Studie findet begrenzte Wirksamkeit von gängigem Lokalanästhetikum16. Mai 2024 Foto: ©MQ-Illustrations/stock.adobe.com Liposomales Bupivacain wurde vor zwölf Jahren auf den Markt gebracht, um eine lang anhaltende lokale Schmerzkontrolle zu ermöglichen – insbesondere bei orthopädischen Eingriffen. Eine Forschungsarbeit der MedUni Wien (Österreich) zeigt nun im Fachjournal „Anesthesiology“ die begrenzte Wirksamkeit der Substanz auf. Die Studie wurde als Zusammenarbeit von Forschenden der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie und der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie mit 25 freiwilligen, gesunden Probanden randomisiert, kontrolliert und dreifach verblindet durchgeführt. Bei den Studienteilnehmern wurden zur Schmerzkontrolle nach Zufallsprinzip jeweils zwei ultraschallgeführte Blockaden des Nervus ulnaris mit Bupivacain durchgeführt, einmal in der herkömmlichen und einmal in der liposomalen Form, welche eine langsamere Freisetzung über einen längeren Zeitraum ermöglichen soll (Crossover-Studie). Der Erfolg der jeweiligen Nervenblockade wurde mittels Pinprick-Tests und motorische Daten durch Daumenadduktion erhoben, jeweils im Vergleich mit dem kontralateralen Arm. „Da die Kombination von beiden Bupivacain-Formen empfohlen wird, wusste man bisher kaum über die Wirksamkeit von alleiniger Verwendung von liposomalem Bupivacain in der Schmerztherapie während und unmittelbar nach Operationen Bescheid“, beschreibt Co-Erstautor Peter Marhofer die Ausgangslage. Keine ausreichende Schmerzlinderung mit liposomalem Wirkstoff Wie die Untersuchungen ergaben, führte die Verabreichung von liposomalem Bupivacain bei etwa einem Drittel der Probanden zu einer erfolgreichen Blockade der Schmerzleitung, im Vergleich zu 100 Prozent nach Gabe der herkömmlichen Form. „Daraus lässt sich schließen, dass liposomales Bupivacain allein nicht ausreicht, um die Schmerzen während einer Operation zu kontrollieren“, so das Fazit von Anästhesist Marhofer. Was die länger andauernde postoperative Wirksamkeit betrifft, so führte liposomales Bupivacain im betroffenen Bereich des Körpers der Probanden zwar zu einer über 3,5 Tage anhaltenden reduzierten Schmerzempfindlichkeit. „Allerdings kann diese Wirkung aufgrund unserer Messungen nicht als verlässlich angesehen werden, da die Wirksamkeit auch innerhalb eines Probanden unberechenbar war und über die Zeit teilweise mehrmals ab- und wieder zunahm“, erklärt Marhofer. Weitere Forschung für sicheren Einsatz Als spezielle Form des bereits 1963 eingeführten Bupivacain wurde liposomales Bupivacain mit dem Ziel entwickelt, eine lang anhaltende regionale Schmerzkontrolle zu gewährleisten. Seine Funktionsweise beruht auf der lokalen Blockierung der Nervenleitung, wodurch keine Schmerzsignale vom betäubten Bereich zum Gehirn weitergeleitet werden können. Durch die Verlängerung der Wirkungsdauer sollten Patientinnen und Patienten nach der Operation weniger Schmerzen haben und weniger Opioide benötigen, was wiederum das Risiko von Abhängigkeit und anderen unerwünschten Nebenwirkungen senken sollte. In der medizinischen Praxis wird liposomales Bupivacain typischerweise zur lokalen Betäubung insbesondere bei orthopädischen Operationen verwendet. „Unsere Studie zeigte unvorhersehbare Effekte von liposomalem Bupivacain in Bezug auf Nervenblockade und damit einhergehender Schmerzlinderung. Basierend auf unseren Erkenntnissen kann die Substanz somit derzeit nicht für den Gebrauch in der Schmerztherapie während und nach Operationen empfohlen werden“, betont Studienleiter Markus Zeitlinger.
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