Urodynamik bei Frauen mit refraktärer überaktiver Blase offenbar unnötig23. Juni 2025 Symbolbild: Andrii – stock.adobe.com Bei Frauen mit refraktären Symptomen einer überaktiven Blase führen einer aktuellen Studie in „The Lancet“ zufolge invasive urodynamische Untersuchungen vor der Therapie nicht zu besserem Erfolg, aber zu erhöhten Kosten. Ziel der multizentrischen, parallelen, offenen, randomisierten und kontrollierten Überlegenheitsstudie war es, die klinische Wirksamkeit und Kosteneffektivität der Urodynamik zusätzlich zu einer umfassenden klinischen Beurteilung (comprehensive clinical assessment, CCA) in der genannten Situation zu vergleichen. Teilnehmerinnen waren Frauen ab 18 Jahren mit refraktärer überaktiver Blase oder gemischter Harninkontinenz mit überwiegender Drangkomponente, deren konservative Behandlung erfolglos blieb und für die eine invasive Behandlung infrage kam. Die Patientinnen wurden in 63 britischen Krankenhäusern nach dem Zufallsprinzip 1:1 einer Urodynamik plus CCA oder nur CCA zugewiesen. Primärer Endpunkt war der von den Teilnehmerinnen berichtete Erfolg zum letzten Nachuntersuchungszeitpunkt, gemessen am „Patientinneneindruck der Verbesserung“ 15 Monate nach der Randomisierung. Primärer ökonomischer Endpunkt waren die zusätzlichen Kosten pro gewonnenem qualitätskorrigierten Lebensjahr (quality-adjusted life year, QALY), modelliert über die Lebenszeit der Teilnehmerinnen. Die Analyse basierte auf dem Intention-to-treat-Prinzip. Zwischen dem 06.11.2017 und dem 01.03.2021 wurden 1099 Teilnehmerinnen per Zufall der Urodynamik-plus-CCA-Gruppe (n=550) oder der Gruppe mit alleiniger CCA (n=549) zugewiesen. Zum letzten Nachuntersuchungszeitpunkt waren die von den Teilnehmerinnen berichteten Erfolgsraten von „sehr deutlich verbessert“ und „stark verbessert“ in der Gruppe mit zusätzlicher Urodynamik gegenüber der Gruppe mit alleiniger CCA nicht signifikant verbessert (117 [23,6%] von 496 vs. 114 [22,7%] von 503; adjustierte Odds Ratio 1,12; 95%-KI 0,73–1,74; p=0,60). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren selten und in beiden Gruppen ähnlich. Die inkrementelle Kosten-Nutzen-Relation betrug 42.643 britische Pfund pro gewonnenem QALY. Die Kosten-Nutzen-Akzeptanzkurve zeigte, dass die Urodynamik bei einer Zahlungsbereitschaftsschwelle von 20.000 britische Pfund pro gewonnenem QALY mit einer Wahrscheinlichkeit von 34% kosteneffektiv war. Die Wahrscheinlichkeit sank weiter, wenn man sie auf die Lebenszeit der Patientin hochrechnete. (ms)
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