Stufentherapie der Glaukome – Kriterien und Grenzen des nicht operativen Vorgehens

Die Stufentherapie – ein zentraler Ansatz in der Glaukomversorgung. Illustration: © stockpics – stock.adobe.com

Die Stufentherapie der Glaukome stellt in der modernen Augenheilkunde einen essenziellen Ansatz dar, um individuell angepasste Therapieentscheidungen zu treffen. Dabei wird zunehmend diskutiert, ob operative Eingriffe zu früh und zu häufig erfolgen, obwohl konservative Behandlungsmethoden in vielen Fällen ausreichend und vorteilhafter sein könnten.

von PD Dr. Markus Lenzhofer

Konservative Therapie als erster Schritt: Die konservative Behandlung, primär durch medikamentöse Senkung des Augeninnendruckes, steht im Vordergrund, wenn das Glaukom in einem frühen oder moderaten Stadium diagnostiziert wird. Besonders bei Patienten mit stabilem Sehnerv und ohne signifikante Gesichtsfeldausfälle ermöglicht die konservative Therapie eine schonende, risikoarme Herangehensweise.

Prostaglandinanaloga, Betablocker, Alpha-Agonisten und Carboanhydrasehemmer sind hierbei die wichtigsten Arzneimittelgruppen. Ergänzend kann eine Selektive Lasertrabekuloplastik als minimalinvasives Verfahren angewendet werden, bevor operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Kriterien für die konservative Therapie

Entscheidend für den Verzicht auf operative Eingriffe sind:

  • Langsame Progression: wenn die Progressionsrate der Sehnervschädigung niedrig ist und die Kontrolle des IOD durch Medikamente möglich bleibt
  • Gute Compliance: Patienten, die in der Lage sind, regelmäßig Augentropfen anzuwenden und Kontrolltermine wahrzunehmen
  • Risikofaktoren für Operationsversagen: Patienten mit schweren Begleiterkrankungen oder anatomischen Besonderheiten, die chirurgische Eingriffe riskanter machen könnten
  • Lebensqualität: Konservative Maßnahmen können den Alltag weniger als chirurgische Eingriffe und deren mögliche Komplikationen belasten.

Dennoch gibt es klare Grenzen der konservativen Therapie. Bei fortgeschrittenem Glaukom mit deutlichen Gesichtsfeldausfällen, unzureichender Drucksenkung unter maximaler medikamentöser Therapie oder bei rascher Progression ist die Operation unumgänglich. Auch bei Patienten mit schlechter Medikamentenadhärenz oder relevanten Nebenwirkungen der Tropfentherapie kann ein frühzeitiger operativer Eingriff sinnvoll sein.

Schlussfolgerung und Ausblick

Um die Entscheidung für oder gegen eine Operation fundiert zu treffen, ist ein differenziertes Entscheidungsprofil notwendig. Der Ansatz „so viel konservativ wie möglich, so wenig invasiv wie nötig“ sollte dabei die leitende Maxime sein.

Durch den rationalen und zurückhaltenden Einsatz operativer Maßnahmen kann nicht nur die Patientenversorgung optimiert, sondern auch die Belastung des Gesundheitssystems reduziert werden. Der Vortrag regt an, das operative Vorgehen kritisch zu hinterfragen und den konservativen Therapieoptionen mehr Raum zu geben.

GLAUK 2, Stufentherapie der Glaukome – Medikamente, Laser, Operationen
Donnerstag, 18.6, 15.00 bis 16.30 Uhr, Saal Kyjiw


PD Dr. Markus Lenzhofer (PhD, MBA, FEBO) ist Leitender Oberarzt und Leiter der Glaukomambulanz am Universitätsklinikum Salzburg. Des Weiteren ist er Leiter des Riskmanagements und Koordinator sowohl der Klinischen Forschung als auch der Lehrveranstaltungen im Bereich Augenheilkunde und Optometrie.