TĀCcare-Studie: Telemedizin-Intervention geht erfolgreich Behandlung mehrerer belastender Symptome bei Dialysepatienten an3. August 2023 Foto: © agenturfotografin/stock.adobe.com Eine patientengesteuerte Telemedizin-Intervention kann laut den Ergebnissen einer randomisierten klinischen Studie aus den USA die belastenden Symptome, unter denen Dialysepatienten häufig leiden – Fatigue, Schmerzen, Depression – lindern. Wie die Ärzte und Wissenschaftler der University of Pittsburgh und der University of New Mexico (USA), die die Intervention testeten, berichten, bleibt dabei der positive Effekt offenbar noch mehrere Monate nach Ende der Intervention bestehen. „Unsere Patienten und deren Betreuer berichten von Schmerzen, Fatigue und Depressionen als Hauptprobleme im Zusammenhang mit der Dialyse, die ihre Teilnahme am Leben beeinträchtigen“, erklärt Hauptautorin Dr. Manisha Jhamb, außerordentliche Professorin in der Renal-Electrolyte Division der Pitt School of Medicine. „Es liegt in der Verantwortung der Nephrologen, Interventionen zu untersuchen, die auf die psychische Gesundheit und Lebensqualität der Patienten eingehen – anderenfalls würden wir unsere Patienten im Stich lassen. Diese Studie ist ein Schritt in diese Richtung.“ „Die Dialyse ist eine lebensrettende Behandlung, aber sie stellt eine große Belastung und eine große Lebensveränderung für Patienten und deren Familien dar“, unterstreicht Jhamb. „Viele Menschen können aufgrund der Belastung durch die Behandlung und der Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Gesundheit nicht arbeiten oder ihr Leben genießen.“ Jhamb und ihre Kollegen entwickelten die TĀCcare-Studie (Technology Assisted Stepped Collaborative Care), um zu untersuchen, ob zwölf wöchentliche Sitzungen mit kognitiver Verhaltenstherapie, die per Telemedizin entweder während der Dialyse oder zu Hause durchgeführt werden, die Symptome verbessern können. Um sicherzustellen, dass die Ergebnisse nicht nur ein Ergebnis der zusätzlichen Aufmerksamkeit durch die Telemedizin-Sitzungen waren, ließen erhielt eine Vergleichsgruppe von Patienten wöchentlich per Telemedizin eine gesundheitliche Aufklärung. Jhamb arbeitete mit Seniorautor Dr. Mark Unruh, Professor an der Abteilung für Nephrologie der University of New Mexico School of Medicine, zusammen, um einen diversen Pool von 160 Teilnehmern aus Pennsylvania und New Mexico zu rekrutieren, die eine Dialyse erhielten und klinisch signifikante Grade einer Fatigue, von Schmerzen oder Depression aufwiesen. Die Probanden waren im Durchschnitt 58 Jahre alt; bei 28 Prozent handelte es sich um Schwarze, 13 Prozent waren indigener Abstammung und 18 Prozent Hispanoamerikaner. Die Intervention ermöglicht es dem daran teilnehmenden Patienten, sich Ziele zu setzen und die medizinische Versorgung auf seine spezifischen Anliegen abzustimmen. Wenn beispielsweise Schmerzen das Hauptanliegen des Betroffenen sind, kann er sich auf Psychotherapien zum besseren Umgang mit diesen Schmerzen konzentrieren und auch eine entsprechende Medikation erhalten. „Es war zunächst überraschend, dass nur sehr wenige Teilnehmer Medikamente gegen ihre Symptome wollten – sie konzentrierten sich vielmehr auf die Verhaltenstherapie“, berichtet Jhamb. „Aber wenn man darüber nachdenkt, ergibt das Sinn: Diese Patienten nehmen zehn oder mehr Medikamente pro Tag ein – sie wollen nicht noch eine Pille.“ Im Vergleich zu Probanden, die Aufklärungsmaterialien erhielten, verzeichneten die Patienten in der TĀCcare-Gruppe eine Steigerung ihres Energieniveaus um sechs Prozent sowie eine Verbesserung bezüglich der Schmerzen um zehn Prozent. Beides hielt auch sechs Monate nach der Therapie noch an. Außerdem wurde in der TĀCcare-Gruppe eine Verbesserung der Depressionssymptome beobachtet. Allerdings war diese nur gering, was Jhamb teilweise darauf zurückführt, dass nur eine geringe Anzahl von Teilnehmern anfänglich an einer klinisch signifikanten Depression litt. „Diese Ergebnisse sind wirklich vielversprechend und liegen in der Größenordnung ähnlicher Interventionen bei Krebspatienten“, erklärt Jhamb. „Bisher waren schmerzstillende Medikamente gegen Schmerzen und Empfehlungen für besseren Schlaf und Bewegung gegen die Fatigue die wichtigsten Ratschläge, die wir unseren Patienten geben konnten, und diese waren nicht zufriedenstellend.“ Die Diversität der in der Studie untersuchten Patientengruppe deutet auch darauf hin, dass die Ergebnisse auf breite Bevölkerungsgruppen übertragbar sind. Darüber hinaus bietet der erfolgreiche Einsatz von Telemedizin bei den in ländlichen Regionen von New Mexico lebenden Probanden die Möglichkeit, die TĀCcare-Interventionen auch solchen Patienten anzubieten, die ansonsten möglicherweise keinen Zugang zu dieser spezialisierten Versorgung mit Verhaltenstherapien hätten. Laut Jhamb werden die nächsten Untersuchungsschritte eine Kosten-Nutzen-Analyse beinhalten, damit politische Entscheidungsträger und Versicherer erwägen können, die Intervention anzuordnen und zu bezahlen. Auch seien Studien geplant, in denen geprüft werden soll, ob „Booster“-Sitzungen die beobachteten Verbesserungen der Symptome über einen Zeitraum von sechs Monaten hinaus verlängern könnten.
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