Social Media: Psychologen fordern Politik zum Handeln auf

Soziale Medien ziehen Kinder und Jugendliche in ihren Bann – mit negativen Auswirkungen auf die Entwicklung. (Foto: © Seventyfour – stock.adobe.com)

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen fordert in einer Resolution rechtliche Regelungen zur altersgerechten Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche.

Mit einer Resolution der Delegiertenkonferenz an Entscheidungsträger in der Politik macht der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) auf die zunehmend schädigende Wirkung einer unbegrenzten Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam. Die mit der übermäßigen Nutzung in Zusammenhang stehenden negativen Auswirkungen beträfen wesentliche Aspekte der psychischen Gesundheit Heranwachsender, erklärte der BDP.

Die eklatante Zunahme an psychischen Störungen wie Angst- und Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen, einer sozialen Deprivation und der Entwicklung von Abhängigkeiten sind dem Berufsverband zufolge mittlerweile wissenschaftlich gut belegt. Die übermäßige Social Media-Nutzung Heranwachsender sei entwicklungspsychologisch relevant und habe massive Auswirkungen auf das Kindeswohl. Es sei daher „höchste Zeit“ für gesetzliche Regelungen zur sinnvollen Regulierung, erklärte der BDP und schlägt ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor.

Politik muss für Kontrollstrukturen sorgen

So sollte aufgrund der Intransparenz und Komplexität aktueller Social Media-Plattformen die Verantwortung für altersgerechte Inhalte entsprechend des Verursacherprinzips bei den jeweiligen Betreibenden von Plattformen liegen. Hier sieht der Verband die Politik in der Pflicht, eine entsprechende gesetzliche Regulierung voranzutreiben sowie auch für die Bereitstellung ausreichender Kontrollstrukturen zu sorgen.

Weiter empfiehlt der BDP eine Regelung zur verpflichtenden Offenlegung verwendeter Algorithmen. Für die Funktionsweise und Entscheidungslogiken von Algorithmen, deren Auswirkungen auf Nutzende sowie Methoden und Ergebnisse von Compliance-Prüfungen sollte es eine Verpflichtung zur transparenten Darlegung für Plattform-Betreibende geben, die für Aufsichtsbehörden und Forschungseinrichtungen nachvollziehbar und überprüfbar sind.

Zudem bedürfe es einer rechtlichen Regelung zur Altersverifikation. Gerade unter Berücksichtigung des Datenschutzes erachtet der BDP die Sicherstellung von zuverlässigen, sicheren sowie datensparsamen Instrumenten zur Altersfeststellung als besonders wichtig.

Pädagogen brauchen mehr Medienkompetenz

Aus entwicklungspsychologischer Sicht wäre eine altersgerechte Staffelung für den Zugang zu Social Media-Plattenformen sinnvoll. Hier könnten rechtliche Vorgaben Eltern in der Medienerziehung ihrer Kinder unterstützen. Insbesondere bei jüngeren Kindern (bis 10 Jahre) bestehe Unterstützungsbedarf, den Public-Health-Kampagnen auf Landesebene aufgreifen könnten.

Von entscheidender Bedeutung ist dem BDP zufolge auch die Erweiterung der Medienkompetenz von Pädagogen an den verschiedenen Bildungseinrichtungen. Hilfreich wäre hier eine flankierende Beratung von pädagogischem Personal, Erziehungsberechtigten sowie Kindern und Jugendlichen durch Medienberatende und die Einführung von Social Media-Sprechstunden an weiterführenden Schulen, erklärte der Berufsverband. Der BDP plädiert zudem für ein bundesweites Smartphone-Verbot an Schulen (ggf. bis zur 10. Klasse) nach dem Vorbild Schleswig-Holsteins sowie anderer Staaten.

„Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Folgen einer übermäßigen Social Media-Nutzung fordert der BDP die Entscheidungstragenden in der Politik auf, gesetzliche Regelungen auf den Weg zu bringen, die Heranwachsende vor den Risiken der Social Media-Nutzung schützen und eine sinnvolle Medienerziehung im Sinne des Kindeswohls unterstützen“, heißt es in der Resolution. Für diesen Prozess stehe der Verband mit seiner Expertise zur Verfügung.