Trizyklisches Antidepressivum zur Behandlung des Reizdarmsyndroms24. April 2024 © sebra – stock.adobe.com (Symbolbild) Die meisten Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) werden in der Primärversorgung behandelt. Wenn Erstlinientherapien für das RDS unwirksam sind, empfiehlt die Leitlinie des britischen National Institute for Health and Care Excellence, niedrig dosierte trizyklische Antidepressiva als Zweitlinientherapie. Deren Wirksamkeit in der Primärversorgung ist jedoch noch ungeklärt. Eine placebokontrollierte Phase-III-Studie wurde daher in 55 Allgemeinpraxen in England durchgeführt. Infrage kamen Teilnehmer ≥18 Jahren mit Rom-IV-RDS jeglicher Art und anhaltenden Symptomen (IBS[Irritable Bowel Syndrome]-Severity-Scoring-System [IBS-SSS]-Score ≥75 Punkte) trotz Ernährungsumstellung und Erstlinientherapien, normalem Vollblutbild und C-reaktivem Protein, negativer Zöliakie-Serologie und keinen Anzeichen von Selbstmordgedanken. Insgesamt 463 Teilnehmer (mittleres Alter 48,5 Jahre; 68% Frauen) wurden auf niedrig dosiertes orales Amitriptylin (10 mg 1-mal täglich; n=232) oder Placebo (n=231) für 6 Monate randomisiert, wobei die Dosis (≥30 mg 1-mal täglich) je nach Symptomen und Verträglichkeit über 3 Wochen titriert wurde. Primäres Outcome war der IBS-SSS-Score nach 6 Monaten. Die Analyse des primären Outcomes zeigte nach 6 Monaten einen signifikanten Unterschied zugunsten des niedrig dosierten Amitriptylins im IBS-SSS-Score zwischen den Gruppen (−27,0; 95%-KI −46,9 bis −7,10; p=0,0079). Die Behandlung mit Amitriptylin brachen 46 (20%) der Teilnehmer vorzeitig ab, davon 30 wegen unerwünschter Ereignisse (UE). Die Therapie mit Placebo beendeten 59 (26%) vorzeitig, darunter 20 aufgrund von UE. Es gab 2 schwerwiegende unerwünschte Reaktionen unter Amitriptylin und 3 unter Placebo sowie 5 schwerwiegende UE, die nicht auf die Studienmedikation zurückzuführen waren. Fazit Titriertes, niedrig dosiertes Amitriptylin ist Placebo als Zweitlinientherapie bei RDS in der Primärversorgung hinsichtlich mehrerer Endpunkte überlegen, ist sicher und wird gut vertragen. Allgemeinmediziner sollten Patienten mit RDS, deren Symptome sich durch Erstlinientherapien nicht bessern, niedrig dosiertes Amitriptylin anbieten, resümieren die Stuidenautoren. (bi) Autoren: Ford AC et al. Korrespondenz: Alexander C. Ford; [email protected] Studie: Amitriptyline at Low-Dose and Titrated for Irritable Bowel Syndrome as Second-Line Treatment in primary care (ATLANTIS): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial Quelle: Lancet 2023;402(10414):1773–1785. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01523-4
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