Takotsubo-Syndrom: Stress könnte der Erkrankung Vorschub leisten20. Oktober 2021 © vectorfusionart – stock.adobe.com (Symbolbild) Forschende der Harvard Medical School in Boston (USA) stellten in einer kürzlich im „European Heart Journal“ vorgestellten Untersuchung fest, dass hohe Stresswerte – gemessen anhand der Aktivität der Amygdala (AmygA) – mit einem erhöhten Risiko für ein Takotsubo-Syndrom (TTS) assoziiert sind. Diese erhöhte neurobiologische Aktivität sei bereits Jahre vor dem Ausbruch des TTS vorhanden und kann den Studienautoren zufolge den Zeitpunkt des Syndroms beeinflussen. Dementsprechend könnte die erhöhte stressassoziierte neuronale Aktivität ein therapeutisches Ziel zur Verringerung stressbedingter Krankheiten, einschließlich TTS, darstellen, so die Annahme von Erstautorin Dr. Azar Radfar und Kollegen. Bei der Amygdala handelt es sich um ein Zentrum im Gehirn, das an der Wahrnehmung von und Reaktion auf Stressoren beteiligt ist. Der Zusammenhang zwischen AmygA und einer erhöhten Sympathikus- und Entzündungsantwort sowie dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist nicht neu. Eine direkte Assoziation von AmyGa und TTS – ein HF-Syndrom, das häufig durch akuten Stress ausgelöst wird – existierte bislang jedoch nicht. Die Studiengruppe um Radfar identifizierte für ihre Untersuchung retrospektiv Personen (n=104, mittleres Alter 67,5 Jahre, 72% weiblich, 86% mit Malignität), bei denen eine klinische 18F-FDG-PET/CT-Bildgebung durchgeführt wurde: 41, die in der Folge ein TTS entwickelten, und 63 vergleichbare Kontrollpersonen (medianes Follow-up 2,5 Jahre nach der Bildgebung). Die Messung der AmygA erfolgte den Studienautoren zufolge anhand validierter Methoden. Nach Berücksichtigung von TTS-Risikofaktoren war bei Personen mit im Vergleich zu Personen ohne späterem TTS die AmygA im Ausgangswert höher (p=0,038). Darüber hinaus war AmygA nach Adjustierung für Risikofaktoren mit dem Risiko für ein späteres TTS assoziiert (standardisierte HR 1,643; 95%-KI 1,189–2,270; p=0,003). In der Untergruppe der Personen, die ein TTS entwickelten, trat das TTS nach der Bildgebung bei denjenigen mit der höchsten AmygA (>Mittelwert +1 Standardabweichung) ca. 2 Jahre früher auf als bei denjenigen mit einer niedrigeren AmygA (p=0,028). Fazit Stress ist mit einem erhöhten Risiko für ein TTS assoziiert. Eine erhöhte neurobiologische Aktivität der Amygdala ist Jahre vor dem Auftreten von TTS vorhanden und kann den Zeitpunkt des Syndroms beeinflussen. (ah) Autoren: Radfar A et al. Korrespondenz: Ahmed Tawakol; [email protected] Studie: Stress-associated neurobiological activity associates with the risk for and timing of subsequent Takotsubo syndrome Quelle: Eur Heart J 2021;42(19):1898–1908. Web: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab029
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