Vaginale Östrogentabletten: kein erhöhtes Risiko für erneute Schlaganfälle

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Die Anwendung vaginaler Östrogentabletten nach der Menopause ist laut einer dänischen Studie bei Frauen, die zuvor einen Schlaganfall erlitten, nicht mit einem erhöhten Risiko für erneute Schlaganfälle assoziiert.

Frauen, die einen oder mehrere ischämische Schlaganfälle in ihrer Krankengeschichte aufweisen, wird in der Regel von einer systemischen Hormonersatztherapie mit Östrogen nach der Menopause abgeraten. Denn die Behandlung wird mit einem erhöhten Risiko für erneute Schlaganfälle in Verbindung gebracht. In einer Studie der Universitätskliniken Herlev und Gentofte in Kopenhagen (Dänemark) wurde deshalb untersucht, ob auch ein Zusammenhang zwischen der vaginalen Anwendung von Östrogentabletten und dem Risiko für erneute Schlaganfälle besteht.

„Es ist bekannt, dass die Anwendung einer systemischen Hormonersatztherapie, wie zum Beispiel oraler Östrogentabletten, das Schlaganfallrisiko nach der Menopause erhöhen kann. Während andere Studien kein erhöhtes Schlaganfallrisiko im Zusammenhang mit der vaginalen Anwendung von Östrogen bei gesunden Frauen nach der Menopause feststellen konnten, gibt es bisher keine Daten zu diesem Zusammenhang bei Frauen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben“, erklärt die Erstautorin der Studie, Dr. Kimia Ghias Haddadan.

Kein erhöhtes Risiko unabhängig von Art der Anwendung

Die Studie untersuchte für einen Zeitraum von zehn Jahren die Verschreibungsdaten von mehr als 34.000 postmenopausalen Frauen ab 45 Jahren, für die in einem nationalen Register in Dänemark ein erster ischämischer Schlaganfall erfasst worden war. Frauen, die bereits vor ihrem ersten Schlaganfall vaginale Östrogentabletten angewendet hatten, wurden ausgeschlossen. Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Stroke“ veröffentlicht wurden, zeigten dabei keinen Zusammenhang zwischen der Verwendung vaginaler Östrogentabletten und einem erhöhten Risiko für einen erneuten Schlaganfall.

Von 56.642 Frauen mit vorherigem Schlaganfall erlitten 3353 Frauen einen erneuten Hirninfarkt. Im Vergleich zu Frauen, die keine vaginalen Östrogentabletten verwendeten, hatte der zeitliche Abstand der vaginalen Anwendung zum Auftreten des Schlaganfalls keinen Einfluss auf das Risiko für einen erneuten Schlaganfall. Folglich war unerheblich, ob die Tabletten während (0 bis 3 Monate), kürzlich (3 bis 24 Monate) oder mehr als 24 Monate vor dem wiederholten Schlaganfall angewendet wurden. Bei Frauen, die während des erneuten Schlaganfalls vaginales Östrogen anwendeten, spielte auch die Dosierung der Tabletten keine Rolle.

Daten auf Frauen in anderen Ländern übertragbar

„Wir waren vorsichtig optimistisch, was die Ergebnisse angeht, und es war beruhigend zu sehen, dass die Anwendung von vaginalem Östrogen das Risiko eines erneuten Schlaganfalls in dieser Hochrisikogruppe nicht erhöhte“, resümiert Haddadan. „US-Studien wie die Women’s Health Initiative und die Nurses’ Health Study haben kein erhöhtes Schlaganfallrisiko durch vaginales Östrogen bei gesunden Frauen ergeben. Unsere Studie weitet diese beruhigende Erkenntnis auf Frauen mit Schlaganfall in ihrer Vorgeschichte aus.“

Laut Haddadan sollten die Ergebnisse auf postmenopausale Frauen in den USA und anderen Ländern übertragbar sein, insbesondere dort, wo ähnliche vaginale Östrogenpräparate verwendet werden. Zu den Stärken der Studie gehöre ihr groß angelegtes, landesweites Design, das einen umfassenden Überblick über die tatsächlichen klinischen Verläufe dieser Hochrisikopopulation biete. Durch die Nutzung der dänischen Register konnten die Forschenden Schlaganfalldiagnosen, Verschreibungen sowie relevante gesundheitliche und demografische Informationen über die gesamte Bevölkerung hinweg genau verfolgen.

Vaginales Östrogen: sichere Wahl, aber kein Schutz

Die Studie weist allerdings auch mehrere Einschränkungen auf. Zwar berücksichtigten die Forschenden verschiedene Faktoren wie Medikamente, Vorerkrankungen, Einkommen und Bildung. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass Frauen, die vaginales Östrogen verwendeten, insgesamt gesünder waren. Haddadan mahnt deshalb zur Vorsicht: „Es ist wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass vaginales Östrogen für diese Hochrisikogruppe von Frauen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, wahrscheinlich sicher ist; sie bedeuten aber nicht, dass vaginales Östrogen Schlaganfälle verhindert.“

Außerdem wurde die Östrogenanwendung anhand von Rezeptunterlagen ermittelt, aus denen hervorgeht, dass das Medikament zwar ausgegeben, aber nicht unbedingt wie verschrieben angewandt wurde. Die tatsächliche Anwendung kann daher nicht bestätigt werden. Auch für andere Östrogenformulierungen wie Vaginalcremes, -pflaster oder -ringe gibt es keine Daten.

Haddadan sieht in ihrer Arbeit dennoch einen wichtigen Erkenntnisgewinn. „Wir hoffen, dass wir mit unseren Ergebnissen medizinisches Fachpersonal, das postmenopausale Frauen mit Schlaganfall in der Vorgeschichte betreut, rückversichern können. Insbesondere für Frauen mit belastenden Beschwerden während der Wechseljahre zeigt die Studie, dass diese Therapieform eine sichere Wahl sein kann. Sie könnte ihre Lebensqualität verbessern, ohne das Risiko eines weiteren Schlaganfalls zu erhöhen.“

(mkl/BIERMANN)