Stechmücken im Gepäck: Bringen Klimawandel und Globalisierung Tropenkrankheiten nach Europa?14. Juni 2018 © mycteria – fotolia Immer wieder gelangen tropische Stechmücken wie die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus mit Warenlieferungen oder im Gepäck von Reisenden nach Europa.Zunehmend finden sie hier Lebensbedingungen vor, die eine dauerhafte Ansiedlung ermöglichen. In weiten Teilen Südeuropas, bis hinein nach Süddeutschland, haben sich so bereits stabile Populationen tropischer Mücken etabliert. Wie sich das auf die Ausbreitung tropischer Infektionskrankheiten auswirkt und welche Rolle europäische Mückenarten hierbei spielen, darüber werden Experten auf einer Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2018) am 21. Juni 2018 in Köln sprechen. In Freiburg im Breisgau und entlang des Oberrheins ist es im Sommer inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr, einer Asiatischen Tigermücke zu begegnen. Auch Exemplare des Japanischen Buschmoskitos Aedes japonicus werden dort seit einigen Jahren regelmäßig nachgewiesen. „Die Ausbreitung dieser Exoten findet zunächst entlang der Hauptreiserouten statt“, berichtet Professor Dr. med. Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. So haben Forscher des Instituts, die in Kooperation mit anderen Instituten und Fachgesellschaften Mückenpopulationen in Deutschland erfassen, die tropischen Arten zunächst an Autobahnraststätten nachgewiesen. Auch wenn die beiden Aedes-Arten Krankheitserreger wie das Zika-Virus und die Erreger des Dengue- oder des West-Nil-Fiebers übertragen können, sieht Tannich die Gefahr von Ausbrüchen in Deutschland als gering an. „Mit Ausnahme des Chikungunya-Fiebers benötigen die Krankheitserreger für eine Übertragung erhöhte Temperaturen über einen längeren Zeitraum, wie sie bei uns auch im Sommer nur selten anzutreffen sind“, sagt der Tropenmediziner. Im Rahmen des bundesweiten Mücken-Monitorings, das vor zwei Jahren durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ins Leben gerufen wurde, habe sich gezeigt, dass hierzulande noch keine für Menschen gefährlichen Viren zirkulieren. In verschiedenen Ländern Südeuropas komme es allerdings immer wieder zu Ausbrüchen des West-Nil- und des Dengue-Fiebers. Aus Italien und Frankreich seien zumindest Chikungunya-Ausbrüche bekannt – bei steigender Besiedlung mit Aedes albopictus und fortschreitender Erwärmung sei damit auch in Deutschland zu rechnen, so Tannich. Bestandteil des Mücken-Monitorings sind auch Untersuchungen zur so genannten Vektor- oder Überträgerkompetenz. Dabei testen die Forscher, welche Mückenarten prinzipiell in der Lage sind, bestimmte Erregertypen zu übertragen. Theoretisch könnten tropische Krankheitserreger, wenn sie erst einmal hier sind, auch von einheimischen Mücken wie der Gemeinen Hausmücke Culex pipiens weiterverbreitet werden. „Unter Laborbedingungen kann diese in ganz Deutschland häufige Art durchaus tropische Erreger wie das West-Nil- oder das Japan-Enzephalitis-Virus übertragen“, sagt Tannich. Allerdings sei es im Freiland hierfür in Deutschland zu kühl. Ziel des Stechmücken-Monitorings ist es letztlich, die ökologischen und klimatischen Bedingungen zu identifizieren, unter denen sich die verschiedenen Mückenarten und die von ihnen übertragenen Erreger etablieren können. „Nur mit solchen Daten lässt sich abschätzen, ob und in welchen Gegenden Deutschlands die ursprünglich tropischen Krankheiten überhaupt ausbrechen können“, betont Tannich – um frühzeitig durch gezielte Maßnahmen das Auftreten neuen Plagen zu verhindern.
Mehr erfahren zu: "Vitiligo: Können Melanozyten reaktiviert werden?" Vitiligo: Können Melanozyten reaktiviert werden? Forschende aus Japan fanden Hinweise, dass Melanozyten bei Vitiligo nicht verschwinden, sondern ihre Funktion vorübergehend verlieren. Das eröffnet neue therapeutische Perspektiven.
Mehr erfahren zu: "Sind Ärzte-Siegel des „Focus“ irreführend?" Sind Ärzte-Siegel des „Focus“ irreführend? Testsiegel für Ärzte unterliegen strengen Anforderungen sowohl in Bezug auf das zugrundeliegende Testverfahren als auch die Gestaltung der Test-Logos. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil zu Ärzte-Siegeln der […]
Mehr erfahren zu: "GLP-1-Rezeptoragonisten bei Typ-2-Diabetes mit erhöhtem Risiko für Haarausfall assoziiert" GLP-1-Rezeptoragonisten bei Typ-2-Diabetes mit erhöhtem Risiko für Haarausfall assoziiert Der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) ist bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Risiko für Haarausfall (Alopezie) verbunden. Das absolute Risiko sei laut Forschenden zwar gering, dennoch könnte die Kenntnis […]