Strukturierte Unterstützungsangebote bei Herzinsuffizienz: Evidenzkartierung als neue Option für den G-BA8. November 2024 Foto: ©Ralf Baumgarten Mit einer Evidenzkartierung zu Themen, die nicht ausreichend von Leitlinien abgedeckt sind, eröffnet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) kurzfristige Handlungsoptionen für DMP-Beratungen. Der G-BA hat das IQWiG mit einer Evidenzkartierung zum Einsatz von strukturierten Unterstützungsangeboten beim Monitoring von Herzinsuffizienzpatienten beauftragt, die die Einschlusskriterien zur Teilnahme am Disease-Management-Programm (DMP) Herzinsuffizienz erfüllen. Dem IQWiG zufolge nutzt der G-BA mit diesem Auftrag erstmals die Option, um die Evidenz aus Leitlinien im Zuge von DMP-Beratungen mit Unterstützung des IQWiG durch weitere Evidenz zu vervollständigen. Die Evidenzkartierung des IQWiG basiert auf einer systematischen Recherche und liefert wichtige Hinweise auf Ansatzpunkte für strukturierte Unterstützung, die eine Stabilisierung der Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz nach einem Krankenhausaufenthalt ermöglichen könnte. Stabilisierende Maßnahmen bei Herzinsuffizienz Dem IQWiG zufolge wurden insgesamt acht randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) in die Evidenzkartierung eingeschlossen. Die betrachteten Patientenpopulationen seien teils breit definiert, teils enger eingegrenzt auf Patientinnen und Patienten mit potenziell besonderem Versorgungsbedarf gewesen: nach kardialer Dekompensation und stationärem Aufenthalt wegen Herzinsuffizienz sowie bei zusätzlichem Vorliegen einer depressiven Symptomatik. Zu den Details der eingebogenen RCTs erläutert das IQWiG weiter: Die Studien untersuchten unterschiedlich gestaltete Unterstützungsangebote, die zumeist über regelmäßige telefonische oder häusliche Patientenkontakte durch geschulte Pflegekräfte umgesetzt wurden. Die Unterstützungsangebote in den Studien variierten beispielsweise in Bezug auf die Interventionsdauer sowie den Umfang und die Frequenz der Patientenkontakte. Die Maßnahmen zielten häufig auf Patientenschulungen ab, aber auch auf eine engmaschige Überwachung von Symptomen und Vitaldaten sowie auf eine Optimierung der medikamentösen Therapie. In der Evidenzkartierung werden die zentralen patientenrelevanten Zielgrößen aus den Studien –Mortalität und Hospitalisierung – dargestellt, heißt es vom IQWiG, für die zum Teil auch Metaanalysen möglich gewesen seien. Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität hätten nur vereinzelt verwertbare Ergebnisse vorgelegen. „Statistisch signifikante Effekte zugunsten eines strukturierten Unterstützungsangebots gegenüber einer Standardversorgung zeigten sich vor allem in der größten Studie E-INH für lange Nachbeobachtungszeiträume von 60 bzw. 120 Monaten in den Endpunkten zur Gesamt- bzw. krankheitsspezifischen Mortalität und Hospitalisierung. Diese in Deutschland durchgeführte Studie hatte mit 18 Monaten auch die längste Interventionsdauer“, heißt es im Fazit des Rapid Reports. Stefanie Thomas, Leiterin des Stabsbereichs Qualitätssicherung beim IQWiG, zieht Bilanz nach der ersten Evidenzkartierung für die DMP-Beratungen im G-BA: „Innerhalb von nur fünf Monaten steht vom IQWiG eine solide Übersicht über die Evidenz zu strukturierten Unterstützungsangeboten bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz zur Verfügung. Auf dieser Grundlage kann der G-BA jetzt gezielt über weitere Maßnahmen für das DMP Herzinsuffizienz entscheiden.“ Zum Ablauf der Berichtserstellung Der G-BA hatte das IQWiG am 15. Mai 2024 beauftragt, die Evidenzkartierung zu strukturierten Unterstützungsangeboten im Rahmen des Monitorings von Herzinsuffizienzpatienten in einem beschleunigten Verfahren als „Rapid Report“ zu erarbeiten. Zwischenprodukte wurden daher nicht veröffentlicht und nicht zur Anhörung gestellt. Dem G-BA ist dieser Rapid Report am 19. August 2024 zugegangen.
Mehr erfahren zu: "CKM-Syndrom: Starker Anstieg des hs-CRP-Werts bereits im Frühstadium" CKM-Syndrom: Starker Anstieg des hs-CRP-Werts bereits im Frühstadium US-amerikanische Daten deuten an, dass sich das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) bereits in Stadium 1 des kardiovaskulär-renalen-metabolischen (CKM-)Syndroms nahezu verdoppelt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer frühzeitigen Prävention von Herz-Kreislauf- […]
Mehr erfahren zu: "Volkskrankheit Fettleber: Verbände fordern nationales Maßnahmenpaket" Volkskrankheit Fettleber: Verbände fordern nationales Maßnahmenpaket In einem gemeinsamen Strategiepapier schlagen Verbände aus der Gastroenterologie, Diabetologie und Kardiologie konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Volkskrankheit Fettleber vor.
Mehr erfahren zu: "Notfallreform: GRC begrüßt gesetzliche Verankerung lebensrettender Maßnahmen" Notfallreform: GRC begrüßt gesetzliche Verankerung lebensrettender Maßnahmen Ob Telefonreanimation, App-basierte Ersthelfende-Systeme oder ein bundesweites AED-Kataster: Der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) sieht in der jüngst beschlossenen Notfallreform einen echten Mehrwert für die Hilfe bei plötzlichem Herz-Kreislauf-Stillstand.