Steckt im grünen Tee ein Wirkstoff gegen Antibiotikaresistenz?23. September 2019 Computergeneriertes Bild des gefürchteten Krankenhauskeims P.aeruginosa. Foto: ©CDC/James Archer Eine gesundheitsfördernde Wirkung wird dem grünen Tee schon seit längerer Zeit nachgesagt. Dass er aber im Kampf gegen Antibiotika-resistente Bakterien helfen kann, ist eine neue Erkenntnis von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und Wissenschaftlern der University of Surrey. Sie haben ein natürliches Antioxidans im grünen Tee entdeckt, das multiresistente Pseudomonas aeruginosa Bakterien in einer Studie angreifbarer machte. Die Untersuchung wurde aktuell im Journal of Medical Microbiology veröffentlicht. Epigallocatechin (EGCG) heißt die Substanz im grünen Tee, die die Aktivität eines Antibiotikums – Aztreonam – gegen den in Krankenhäusern gefürchteten Erreger Pseudomonas aeruginosa wiederherstellen konnte und damit dessen Wachstum hemmte. P. aeruginosa kann schwere Lungeninfektionen sowie Blutvergiftungen hervorrufen und wird häufig mit Aztreonam behandelt, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Durch zunehmende Resistenzen gegenüber Aztreonam kann die Behandlung des Bakteriums schwierig werden. Tee-Wirkstoff im Test In in vitro-Versuchen analysierten die Wissenschaftler, ob EGCG die Wirkung des Antibiotikums auf das Wachstum von P. aeruginosa beeinflusst. „Wir konnten zeigen, dass Aztreonam die Bakterienvermehrung stärker hemmte, wenn EGCG mit im Kulturmedium enthalten war“, erklärt Prof. Harald Seifert, DZIF-Wissenschaftler an der Uniklinik Köln. Die Substanz aus dem Tee konnte demnach die Empfindlichkeit der Bakterien für das Antibiotikum wiederherstellen. Dieser synergistische Effekt wurde auch in vivo bestätigt, indem Wachsmottenlarven mit dem Antibiotikum – mal mit und mal ohne das EGCG – behandelt wurden. Die toxische Wirkung von EGCG erwies sich sowohl in Versuchen mit Hautzellen als auch in den Larven als gering, was für einen möglichen klinischen Einsatz in der Zukunft entscheidend sein kann. Der Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Erstautor Dr. Jonathan Betts, University of Surrey, erklärt: „Natürliche Produkte wie EGCG, die mit bereits lizenzierten Antibiotika kombiniert werden, könnten ein wichtiges Mittel sein, um die Lebensdauer eines Antibiotikums zu verlängern.“ Eine Weiterentwicklung dieser alternativen Wirksubstanz bis hin zu klinischen Studien ist geplant.
Mehr erfahren zu: "DGKJCH: Krankenhausreform muss chirurgisch kranke Kinder stärker berücksichtigen" DGKJCH: Krankenhausreform muss chirurgisch kranke Kinder stärker berücksichtigen In einer Stellungnahme an den Bundestag kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie (DGKJCH), dass die finanzielle, personelle und strukturelle Absicherung der operativen Kinder- und Jugendmedizin im Rahmen des […]
Mehr erfahren zu: "Hochschulmedizin: Medizinregister stärken – Bürokratie begrenzen" Hochschulmedizin: Medizinregister stärken – Bürokratie begrenzen Das Medizinregistergesetz soll Medizinregister als zentrale Infrastruktur für Forschung, Qualitätssicherung und Versorgung stärken. Die Deutsche Hochschulmedizin (DHM) begrüßt das, fordert aber gleichzeitig klare und praxistaugliche Regelungen, wissenschaftsnahe Strukturen und verlässliche […]
Mehr erfahren zu: "Medizin der Zukunft – ein Blick in einen besonderen OP" Medizin der Zukunft – ein Blick in einen besonderen OP Tumore als leuchtende Punkte, Organe aus dem 3D-Drucker und ein Avatar in der Notaufnahme: In einer Oldenburger Klinik verschmilzt Hightech mit Medizin – und das rettet Leben.