Studie zur Therapie der feuchten AMD: Nachfüllbares Implantat statt Spritzen18. August 2026 Ekaterina Sokolenko (r.) und Anke Beckmann zeigen an einem Augenmodell, wo das PDS-Implantat im Auge sitzt. Die kleinen Fotos links oben verdeutlichen, dass das Implantat unter dem Oberlid verschwindet, es ist normalerweise nicht sichtbar. Foto: © Karin Kaiser/MHH Die Augenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) versorgt Patienten mit feuchter AMD im Rahmen der Studie Sightspire mit einem Port-Delivery-System. Dieses wird ins Auge eingesetzt und gibt dort kontinuierlich ein Medikament ab. Eine Teilnahme an der Studie ist noch möglich. Die feuchte Form der AMD wird üblicherweise mit regelmäßigen Injektionen ins Auge behandelt, erklärt die MHH. Jetzt gebe es dazu „eine vielversprechende Alternative“: Im Rahmen der Studie Sightspire bietet die Klinik für Augenheilkunde der MHH Betroffenen an, ein nachfüllbares Implantat ins Auge zu setzen, das über einen langen Zeitraum kontinuierlich einen Wirkstoff abgibt. Durch dieses Port-Delivery-System (PDS) werde die Anzahl der nötigen Arztbesuche deutlich reduziert und die Behandlungslast nehme ab. Großer Aufwand für ältere Patienten mit feuchter AMD Zur Behandlung der feuchten AMD, so erinnert die Augenklinik, gebe es mittlerweile verschiedene Medikamente. Seit mehreren Jahrzehnten bewährt sei die Spritzentherapie mit dem Medikament Ranibizumab, das die Wirkung der VEGF-Proteine blockiere, die zum Wachstum krankhafter, undichter Blutgefäße im Bereich der Makula beitrügen. Das wiederum könne zu Schwellungen, Blutungen und potenziellem Sehverlust führen. Für die Spritzentherapie müssten die Patienten jedoch ihr Leben lang regelmäßig in die Augenklinik kommen. Der zeitliche Abstand sei dabei individuell unterschiedlich. „Mit jedem Besuch sind für die meist älteren Patienten und Patientinnen Anfahrt, Wartezeit und häufig auch Angst vor der Spritze verbunden“, sagt Anke Beckmann, leitende Studienkoordinatorin. „Außerdem schließt sich an die Behandlung in der Klinik immer noch ein Termin in einer niedergelassenen Augenarztpraxis an, um sicherzugehen, dass sich nach der Behandlung keine Augenentzündung entwickelt.“ Ein Implantat so klein wie ein Reiskorn „Der Bedarf an einer weniger aufwändigen, aber dennoch wirksamen und sicheren Therapiemöglichkeit ist groß“, stellt Oberärztin Dr. Ekaterina Sokolenko fest. Im Rahmen der Studie Sightspire der Firma Roche möchten sie und ihr Team nun die Sicherheit und Wirksamkeit des PDS beurteilen. „Das Implantat ist etwa so klein wie ein Reiskorn und wird durch einen Zwei-Millimeter-Schnitt hinter der Linse eingesetzt. Der Eingriff dauert circa 40 Minuten und kann unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose erfolgen“, erläutert Sokolenko. Nach einer Nacht zur Überwachung könne der Patient die Klinik wieder verlassen. Das Implantat sei für Dritte nicht sichtbar, es liege versteckt unter dem Oberlid, heißt es weiter. Es könne ein Leben lang im Auge bleiben und gibt von dort kontinuierlich die gleiche Menge des Medikamentes ab. Alle sechs bis neun Monate müsse das System nachgefüllt werden. Der große Vorteil liege darin, dass das Medikament zum Nachfüllen nicht direkt ins Auge, sondern durch eine Membran in das Implantat injiziert werde. Das PDS ist laut MHH in den USA bereits seit 2021 zugelassen, jetzt ist auch der Markteintritt in Europa geplant. Studienteilnahme für Patienten mit feuchter AMD möglich „Menschen mit feuchter AMD, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich gerne bei uns melden“, sagt Studienkoordinatorin Beckmann. Die Sightspire-Studie dauere etwa 19 Monate. Während dieser Zeit würden die Teilnehmenden umfassend betreut, die Veränderung ihres Sehvermögens im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Studie genau beobachtet. Für die Teilnahme kommen nach Angaben der Augenklinik Personen ab 50 Jahre infrage, deren erste Diagnose mit feuchter AMD nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Weitere Bedingungen würden bei einer Voruntersuchung geklärt. Interessierte werden gebeten, das Studienteam der Klinik für Augenheilkunde per Telefon 0511-532-9411 oder Mail [email protected] zu kontaktieren.
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