Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett möglicherweise unterschätzt16. April 2026 Laut neuer Modellierungsstudie wird das Risiko für Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett deutlich unterschätzt.(Symbolbild: © Krakenimages.com/stock.adobe.com) Das Risiko für Tuberkulose in Schwangerschaft und Wochenbett wird offenbar deutlich unterschätzt. Eine Modellierungsstudie zeigt ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, insbesondere bei Frauen mit HIV. Trotz der bekannten mütterlichen, perinatalen und kindlichen Gesundheitsrisiken einer Tuberkulose während der Schwangerschaft sind globale Schätzungen zur Inzidenz nach wie vor rar. Die vorliegenden Schätzungen sind veraltet und berücksichtigen weder die postpartale Phase noch eine HIV-Koinfektion, das Alter oder spezifische Veränderungen des Erkrankungsrisikos. Dadurch ist das tatsächliche Ausmaß der Erkrankung in dieser Population nur unzureichend erfasst. Eine Modellierungsstudie deutet jetzt darauf hin, dass die globale Tuberkuloselast bei Schwangeren und Frauen im Wochenbett bislang erheblich unterschätzt wird. Beide Phasen gehen demnach mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko einher, nicht nur, aber insbesondere bei Frauen, die mit einer HIV-Infektion leben. In der systematischen Übersichtsarbeit mit anschließender Modellierungsanalyse wurden Daten aus 37 Studien sowie zusätzliche Kohortendaten genutzt, um die Tuberkuloseinzidenz in Schwangerschaft und Postpartumphase weltweit abzuschätzen. Grundlage bildeten alters- und geschlechtsspezifische Inzidenzdaten der WHO, die mit bevölkerungs- und fertilitätsspezifischen Daten kombiniert und um risikoadjustierte Inzidenzraten ergänzt wurden. Im Vergleich zu nicht schwangeren Frauen ohne HIV war das Tuberkuloserisiko während der Schwangerschaft erhöht (IRR 1,34) und stieg im Wochenbett weiter an (IRR 1,91). Bei Frauen mit HIV war das Risiko noch deutlich stärker erhöht, sowohl während der Schwangerschaft (IRR 5,73) als auch im Wochenbett (IRR 3,58). Für das Jahr 2023 schätzten die Autoren um Dr. Nyashadzaishe Mafirakureva von der University of Sheffield weltweit rund 239.500 Tuberkulosefälle bei Schwangeren und 97.600 Fälle im Wochenbett. Ein relevanter Anteil der Erkrankungen war mit einer HIV-Koinfektion assoziiert (21,3 % bzw. 10,6 %). Die höchste Krankheitslast zeigte sich in der WHO-Afrika-Region, gefolgt von Südostasien. Offenbar wiesen Schwangere und Frauen im Wochenbett ein relevantes, bislang unzureichend erfasstes Risiko für Tuberkulose auf, schließen Mafirakureva und seine Kollegen. Eine verbesserte Surveillance und gezielte Präventionsstrategien seien erforderlich, um die Krankheitslast in dieser vulnerablen Gruppe zu reduzieren. Zudem bedürfe es größerer Anstrengungen, um das Tuberkulose-Screening in die pränatale Versorgung zu integrieren. (nec)
Mehr erfahren zu: "Ovarialkarzinom: Diagnose erfolgt häufig erst nach Notfalleinweisung" Ovarialkarzinom: Diagnose erfolgt häufig erst nach Notfalleinweisung Rund 40 Prozent der Frauen mit Ovarialkarzinom erhalten die Diagnose erst nach einer Notfalleinweisung ins Krankenhaus. Bei ihnen wird der Tumor häufiger in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, was mit einem […]
Mehr erfahren zu: "Aktualisierte Leitlinie zu gestationsbedingten und nicht-gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen" Aktualisierte Leitlinie zu gestationsbedingten und nicht-gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen Die S2k-Leitlinie „Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen“ zeigt Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von Trophoblasterkrankungen auf. Eingegangen wird hierbei auch auf Sonderfälle, die Patientinnenaufklärung und Immuntherapie.
Mehr erfahren zu: "Brustkrebs innerhalb von drei Jahren nach Geburt aggressiver" Brustkrebs innerhalb von drei Jahren nach Geburt aggressiver Mit Hilfe eines Genexpressionstests haben US-amerikanische Forschende die ersten drei Jahre nach der Geburt als potenzielles Zeitfenster mit erhöhtem biologischen Risiko für aggressiven Brustkrebs identifiziert.