Sulfonylharnstoffe in der Zweitlinie: Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Diabetes
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Ist die Hinzugabe oder die Umstellung auf einen Sulfonylharnstoff bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die bislang eine Monotherapie mit Metformin erhalten, mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, ischämischen Schlaganfall, kardiovaskulären Tod, Gesamtmortalität und schwere Hypoglykämien verbunden? Dieser Frage widmete sich eine populationsbasierte Kohortenstudie kanadischer Wissenschaftler.

Sie kommen zu der Antwort, dass Sulfonylharnstoffe als Zweitlinientherapie tatsächlich im Vergleich zum Verbleib bei einer Metformin-Monotherapie mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Gesamtmortalität und schwere Hypoglykämien einhergehen. Außerdem zeigen sie, dass es im Vergleich zur Therapieumstellung offenbar sicherer ist, die Metformintherapie fortzuführen, wenn mit einer Sulfonylharnstofftherapie begonnen wird. In die Studie flossen Daten aus dem UK Clinical Practice Research Datalink ein. Sie stammen von Patienten mit Typ-2-Diabetes, die zwischen 1998 und 2013 mit einer Metformin-Monotherapie begonnen hatten.

Im Verhältnis 1:1 matchten die Autoren Patienten, die zusätzlich einen Sulfonylharnstoff erhielten oder auf einen Sulfonylharnstoff umgestellt wurden, mit Patienten, die bei der Monotherapie mit Metformin blieben – zum einen basierend auf einem Propensity Score, zum anderen basierend auf dem HbA1c-Wert und der Zahl der vorangegangenen Metformin-Verordnungen. Von 77.138 Patienten, die mit einer Metformintherapie begannen, wurden 25.699 im Studienzeitraum zusätzlich mit einem Sulfonylharnstoff behandelt bzw. auf einen Sulfonylharnstoff umgestellt. Im Verlauf von durchschnittlich 1,1 Jahren waren Sulfonylharnstoffe assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt (Inzidenzrate 7,8 vs. 6,2 pro 1000 Personenjahre; HR 1,26 [95 %-KI 1,01–1,56]), Gesamtmortalität (27,3 vs. 21,5 pro 1000 Personenjahre; HR 1,28 [95 %-KI 1,15–1,44]) und schwere Hypoglykämien (5,5 vs. 0,7 pro 1000 Personenjahre; HR 7,60 [95 %-KI 4,64–12,44]) im Vergleich zum Fortführen der Metformin-Monotherapie.

Es gab einen Trend zu erhöhten Risiken für ischämischen Schlaganfall (6,7 vs. 5,5 pro 1000 Personenjahre; HR 1,24 [95 %-KI 0,99–1,56]) und kardiovaskulären Tod (9,4 vs. 8,1 pro 1000 Personenjahre; HR 1,18 [95 %-KI 0,98–1,43]). Im Vergleich zur Ergänzung der Metformintherapie um einen Sulfonylharnstoff war die Umstellung auf einen Sulfonylharnstoff assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt (HR 1,51 [95 %-KI 1,03–2,24]) und Gesamtmortalität (HR 1,23 [95 %-KI 1,00–1,50]). Im Hinblick auf ischämischen Schlaganfall, kardiovaskulären Tod oder schwere Hypoglykämien waren keine Unterschiede zu beobachten.

Fazit
Sulfonylharnstoffe als Zweitlinienmedikamente sind mit einem erhöhten Risiko unter anderem für Myokardinfarkt verbunden, verglichen mit dem Verbleib bei einer Metformin-Monotherapie.

Autoren: Douros A et al.
Korrespondenz: Centre for Clinical Epidemiology, Lady Davis Institute, Jewish General Hospital, Montréal, Kanada
Studie: Sulfonylureas as second line drugs in type 2 diabetes and the risk of cardiovascular and hypoglycaemic events: population based cohort study
Quelle: BMJ 2018 Jul 18;362:k2693.
Web: www.bmj.comBMJ Open