Tuberkulose: Männer infizieren sich mit höherer Wahrscheinlichkeit als Frauen

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Männer erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit an Tuberkulose als Frauen – das bestätigen Ergebnisse einer neuen Untersuchung unter der Leitung von Wissenschaftlern des University College London (Großbritannien).

Den Forschenden zufolge machen Männer etwa zwei Drittel aller Personen aus, bei denen Tuberkulose diagnostiziert wird. Bislang herrschte aber Unklarheit darüber, welche Gründe es für dieses Ungleichgewicht gibt. Für ihre in „eClinicalMedicine“ publizierte Arbeit stellte sich die Arbeitsgruppe folgende Fragen: Sind Männer häufiger von Tuberkulose betroffen, weil sie mit höherer Wahrscheinlichkeit einer Infektion ausgesetzt sind? Oder sind sie biologisch anfälliger für die Entwicklung einer aktiven Tuberkulose-Erkrankung sind, sobald eine Infektion vorliegt?

Auf der Suche nach Antworten werteten die Forschenden Daten zu mehr als 22.000 Personen aus elf prospektiven Kohortenstudien aus. Diese waren in insgesamt 14 Ländern in Europa, Afrika, Asien und Südamerika durchgeführt worden.

Männer sind offenbar häufiger Mycobacterium tuberculosis ausgesetzt

Es stellte sich heraus, dass Männer zu Beginn der Studie mit höherer Wahrscheinlichkeit bereits eine Tuberkulose-Infektion aufwiesen als Frauen. Dies deutet laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass Männer im Laufe ihres Lebens häufiger dem dafür verantwortlichen Bakterium ausgesetzt waren.

Berücksichtigte man diesen Umstand jedoch, so war die Wahrscheinlichkeit, eine aktive Tuberkulose-Erkrankung zu entwickeln, bei Männern nicht signifikant höher als bei Frauen. Dies lässt vermuten, dass der Hauptgrund für die höhere Tuberkulose-Rate bei Männern darin liegt, dass sie sich überhaupt mit höherer Wahrscheinlichkeit infizieren – und nicht darin, dass sie nach einer Infektion eher erkranken.

Untersuchungsergebnisse im Einzelnen

Die in die Auswertung aufgenommenen Patienten wurden über einen Median von 2,8 Jahren nachbeobachtet. Innerhalb dieses Zeitraumes erkrankten 411 Personen (1,8%) an Tuberkulose. Die Mehrheit der untersuchten Personen stammte aus Europa (52%) oder Südafrika/Sambia (34,4%).

Zu Studienbeginn wiesen Männer eine signifikant höhere Infektionswahrscheinlichkeit auf (Odds Ratio 1,12; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,02–1,22). Bei Personen mit Infektion zu Studienbeginn lagen die gepoolten Inzidenzraten bei 16,3 pro 1000 Personenjahre (95%-KI 10,9–24,4) bei Frauen und bei 15,6 (95%-KI 9,8–24,8) bei Männern. Das Risiko, an Tuberkulose zu erkranken, unterschied sich weder bei Personen mit Infektion zu Studienbeginn (Hazard Ratio [HR] 0,86; 95%-KI 0,65–1,14) noch bei solchen ohne Infektion zu diesem Zeitpunkt (HR 1,02; 95%-KI 0,71–1,47) signifikant zwischen den Geschlechtern.

„Unsere Ergebnisse verbessern das Verständnis dafür, warum Tuberkulose Männer überproportional stark betrifft“, fasst Dr. Yohhei Hamada vom Institute for Global Health am University College London, einer der Erstautoren der Studie, zusammen. „Sie deuten darauf hin, dass eine Verringerung der Ungleichheiten bei der Tuberkulose-Exposition von Männern einen größeren Beitrag zur Verringerung des geschlechtsspezifischen Unterschieds bei der Tuberkulose-Last leisten könnte als Maßnahmen, die sich ausschließlich auf den Übergang von der Infektion zur Erkrankung konzentrieren.“

Offene Fragen nach Lebensfaktoren, die einen Unterschied ausmachen

Nach Auffassung des Autorenteams müssen sich nun künftige Studien darauf konzentrieren, die Gründe für die häufigere Tuberkulose-Exposition bei Männern zu verstehen und zu untersuchen, wie Faktoren wie Beruf, soziales Umfeld, Lebensstil und Zugang zur Gesundheitsversorgung zu diesem Unterschied beitragen. Ko-Erstautorin Sujen Surenthirarajah, ebenfalls vom Institute for Global Health in London, erklärte: „Wir hoffen, dass unsere Forschung dazu beitragen wird, künftige Untersuchungen zu den biologischen und sozialen Mechanismen, die den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Tuberkulose zugrunde liegen, zu unterstützen.“

Die Forschenden räumen auch Schwächen ihrer Analyse ein. So seien einige der in die Studie einbezogenen Teilnehmergruppen klein gewesen. Zudem hätten wichtige Informationen zu Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und sozioökonomischem Status  nicht für alle Personen vorgelegen. Bei den untersuchten Populationen handelte es sich außerdem überwiegend um Hochrisikogruppen. Personen, die eine vorbeugende Behandlung gegen Tuberkulose erhalten hatten, waren ausgeschlossen. (ac/BIERMANN)