Studie findet spezifische kognitive Defizite nach COVID-Erkrankung23. Juli 2025 Gedächtnisprobleme sind ein häufiges Symptom von Long-COVID. (Foto: © highwaystarz – stock.adobe.com) Eine Forschungsgruppe am Campus Heidelberg der SRH University zeigt in einer groß angelegten Online-Studie, dass eine COVID-19-Erkrankung mit spezifischen Gedächtnisproblemen einhergehen kann. Betroffen ist vor allem die Fähigkeit, ähnliche Erinnerungen auseinanderzuhalten – eine Funktion des Hippocampus. COVID-19 wird mit akuten und langfristigen kognitiven Beeinträchtigungen, darunter Gedächtnis- und Konzentrationsdefiziten, sowie neuropsychiatrischen Symptomen wie Angstzuständen und Depressionen in Verbindung gebracht. Die Mechanismen, die diesen kognitiven und affektiven Veränderungen zugrunde liegen, sind jedoch noch immer weitgehend unbekannt. Eine umfassende Studie der SRH University zeigt eindrucksvoll, dass eine COVID-19-Erkrankung lang anhaltende und spezifische Gedächtnisbeeinträchtigungen nach sich ziehen kann. Die Ergebnisse wurden kürzlich in „Scientific Reports“ veröffentlicht. COVID-19 hinterlässt Spuren – auch im Gehirn Die Forschungsgruppe analysierte die kognitiven Funktionen von mehr als 1400 Teilnehmenden und konnte nachweisen, dass insbesondere das Gedächtnis zur Unterscheidung ähnlicher Erinnerungen betroffen ist. Diese Fähigkeit wird maßgeblich vom Hippocampus gesteuert. Untersucht wurden Personen, die bereits mit SARS-CoV-2 infiziert waren, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne bisherige Infektion. Die Teilnehmenden, zwischen 18 und 90 Jahren alt, absolvierten eine Reihe digitaler Tests, um spezifische Aspekte ihrer kognitiven Leistung zu überprüfen. Dabei zeigten sich signifikante Defizite in der mnemonischen Diskriminierungsleistung, also der Fähigkeit, ähnliche Erinnerungen voneinander zu unterscheiden. Diese spezifische Gedächtnisstörung trat unabhängig von Faktoren wie Alter, Bildung, Stress oder Depressivität auf. Andere kognitive Fähigkeiten, wie kognitive Flexibilität oder das allgemeine Erinnerungsvermögen, blieben hingegen weitgehend unbeeinträchtigt. „Unsere Ergebnisse belegen erstmals in einer großen Stichprobe eindeutig eine spezifische Gedächtnisstörung nach einer COVID-19-Erkrankung, die nicht allein durch psychische Belastungen oder allgemeine körperliche Erschöpfung erklärt werden kann“, berichtet Prof. Patric Meyer, Professor für Allgemeine und Neurokognitive Psychologie am Campus Heidelberg der SRH University und Studienleiter. Hinweise auf gestörte Neurogenese Die Wissenschaftler vermuten, dass Entzündungsreaktionen im Gehirn, welche häufig im Zusammenhang mit COVID-19 auftreten, die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus beeinträchtigen. Dies könnte erklären, warum Betroffene noch Monate oder sogar mehr als ein Jahr nach ihrer Infektion mit kognitiven Beeinträchtigungen kämpfen – ein typisches Merkmal von Long-COVID. Den Forschenden zufolge könnten die Erkenntnisse der Studie helfen, langfristige kognitive Symptome von COVID-19 besser zu verstehen und gezielte Rehabilitationsangebote zu entwickeln.
Mehr erfahren zu: "Grünflächen im Wohnumfeld sind mit einem geringeren Risiko für Demenz assoziiert" Grünflächen im Wohnumfeld sind mit einem geringeren Risiko für Demenz assoziiert Stadtbewohner, in deren unmittelbarem Wohnumfeld – im Umkreis von 100 Metern – mehr Grünflächen vorhanden sind, haben ein geringeres Risiko, im Laufe der Zeit an Demenz zu erkranken.
Mehr erfahren zu: "Analgetische Wirkung von Ketamin: Braucht es die Dissoziation?" Analgetische Wirkung von Ketamin: Braucht es die Dissoziation? Ketamin wird als Analgetikum und Anästhetikum eingesetzt. Neben der schmerzstillenden Wirkung hat es auch einen dissoziativen Effekt. Dieser scheint jedoch nicht Voraussetzung für die Analgesie zu sein, wie eine experimentelle […]
Mehr erfahren zu: "Update zu: Frankreich meldet ersten Shamonda-Virus-Fall beim Menschen" Update zu: Frankreich meldet ersten Shamonda-Virus-Fall beim Menschen Das Shamonda-Virus galt bislang als nicht auf Menschen übertragbar. In Frankreich ist nun ein infizierter immungeschwächter Patient gestorben. Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und Prof. Martin Beer […]