Studie zu problematischer Internetnutzung: Versuchung ist stärker als Stress12. August 2026 Symbolbild © Evgeniia Primavera/stock.adobe.com Menschen mit problematischer Internetnutzung erleben häufiger Stress und schlechte Stimmung. Entscheidend dafür, ob sie tatsächlich online gehen, ist jedoch vor allem die Versuchung, wie eine Studie der Universität Duisburg-Essen zeigt. Problematische Internetnutzung beschreibt ein Verhalten, bei dem Online-Angebote wie Gaming, Pornografie, Shopping oder soziale Netzwerke so viel Raum einnehmen, dass sie den Alltag spürbar beeinträchtigen. Viele Menschen greifen zum Internet, um Stress abzubauen oder schlechte Stimmung zu vertreiben. Forschende vermuten seit Langem, dass genau daraus problematische Nutzungsmuster entstehen können. Ob diese Zusammenhänge auch im Alltag tatsächlich so ablaufen, war bislang kaum untersucht. Dr. Silke Müller, Fachgebiet Allgemeine Psychologie: Kognition, und ihre Kolleginnen und Kollegen der Forschungsgruppe FOR2974 interviewten in den letzten drei Jahren über 1.200 Erwachsene. Etwa 900 von ihnen begleiteten sie über einen Zeitraum von zwei Wochen. Die Teilnehmenden beantworteten jeden Abend Fragen zu ihrer Stimmung, ihrem Stressniveau, der Versuchung, online zu gehen, ihrer Nutzungsdauer sowie zu den Folgen. Außerdem wurde erfasst, ob sie Freude oder Erleichterung empfanden und andere Aktivitäten vernachlässigten. Zuvor waren sie mithilfe diagnostischer Interviews einer unproblematischen, riskanten oder pathologischen Internetnutzung zugeordnet worden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „PLOS One“ veröffentlicht. „Unsere Studie zeigt, dass die Versuchung, online zu gehen, eine entscheidende Verbindung zwischen Stress, Stimmung und problematischer Internetnutzung ist. Sie bestimmt, ob Menschen Online-Angebote nutzen – und dabei kurzfristig Freude oder Erleichterung erleben, gleichzeitig aber andere Lebensbereiche vernachlässigen“ erklärt Müller. Anders als viele frühere Untersuchungen begleitete die Studie die Teilnehmenden über 14 Tage im Alltag. So konnten die Forschenden nachvollziehen, warum Menschen gerade in bestimmten Momenten online gehen. „Dieses Wissen ist entscheidend für bessere Präventions- und Behandlungsstrategien“, erklärt Erstautor Andreas Oelker. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass es wirksamer sein könnte, Menschen dabei zu unterstützen, Momente der Versuchung zu erkennen und sie zu bewältigen, als sich ausschließlich auf Stress oder Stimmung zu konzentrieren.“
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