Sprachstörungen nach Schlaganfall: Netzwerke im Gehirn helfen, Schäden zu kompensieren24. März 2020 „Uns hat interessiert, wie sich das gestörte Netzwerk reorganisiert, um die Störung zu kompensieren“, sagt Prof. Dorothee Saur (r.), Leitende Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKL, hier mit Erstautorin Dr. Anika Stockert. (Foto: Stefan Straube/UKL) Nach Schlaganfällen leiden viele Betroffene an Sprachstörungen. Im Gehirn sind Funktionen wie Sprache in Netzwerken verortet. Nach einem Schlaganfall sind diese Netzwerke dann gestört. Neurologen aus Leipzig haben nun untersucht, wie das menschliche Gehirn diesen Schaden kompensiert. Die Ergebnisse der Studie aus der Arbeitsgruppe um Prof. Dorothee Saur, Leitende Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKL, und Dr. Anika Stockert als Erstautorin eröffnen ein neues Verständnis für die Spracherholung nach einem Schlaganfall. Auf der Schlaganfall-Spezialstation des UKL wurden dafür Patienten mit Aphasie, also einer Sprachstörung, in den ersten Tagen nach einem Schlaganfall mithilfe einer funktionellen MRT untersucht: “Die Patienten erhielten von uns während der MRT-Untersuchung einfache Sätze zum Zuhören. So konnten wir sehen, welche Hirnregionen aktiv miteinander kommunizieren, während die Patienten diese Sätze hören”, erläutert die Neurologin. Nicht nur die Struktur, sondern auch Funktionen des Gehirns lassen sich so darstellen. Geschieht dies auch zu einem frühen Zeitpunkt, können die Ärzte nicht nur die Störungen in den Netzwerken, sondern auch deren Veränderung erkennen. “Nach zwei Wochen und nach einem halben Jahr wiederholten wir das Ganze und sahen dann die Entwicklung und Erholung”, sagt Saur. Insgesamt 34 ausgewählte Fälle kamen in die abschließende Auswertung. Interessant war vor allem, was dabei im Zeitverlauf nach dem Schlaganfall beobachtet werden konnte: “Im akuten Zustand erkennen wir erhebliche Netzwerkstörungen, abhängig davon, wo im Gehirn der Infarkt stattfand. Dies führt dazu, dass Netzwerke, die nicht vom Infarkt zerstört wurden, mobilisiert werden”, schildert sie. “Sogar solche, die nicht einmal für Sprache verantwortlich sind, helfen bei der Erholung.” Hirngewebe nahe am Infarkt erholt sich erst im späteren Verlauf nach einigen Monaten. “Dieses Verständnis ist ganz entscheidend”, so Saur, “denn nur wenn wir die Hirnregionen kennen, die für die Erholung wichtig sind, können wir sie gezielt anregen und so die Heilung fördern.” Dieser Idee folgend entwickeln die UKL-Neurologen nun in Kooperation mit PD Dr. Gesa Hartwigsen und der gemeinsamen Doktorandin Sandra Martin vom benachbarten Max-Planck-Institut (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften eine Studie, in der die für die Spracherholung kritischen Netzwerke bei Schlaganfallpatienten mit chronischer Aphasie mit Magnetstimulation angeregt werden. “Wir sehen in der Anwendung solcher individualisierter Netzwerktherapien zusätzlich zur Sprachtherapie ein großes Potential für die Neurorehabilitation”, ist Saur optimistisch. Originalpublikation: Stockert A et al.: Dynamics of language reorganization after left temporo-parietal and frontal stroke. Brain, 18. Februar 2020
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