Vaginale Atrophie in den Wechseljahren: DMG fordert mehr Aufklärung für Betroffene17. Oktober 2025 Foto: © luchschenf/stock.adobe.com Die Deutsche Menopause Gesellschaft (DMG) setzt sich für die Aufklärung und für eine bessere Versorgung betroffener Frauen ein. Die Fachgesellschaft appelliert auch an die Ärzteschaft, Patientinnen über die vielfältigen Optionen zu informieren. Derzeit sind in Deutschland etwa neun Millionen Frauen in den Wechseljahren. Während Beschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen im Verlauf der Menopause wieder zurückgehen, schreiten aufgrund des Östrogenmangels auftretende vulvovaginale Veränderungen ohne Behandlung immer weiter fort: Schleimhauttrockenheit, Harnwegsinfekte und Libidoverlust durch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr betreffen mit steigendem Lebensalter bis zu 90 Prozent aller Frauen in dieser Lebensphase. Aus Scham und Unkenntnis über Behandlungsmöglichkeiten leiden viele von ihnen still. Dabei gibt es wirksame Therapien dagegen. Darauf macht die DMG anlässlich des Weltmenopausetags am 18. Oktober aufmerksam. Unkenntnis über Behandlungsmöglichkeiten Kommen Frauen in den Wechseljahren in die gynäkologische Sprechstunde, zeigt sich bei ihrer körperlichen Untersuchung häufig eine sogenannte vulvovaginale Atrophie mit einer sehr blassen, rissigen und dünnen Vaginalschleimhaut. Darauf angesprochen, äußern viele Patientinnen ausgeprägte Symptome wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, eine dadurch herabgesetzte Libido, ein vaginales Trockengefühl sowie Juckreiz, erklärt die Fachgesellschaft. Leider ist dies keine Seltenheit bei Frauen in der Menopause, berichtet Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Vorstandsmitglied der DMG. „Aufgrund des im Laufe der Wechseljahre fortschreitenden Östrogenmangels dünnen die Zellen in und um die Vagina extrem aus. Das vaginale Mikrobiom verändert sich, der Vaginal-pH-Wert steigt.“ Je höher der ph-Wert, desto größer sei das Risiko für Risse, Bakterien und Infekte im Intimbereich. Dr. Katrin Schaudig, Präsidentin der DMG, ergänzt: „Die Vagina ohne Östrogen ist wie die Sahelzone ohne Wasser!“ Diese Vorgänge finden auch im Bereich der Vulva, also am Scheidenausgang, der Schamlippen und der Harnwege statt. Zudem bilden sich die Vulva und die Schamlippen zurück, auch der Scheideneingang wird schmaler und kleiner. Sind zu Beginn ihrer Wechseljahre etwa 40 Prozent der Frauen von Beschwerden wie zunehmender Schleimhauttrockenheit, erhöhtem Harndrang, Inkontinenz, Harnwegsinfekten und sexueller Dysfunktion betroffen, werden es mit zunehmendem Lebensalter bis zu 90 Prozent, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Leiden an eingeschränkter Lebensqualität Laut der DMG zeigten große Umfragen in der Vergangenheit, wie sehr dies die Lebensqualität von Frauen verringern kann. An der von Prof. Rosella E. Nappi in 2016 vorgestellten REVIVE-Untersuchung nahmen online mehr als 3700 Frauen aus Deutschland, Spanien, Italien und England teil. Sie äußerten postmenopausale Probleme in Bezug auf Intimität, sexuelle Befriedigung und Sexualspontanität. „In der Praxis berichten viele Frauen erst dann über ihre Beschwerden, wenn man sie aktiv darauf anspricht“, bedauern Schaudig und Freerksen-Kirschner. Dass urovaginale Veränderungen im Gegensatz zu vasomotorischen Beschwerden wie etwa Hitzewallungen jedoch dauerhaft seien und unbehandelt weiter fortschreiten, sei vielen Frauen unbekannt, so die Expertinnen. Sie betonen: „Wir müssen daher die Frauen selbst, aber auch die Ärzteschaft darüber informieren, Patientinnen frühzeitig eine Behandlung ermöglichen und sie darüber aufklären, warum eine Therapie konsequent sowie dauerhaft notwendig ist!“ Experten: Dauerhafte Anwendung ist wichtig In der Pressemitteilung der DMG werden einige Behandlungsmöglichkeiten genannt: Gleitgele können die vaginale Gleitfähigkeit beim Geschlechtsverkehr erhöhen. Befeuchtungsgele können den vaginalen pH-Wert senken. Oral und vaginal verabreichbare Probiotika fördern die Milchsäureproduktion, welche die vaginale Immunität steigert. Lokal wirkende gering dosierte Hormontherapien mit DHEA, Estradiol oder Estriol als Zäpfchen, Creme oder Vaginalring verbessern die Beschwerden. Auch Prasteron, ein endogenes Steroidhormon, kann zur lokalen Therapie infrage kommen. Es wird in den Zellen der Vaginalwand ohne systemische Steroidsteigerung absorbiert und kann die Funktion der Nervenzellfasern verbessern. Bei Patientinnen, die Brustkrebs hatten, können ebenfalls niedrig dosierte lokale Anwendungen infrage kommen. „Wichtig ist, dass Patientinnen die Therapien dauerhaft langfristig durchführen – so wie zum Beispiel auch die Zahn- und sonstige Körperpflege eine lebenslange Routine ist“, so die DMG-Expertinnen. Sonst treten die Beschwerden erneut auf und schreiten immer weiter fort. Bei einer Vaginallaserbehandlung werden in mehreren Sitzungen, die jeweils vier bis sechs Wochen auseinanderliegen, gezielt kleine Verletzungen in der Vaginalwand erzeugt. Dies geschieht mit verschiedenen Laserwellenlängen. Diese Mikroverletzungen fördern die Bildung neuer Blutgefäße und Kollagen, wodurch das Gewebe der Vaginalwand wieder flexibler und elastischer wird. Diese auch in Studien gezeigten Verbesserungen halten jedoch nur etwa 2 Jahre an. „Darüber hinaus sind zu den genannten Behandlungsoptionen weitere Studien notwendig“, sagt Freerksen-Kirschner. Experten der DMG mit Unterstützung des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF) beantworten betroffenen Frauen und interessierten Laien regelmäßig in kostenfreien Online-Informationsveranstaltungen Fragen rund um die Wechseljahre. Die Aufzeichnungen all dieser Veranstaltungen ist auf der Website Deutsche Menopause Gesellschaft abrufbar.
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