Typ-2-Diabetes-Risiko steigt mit nächtlicher Lichtexposition

© Iakov Kalinin – stock.adobe.com (Symbolbild)

Nächtliches Licht stört erwiesenermaßen den zirkadianen Rhythmus und seine Störung ist ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes (T2D). Im Rahmen einer international durchgeführten Studie untersuchte ein Forschungsteam daher, ob individuelle Lichtexpositionsmuster das T2D-Risiko bei Teilnehmern der UK Biobank vorhersagen können.

Dafür standen etwa 13 Mio. Stunden an Lichtsensordaten zur Verfügung. Die Probanden (n=84.790; Durchschnittsalter 62,3 ±7,9 Jahre; 58% weiblich) trugen eine Woche lang Lichtsensoren und zeichneten die Lichtexposition bei Tag und Nacht auf. Die zirkadiane Amplitude und Phase modellierte das Team anhand von wöchentlichen Lichtdaten und dokumentierte T2D-Vorfälle während der Nachbeobachtungszeit (7,9 ±1,2 Jahre; 1997 Fälle).

Das T2D-Risiko bewerten die Forscher unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sozio­ökonomischen und Lebensstilfaktoren sowie polygenem Risiko als Funktion von Tag-/Nachtlicht und zirkadianer Phase/Amplitude.

Im Vergleich zu Menschen mit dunklen Verhältnissen in den Nächten (0–50. Perzentile) war das T2D-Risiko in den helleren Nachtlichtexpositionsperzentilen zunehmend höher (50.–70.: multivariabel angepasste Hazard Ratio [aHR] 1,29; 95%-KI 1,14–1,46; 70.–90.: aHR 1,39; 95%-KI 1,24–1,57 und 90–100: aHR 1,53; 95%-KI 1,32–1,77). Das T2D-Risiko war außerdem bei Personen mit einer niedrigeren modellierten zirkadianen Amplitude (aHR 1,07 [95%-KI 1,03–1,10] pro Standardabweichung) und einer frühen oder späten zirkadianen Phase (aHR-Bereich 1,06–1,26) höher.

Nächtliches Licht und ein polygenes Risiko sagten derweil bei den Studienteilnehmern unabhängig voneinander ein höheres T2D-Risiko voraus. Der T2D-Risikounterschied zwischen Menschen mit hellen und dunklen Nächten ähnelte zudem jenem zwischen Menschen mit niedrigem und mittlerem genetischen Risiko.

Fazit
Das T2D-Risiko war bei Menschen höher, die hellerem Licht in der Nacht ausgesetzt bzw. Lichtmustern ausgesetzt waren, die den zirkadianen Rhythmus stören könnten. Laut den Studienautoren könnte deswegen die Vermeidung von Licht in der Nacht eine einfache und kostengünstige Empfehlung darstellen, die selbst bei Personen mit hohem genetischen Risiko das Diabetesrisiko verringern helfen könnte. (sh)

Autoren: Windred DP et al.
Korrespondenz: Andrew Phillips; [email protected]
Studie: Personal light exposure patterns and incidence of type 2 diabetes: analysis of 13 million hours of light sensor data and 670,000 person-years of prospective observation
Quelle: Lancet Reg Health Eur 2024:42:100943.
Web: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2024.100943