Studie identifiziert Ursachen für das spätere Depressionsrisiko von Scheidungskindern

Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, haben im späteren Leben ein höheres Depressionsrisiko. (Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com)

Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, haben als Erwachsene ein erhöhtes Depressionsrisiko. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass nicht die Trennung selbst die Haptursache hierfür ist.

Bislang galt eine Scheidung der Eltern als eigenständiger Risikofaktor für die spätere psychische Gesundheit von Kindern. Eine nun in „Psychiatry Research“ veröffentlichte Studie wirft jedoch ein neues Licht auf die zugrunde liegende Pathophysiologie dieses Zusammenhangs. Das Team um die Erstautorin Mary Kate Schilke von der Tyndale University in Toronto (Kanada) hatte dafür Daten von mehr als 128.000 Erwachsenen aus einer bevölkerungsbasierten Erhebung in den USA analysiert.

Herausforderungen in der Familie als Kernursache

Dabei stellten die Forscher fest, dass das zunächst deutlich erhöhte Depressionsrisiko von Scheidungskindern statistisch nicht mehr signifikant war, sobald psychische Vorerkrankungen der Eltern sowie deren Suchtproblematiken in die Analyse einbezogen wurden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Geschichte weitaus komplexer ist, als bisher angenommen“, erklärt Schilke. Die familiären Herausforderungen, die oft parallel zu einer Scheidung auftreten, scheinen demnach das entscheidende Moment für das langfristige Depressionsrisiko zu sein.

So gab mehr als jeder fünfte Befragte aus geschiedenen Familien an, mit einem Elternteil aufgewachsen zu sein, der unter einer psychischen Erkrankung litt – in stabilen Ehen traf dies auf weniger als jeden Zehnten zu. Noch deutlicher war der Unterschied beim Substanzmittelmissbrauch: Dieser war bei Scheidungskindern mit 35 Prozent mehr als doppelt so häufig vertreten wie in der Vergleichsgruppe (15 %). Solche Belastungsfaktoren tragen massiv zu einem stressbehafteten häuslichen Umfeld bei, das die psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern nachhaltig beeinträchtigen kann.

Unterstüztung für Eltern fördert Gesundheit der Kinder

Die Daten, die der Studie zugrunde liegen, stammen aus einer groß angelegten bevölkerungsbezogenen US-amerikanischen Umfrage in den Jahren 2021–2024. Befragte, die in ihrer Kindheit körperlichen oder sexuellen Missbrauch erlebt hatten, wurden aus der Analyse ausgeschlossen. Die endgültige Stichprobe umfasste 128.264 Erwachsene im Alter von mindestens 18 Jahren, von denen ein Viertel vor dem 18. Lebensjahr die Scheidung der Eltern erlebt hatte.

Die Prävalenz von Depressionen lag bei 14,1 Prozent unter denjenigen, deren Eltern durchgehend verheiratet waren sowie bei 19,2 Prozent unter denjenigen, deren Eltern geschieden waren. „Diese Studie legt nahe, dass die zukünftige psychische Gesundheit von Kindern weniger vom Familienstand ihrer Eltern beeinflusst wird als von den Herausforderungen, denen sie während ihres Heranwachsens ausgesetzt sind“, folgert Fuller-Thomson.

„Maßnahmen zur Verringerung psychischer Erkrankungen und des Substanzkonsums bei Eltern könnten Vorteile mit sich bringen, die weit über die Eltern selbst hinausreichen und dazu beitragen, die psychische Gesundheit generationenübergreifend zu verbessern“, schlussfolgert Esme Fuller-Thomson, Professorin für Sozialarbeit und am Institut für Lebensverlauf und Altern der Universität Toronto. (ej)