Sportrunde drehen statt Social-Media-Story sehen29. September 2022 © denis_vermenko – stock.adobe.com (Symbolbild) Wer täglich 30 Minuten weniger auf Sozialen Kanälen verbringt und sich stattdessen bewegt, tut viel für seine psychische Gesundheit. Das zeigt eine Studie des Teams vom Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum um Privatdozentin Dr. Julia Brailovskaia. Versuchspersonen, die sich zwei Wochen lang daran hielten, fühlten sich glücklicher, zufriedener, weniger durch die Covid-19-Pandemie belastet und weniger depressiv als eine Kontrollgruppe. Ein intensiver Social-Media-Konsum kann zu suchtartigem Verhalten führen, das sich zum Beispiel in emotionaler Abhängigkeit äußert. „Angesichts der Unklarheit, wie lange die Coronakrise noch dauern würde, wollten wir wissen, wie man dazu beitragen kann, die psychische Gesundheit der Menschen mit möglichst kostenfreien und niederschwelligen Angeboten zu schützen“, erklärt Brailovskaia. Um herauszufinden, ob die Art und Dauer der Nutzung Sozialer Medien dazu beitragen kann, führte sie im Rahmen ihres Fellowships am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) eine experimentelle Studie durch. Ein zweiwöchiges Experiment Sie und ihr Team gewannen insgesamt 642 Versuchspersonen, die sie zufällig je einer von vier etwa gleich großen Gruppen zuteilten. Die erste Gruppe reduzierte während einer Interventionsphase von zwei Wochen ihren täglichen Social-Media-Konsum um 30 Minuten. Da aus vorangegangenen Studien bekannt war, dass körperliche Bewegung das Wohlbefinden steigern und depressive Symptome reduzieren kann, steigerte die zweite Gruppe in diesem Zeitraum die Dauer körperlicher Aktivität um 30 Minuten täglich, während sie weiterhin unverändert oft und lange Soziale Medien nutzte. Die dritte Gruppe kombinierte beides, verringerte also den Social-Media-Konsum und steigerte die körperliche Aktivität. Eine Kontrollgruppe änderte ihr Verhalten während der Interventionsphase nicht. Vor, während und bis zu sechs Monate nach der zweiwöchigen Interventionsphase gaben die Teilnehmenden über Online-Fragebögen Auskunft über die Dauer, Intensität und emotionale Bedeutung ihrer Social-Media-Nutzung, körperliche Aktivität, ihre Lebenszufriedenheit, ihr subjektives Glücksgefühl, depressive Symptome, die psychische Belastung durch die Covid-19-Pandemie sowie über ihren Zigarettenkonsum. Gesund und glücklich im Zeitalter der Digitalisierung Die Ergebnisse des Experiments zeigten deutlich, dass sowohl die Reduktion der täglichen Zeit auf Social Media als auch die Steigerung körperlicher Aktivität das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Besonders die Kombination aus beidem steigert die Lebenszufriedenheit und das subjektive Glücksgefühl und mindert depressive Symptome. Und diese Effekte halten lange an: Noch 6 Monate nach Ende der zweiwöchigen Interventionsphase verbrachten die Teilnehmenden aller drei Interventions-Gruppen weniger Zeit auf Social Media als zuvor: eine gute halbe Stunde die Gruppen, die entweder Social-Media-Zeit reduziert oder ihre tägliche Bewegung gesteigert hatten, eine gute Dreiviertelstunde sogar die Teilnehmenden der Gruppe, die beide Maßnahmen kombiniert hatte. Letztere bewegte sich ein halbes Jahr nach Ende der Intervention jede Woche 1 Stunde und 39 Minuten mehr als vor dem Experiment. Ebenso erhielt sich der positive Einfluss auf die psychische Gesundheit über die gesamte Nachbeobachtungszeit. „Das zeigt uns, dass es wichtig ist, von zu Zeit zu Zeit die eigene Online-Erreichbarkeit einzuschränken und zu den menschlichen Wurzeln zurückzukehren“, fasst Brailovskaia zusammen. „Diese Maßnahmen sind einfach umzusetzen und kosten nichts – helfen aber, im digitalen Zeitalter glücklich und gesund zu bleiben.“ Literatur Brailovskaia J et al. Experimental longitudinal evidence for causal role of social media use and physical activity in COVID-19 burden and mental health. Z Gesundh Wiss 2022 Sep 2:1-14. https://doi.org/10.1007/s10389-022-01751-x Quelle: Ruhr-Universität Bochum, 07.09.2022
Mehr erfahren zu: "Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen" Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen Nach einer Infektion kann das Ebola-Virus monate- bis jahrelang unbemerkt im menschlichen Körper überleben, unter anderem im Zentralen Nervensystem. Mithilfe von Hirnorganoiden haben Forschende nun wertvolle Einblicke in die Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen" Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen Forschende des Universitätsklinikums Tübingen haben am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson gezeigt, dass Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, patientenrelevante Therapieerfolge wie verbesserte Alltagsfunktionen besser vorherzusagen.
Mehr erfahren zu: "Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie" Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie Ein Transatlantisches Exzellenznetzwerk, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Magdeburg beteiligt ist, erhält acht Millionen Euro Förderung zur Erforschung einer häufig übersehenen Gefäßerkrankung.