Studie untersucht das Absetzen nicht notwendiger Medikation am Beispiel von Levothyroxin22. Juli 2026 Symbolbild: Johnstocker/stock.adobe.com Ein Forschungsprojekt unter der Leitung der TU Dresden soll die Frage klären, ob ein sicheres Absetzen von Levothyroxin möglich ist. Der Nutzen des Medikaments bei latenter Hypothyreose ist bislang nicht sicher belegt. Eine angemessene medizinische Versorgung bedeutet eine bedarfsgerechte, wirksame und an den Patientinnen und Patienten orientierte Behandlung. Dies bedeutet auch, die Gabe von Medikamenten regelmäßig kritisch zu prüfen. Initiiert durch ein gemeinsames allgemeinmedizinisches Forschungsteam der Medizinischen Fakultäten der Universitäten in Dresden, Leipzig und Cottbus, startete jetzt das Forschungsprojekt „DELTA-RCT: Das Absetzen von Levothyroxin bei Patientinnen und Patienten mit latenter Hypothyreose“. Die Studie wird an drei Standorten Mitteldeutschlands durchgeführt und mit rund 3,5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Nutzen von Levothyroxin bei latenter Hypothyreose fraglich Bei Hypothyreose handelt es sich um eine relativ häufig auftretende Schilddrüsenunterfunktion, von der insbesondere Frauen und ältere Menschen betroffen sind. Auffällig für die latente Hypothyreose sind Symptomfreiheit und ein leicht erhöhter TSH-Wert, der oft zufällig gefunden wird. Das TSH steuert die Hormonproduktion der Schilddrüse, wenn sie zu wenig oder zu viele Hormone produziert. Die von der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden verantwortete doppelverblindete, klinische Studie läuft bis Juni 2030. Die Forschenden untersuchen, ob und wie Levothyroxindosen bis maximal 50 Mikrogramm bei Patientinnen und Patienten mit latenter Hypothyreose unter hausärztlicher Betreuung sicher abgesetzt werden können. Die Teilnehmenden werden randomisiert in verschiedene Gruppen eingeteilt: Entweder sie nehmen Levothyroxin wie bisher weiter ein oder die Tabletten werden schrittweise oder auf einmal abgesetzt. Hintergrund der Studie ist, dass der Nutzen von Levothyroxin bei latenter Schilddrüsenunterfunktion bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt ist. Dennoch wird das Medikament häufig und oft über viele Jahre verordnet. Die Studie soll zeigen, ob das Absetzen der Tabletten für die Patientinnen und Patienten ebenso sicher ist wie die Weiterbehandlung und keine Nachteile mit sich bringt. Ziel: Handlungsempfehlungen für sicheres Absetzen Die Teilnehmenden werden dabei über mehrere Monate hausärztlich begleitet. Die regelmäßige Prüfung der Schilddrüsenwerte sowie das Erfassen von Beschwerden und Lebensqualität sollen eine umfassende Bewertung der Auswirkungen der verschiedenen Behandlungsstrategien ermöglichen. „Wird der Nachweis erbracht, dass ein sicheres Absetzen möglich ist, werden wir entsprechende Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte veröffentlichen“, fasst Projektleiterin Dr. Karen Voigt das Ziel der Studie zusammen. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Einbindung eines Patienten- und Hausärzte-Beirats, der kritisch alle Projektphasen begleitet. Auch die Veröffentlichung des Prüfplans sowie der Studienergebnisse für Fach- und Laienpublikum erfolgen unter Beteiligung des Beirats. „Mit DELTA-RCT betreten wir Neuland. Umso mehr freut es mich, dass wir als Medizinische Fakultät der TUD dieses Projekt koordinierend leiten, denn öffentlich geförderte Studien in der Allgemeinmedizin sind nach wie vor selten“, sagt Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TUD. Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, ergänzt: „Das Projekt ist auch gesundheitspolitisch relevant, weil es prüfen soll, wie sich medizinisch nicht notwendige Maßnahmen einsparen lassen, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.“
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