Überaktive Blase: Demenzrisiko insbesondere bei Anticholinergika-Anwendung erhöht21. Oktober 2024 Symbolbild: LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com In einer großen koreanischen Kohorte erhöhte die Anwendung von Anticholinergika mit oder ohne den Beta-3-Agonisten Mirabegron das Risiko einer neu auftretenden Demenz im Vergleich zur alleinigen Anwendung von Mirabegron. Anhand der Datenbank des südkoreanischen nationalen Gesundheitsversicherungsdienstes untersuchten die Autoren um Jee Soo Park vom Yonsei University College of Medicine in Seoul (Südkorea) die Daten einer landesweiten Bevölkerungskohorte. Diese bestand aus Patienten, bei denen eine überaktive Blase (OAB) neu diagnostiziert wurde und die zwischen 2015 und 2020 mit der Einnahme von OAB-Medikamenten begonnen hatten. Für ihre Analyse ordneten die Studienautoren die Patienten hinsichtlich deren Therapie in 3 Gruppen auf: Anticholinergika (Oxybutynin, Solifenacin, Tolterodin, Trospium, Fesoterodin, Flavoxat und Propiverin), Beta-3-Agonist (Mirabegron) und Kombinationstherapie (1 Anticholinergikum + Mirabegron). Um die Auswirkungen der kumulativen Arzneimittelexposition zu bewerten, quantifizierten Park und Kollegen die kumulative Exposition gegenüber Solifenacin und Mirabegron als kumulative definierte Tagesdosen (cDDDs). Dabei verwendeten sie proportionale Risiko-Regressionsanalysen, angepasst an Faktoren, die bekanntermaßen mit Demenz in Zusammenhang stehen. Von den 3.452.705 Patienten der Studie haben 671.974 erstmals Mirabregon als Monotherapie erhalten (19,5%), 1.943.414 hatten als Ersttherapie ein alleiniges Anticholinergikum (56,3%) und 837.317 verwendeten eine Kombinationstherapie (24,3%). Das am häufigsten sowohl allein als auch als Teil einer Kombinationsbehandlung verwendete Anticholinergikum war Solifenacin (42,9% bzw. 56,3%). Nach Anpassung der Kovariaten bestand ein erhöhtes Demenzrisiko bei Anwendern eines Anticholinergikums als Monotherapie (adjustierte Hazard Ratio [aHR] 1,213; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,195–1,232) und bei Patienten mit Kombinationsbehandlung (aHR 1,345; 95%-KI 1,323–1,366) im Vergleich zu einer ausschließlichen Mirabegron-Therapie. Allerdings war die Inzidenz von Demenz auch bei einer Erhöhung der kumulativen Mirabegron-Dosis signifikant höher: Im Vergleich zu Patienten, die <27 cDDDs erhielten, betrug die aHR für 28–120 cDDDs 1,062 (95%-KI 1,021–1,106) und für >121 cDDDs 1,044 (95%-KI 1,004–1,084). Ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko war mit der Anwendung von Solifenacin, Tolterodin, Fesoterodin und Propiverin sowohl einzeln als auch in Kombination mit Mirabegron verbunden. „Da das Demenzrisiko bei Kombinationsbehandlungen am deutlichsten erhöht war, ist bei der Erwägung einer Kombinationsbehandlung für OAB-Patienten mit Risikofaktoren für Demenz Vorsicht geboten“, warnen die Urologen. Darüber hinaus könnte ein möglicher Zusammenhang zwischen Beta-3-Agonisten und Demenz bestehen, hierfür seien aber weitere Studien erforderlich. (ms)
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