Stillmuster und Allergien: Japanische Kohortenstudie liefert neue Hinweise4. August 2026 Nur Stillen oder Beikost? Die frühe Einführung häufiger Nahrungsmittelallergene könnte helfen, eine immunologische Toleranz zu entwickeln. Symbolbild: © Julia Beatty – stock.adobe.com Eine große japanische Geburtskohorte zeigt: Ausschließliches Stillen ist offenbar mit einem geringeren Risiko für Asthma und Allergische Rhinokonjunktivitis assoziiert, gleichzeitig jedoch mit einer höheren Prävalenz von Nahrungsmittelallergien. Frühere Studien haben gezeigt, dass ausschließliches Stillen über vier bis sechs Monate mit einem geringeren Risiko für bronchiales Asthma und allergische Rhinitis im frühen Kindesalter assoziiert ist. Trotz dieser positiven Effekte bleibt der Einfluss auf Nahrungsmittelallergien unklar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sechs Monate ausschließliches Stillen, ergänzende Beikost erst ab dem siebten Monat sowie weiteres Stillen bis zum zweiten Lebensjahr oder länger. Diese Empfehlung stützt sich vor allem auf Daten aus armen Ländern mit hohem Risiko für schwere Infektionen und unsicherer Gesundheits- und Nahrungsmittelversorgung. Für andere Länder fehlen Daten (wir berichteten). Eine Arbeitsgruppe aus Japan untersuchte daher den Zusammenhang zwischen Stillmustern und allergischen Erkrankungen in ihrem Land. Dazu nutzte sie Daten einer Geburtskohorte von 88.037 Mutter-Kind-Paaren, die von der Geburt bis zum Alter von sechs Jahren nachverfolgt worden waren. Die in „BMC Pediatrics“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Stillen während der ersten sechs Lebensmonate mit einer niedrigeren Prävalenz einiger allergischer Erkrankungen, jedoch mit einer höheren Prävalenz anderer assoziiert war. „Günstige Assoziationen des Stillens wurden für die Prävalenz von Bronchialem Asthma und Allergischer Rhinokonjunktivitis beobachtet, während ungünstige Assoziationen für Nahrungsmittelallergien, insbesondere bei männlichen Säuglingen, festgestellt wurden“, sagt Prof. Hidekuni Inadera von der Universität Toyama (Japan). Zusammenhang zwischen Stillmustern und allergischen Erkrankungen Die Forschenden analysierten Daten der Japan Environment and Children’s Study, einer groß angelegten Geburtskohorte, in die zwischen Januar 2011 und März 2014 schwangere Frauen aus 15 Regionen Japans eingeschlossen worden waren. Die Teilnehmenden wurden auf der Grundlage ihres Ernährungsregimes während der ersten sechs Lebensmonate in vier Gruppen eingeteilt: Säuglinge, die ausschließlich mit Säuglingsanfangsnahrung ernährt wurden, weniger als sechs Monate gestillte Säuglinge, über sechs Monate gestillte Säuglinge mit zusätzlicher Säuglingsanfangsnahrung sowie ausschließlich über sechs Monate gestillte Säuglinge. Anschließend untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen Stillmustern und der Entwicklung allergischer Erkrankungen bis zum Alter von sechs Jahren. Dabei nutzten sie jährlich von den Betreuungspersonen ausgefüllte Fragebögen, in denen diese angaben, ob bei dem Kind eine ärztliche Diagnose von Bronchialem Asthma, Allergischer Rhinokonjunktivitis, Nahrungsmittelallergie oder Atopischer Dermatitis gestellt worden war. Sie stellten fest, dass Kinder, die während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt wurden, mit geringerer Wahrscheinlichkeit Bronchiales Asthma und Allergische Rhinokonjunktivitis entwickelten als Kinder in den anderen Ernährungsgruppen. Die Assoziation mit Bronchialem Asthma war während der ersten zwei Lebensjahre am stärksten und schwächte sich mit zunehmendem Alter allmählich ab. Im Gegensatz dazu war ausschließliches Stillen über sechs Monate auch mit einer höheren Prävalenz von Nahrungsmittelallergien und Atopischer Dermatitis assoziiert. Die Assoziation mit Nahrungsmittelallergien war bei Jungen am stärksten und blieb bis etwa zum Alter von drei Jahren erkennbar. Frühe Einführung von Beikost Eine mögliche Erklärung für die höhere Prävalenz von Nahrungsmittelallergien könnte der Zeitpunkt der Einführung von Beikost sein. Frühere Studien haben gezeigt, dass die Einführung häufiger Nahrungsmittelallergene wie Ei und Erdnuss zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat Säuglingen helfen kann, eine immunologische Toleranz zu entwickeln, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Nahrungsmittelallergien reduziert wird. „In Übereinstimmung mit unseren Ergebnissen und einigen früheren Beobachtungen empfehlen aktuelle Leitlinien, dass Beikost eingeführt wird, wenn Säuglinge zwischen vier und sechs Monate alt sind, während das Stillen fortgesetzt wird“, sagt Inadera. Die Ergebnisse legen nahe, dass Stillpraktiken zusammen mit dem Zeitpunkt der Beikosteinführung berücksichtigt werden sollten, wenn Strategien zur Reduktion von Allergien im Kindesalter entwickelt werden. (ins)
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