of Cardiovascular Outcomes in Patients With Type 2 Diabetes After Addition of SGLT2 Inhibitors Versus Sulfonylureas to Baseline GLP-1RA Therapy Quelle: Circulation 2021;143(8):770–779. Web: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.047965
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