UKSH: Suche nach optimaler Behandlungsmethode bei Leberzellkrebs30. Januar 2019 Prof. Dr. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie des UKSH (r.), und Prof. Dr. Jost Philipp Schäfer, Leitender Oberarzt an der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie. (Quelle: UKSH) Für die Behandlung von Patienten mit Leberzellkrebs stehen verschiedene moderne Therapieoptionen zur Verfügung. Um herauszufinden, welche Methode für bestimmte Patienten die geeignetste ist, startet am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) nun eine neue internationale Studie mit dem Namen TRENDY. Leberzellkrebs ist weltweit betrachtet die sechsthäufigste Krebserkrankung mit ca. 800.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Ursachen sind unter anderem virale Erkrankungen (insbesondere Hepatitis B und C), Ernährungsfaktoren (z.B. Alkohol oder Toxine) und erbliche Faktoren. Diese bedingen einen chronischen Entzündungsprozess mit narbigem Umbau der Leber (Leberzirrhose), auf dessen Grundlage Leberzellkrebs entstehen kann. Etwa 70 Prozent der weltweiten Neuerkrankungsfälle entfallen auf den asiatischen Raum, aber auch in westlichen Ländern nehmen Neuerkrankungen zu, mutmaßlich aufgrund zunehmender Raten an Fettleber-bedingten Leberzirrhosen. Im Frühstadium wird Leberzellkrebs in der Regel chirurgisch behandelt, entweder mittels Tumorresektion oder mittels Lebertransplantation. Ist dies nicht möglich, so werden die Tumorherde in der Leber durch eine Radiofrequenzablation (RFA) minimalinvasiv behandelt. Für Patienten mit einer auf die Leber begrenzte Erkrankung, die weder für eine Operation, noch für eine RFA in Betracht kommen, besteht die Behandlung der Wahl in der Regel aus einer gezielten Verabreichung von mit Chemotherapeutika beladenen Mikropartikel in das Gefäßbett der Lebertumore. Die transarterielle Chemoembolisation wird mittels eines Katheters durchgeführt, der über die Leiste bis in die Lebergefäße im oder um dem Tumor vorgeschoben wird. Die stereotaktische Strahlentherapie ist ein Verfahren der Hochpräzisionsbestrahlung (auch Radiochirurgie genannt), welches bereits seit den 1950er Jahren, zunächst für Hirntumore, angewandt wurde. Seit Ende der 90er-Jahre wird die Radiochirurgie auch außerhalb des Kopfes (z.B. in Lunge, Leber oder Prostata) angewendet. Für die Radiochirurgie wird die Strahlendosis in bis zu 10 Sitzungen über 1-2 Wochen statt wie bei vielen anderen Erkrankungen üblich in 25-30 Sitzungen über 5-6 Wochen hochpräzise auf das Tumorgebiet verabreicht. Dies erfordert für den Körperstammbereich komplexe Strategien für die Kompensation der Atembewegung im Bereich bewegter Organe wie der Leber. Vorausgegangene klinische Studien bei Patienten mit Lebertumoren zeigten bereits vielversprechende Ergebnisse der Radiochirurgie. Im Rahmen der TRENDY-Studie, die von Wissenschaftlern und Klinikern am Erasmus MC Cancer Institute in Rotterdam initiiert wurde, wird nun die Radiochirurgie im direkten Vergleich mit der Chemoembolisation in der Behandlung von Patienten mit Leberkrebs, die für Operation oder RFA nicht geeignet sind, eingesetzt. Insgesamt sollen 100 Patienten in der Studie behandelt werden, die jeweils zufällig der einen oder anderen Behandlung zugelost werden, da man derzeit nicht sicher sagen kann, ob die eine oder andere Behandlung effektiver ist. Bislang nehmen elf Zentren in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und der Schweiz an der Studie teil. In Deutschland soll die Studie neben Kiel auch in Frankfurt und Mannheim starten. Die Behandlung der Patienten aus Kiel wird in Kooperation mit den Saphir Radiochirurgie Zentren mit dem CyberKnife, einem speziell für Radiochirurgie entwickelten Bestrahlungsroboter, durchgeführt. Prof. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie des UKSH und Professor an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sagt: „Wir freuen uns sehr, dass die internationale Studienleitung in Rotterdam das UKSH für die Studienleitung in Deutschland ausgewählt hat.“ „Wir sind zuversichtlich, aufgrund der hohen Expertise des UKSH in der interdisziplinären Behandlung von Patienten mit Lebertumoren wichtige Erkenntnisse zum Wohle der Patienten beitragen zu können“, ergänzt Prof. Jost Philipp Schäfer, Leitender Oberarzt an der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie.
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