Typ-1-Diabetes: Fast jede zweite Erkrankung nicht diagnostiziert

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Weltweit gibt es große Unterschiede bei den gemeldeten Inzidenzen von Typ-1-Diabetes (T1D) im Kindes- und Jugendalter. Ziel einer Studie internationaler Experten war die globale Schätzung sowohl der Gesamt- als auch der diagnostizierten Inzidenzen von T1D und der Indikatoren für die Häufigkeit von T1D im Kindesalter von 1990–2050 für jedes Land zu prognostizieren.

Das Studienteam entwickelte hierfür ein globales Simulationsmodell für T1D, um den natürlichen Verlauf und die Diagnose von T1D im Alter von 0–19 Jahren für insgesamt 200 Länder und Gebiete zu simulieren. Das Modell verfolgte eine offene Population von Kindern und Jugendlichen in monatlichen Abständen und simulierte die Inzidenz und die Progression von T1D sowie die Faktoren des Gesundheitssystems, die die Diagnose beeinflussen konnten.

Für den Zeitraum von 1990–2020 kalibrierten die Forscher das Modell anhand veröffentlichter Daten zur T1D-Inzidenz, zu Autoantikörper-Profilen und zum Anteil der Fälle, in denen eine Diabetische Ketoazidose diagnostiziert wurde. Darüber hinaus bewerteten sie die Prognosegenauigkeit anhand eines zufällig ausgewählten Testsatzes von Daten, die der Kalibrierung vorenthalten worden waren.

Im Jahr 2021 gab es weltweit schätzungsweise 355.900 neue Fälle von T1D bei Kindern und Jugend­lichen, von denen 56% diagnostiziert wurden. Die geschätzte Unterdiagnose ist je nach Region sehr unterschiedlich, wobei >95% der neuen Fälle in Australien und Neuseeland, West- und Nordeuropa und Nordamerika zu verzeichnen waren, aber <35% der Diagnosen in Westafrika, Süd- und Südostasien und Melanesien. Die Gesamtzahl der neu auftretenden T1D-Fälle im Kindesalter wird bis 2050 voraussichtlich auf 476.700 ansteigen.

Fazit
Die globale Inzidenz von T1D im Kindes- und Jugendalter ist höher als bisher angenommen, wobei fast jedes 2. Kind derzeit nicht diagnostiziert wird. Die Politik sollte daher rasch angemessene diagnostische und medizinische Kapazitäten einplanen, um die nötige rechtzeitige Erkennung und Behandlung des T1D zu verbessern, zumal die Inzidenz weltweit zunehmen dürfte − wobei die meisten neuen Fälle in Afrika zu erwarten sind. (bi)

Autoren: Ward ZJ et al.
Korrespondenz: Zachary J. Ward; [email protected]
Studie: Estimating the total incidence of type 1 diabetes in children and adolescents aged 0–19 years from 1990 to 2050: a global simulation-based analysis
Quelle: Lancet Diabetes Endocrinol 2022;10(12):848–858.
Web: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(22)00276-5