Zurück in den Alltag und auf die Skipiste – Moderne Implantate und OP-Techniken machen es möglich

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Die Ansprüche an die Endoprothetik sind gewachsen – und mit ihnen auch die Möglichkeiten. Nach Hüft- und Kniegelenkersatz sind Patienten körperlich oft wieder voll belastbar, wie ein Experte auf der Online-Pressekonferenz zum AE-Kongress in München erläuterte.

Von Harald Raabe

„75 ist das neue 50“, brachte es Prof. Robert Hube, AE-Past-Präsident und Leitender Arzt, Orthopädische Chirurgie München (OCM) auf den Punkt. Nicht nur Schmerzfreiheit, sondern Reisen, Sporttreiben, auch eine volle berufliche Belastbarkeit  jüngerer Patienten nach Gelenkersatzoperationen sind heute möglich.

Insbesondere gilt dies für die Hüfte, wie Hube verdeutlichte. Die künstliche Hüfte sei eine der erfolgreichsten Operationen überhaupt. „Wir gehen heute davon aus, dass bei Patienten ab Jahren das Implantat lebenslang hält“, so Hube. Dem Experten zufolge sind die Abrieb-Probleme bei den Implantaten gelöst, die zuvor zu verringerten Standzeiten geführt haben. Hochwertige Materialien wie Keramik oder moderne Polyethylen-Inlays reduzierten den Verschleiß und ermöglichten langfristig stabile Ergebnisse.

Standzeiten von durchschnittlich 30 Jahren sind heute normal

Hube verwies in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Studie, die 2026 in „Lancet“ publiziert wurde. Darin wurden 1,9 Millionen moderne Hüftendoprothesen aus acht nationalen Endoprothesenregistern analysiert. Demnach wurden bei 92,1 Prozent der Prothesen 30 Jahre ohne eine erforderliche Revisionsoperation prognostiziert. Auch wenn für den einzelnen Patienten diese Zahl sicherlich weniger relevant sei, belege die Statistik den großen Erfolg des Eingriffs.

Neben den verbesserten Materialien bei modernen Implantaten, erlauben laut Hube zudem muskelschonende OP-Verfahren eine schnellere Mobilisation und häufig auch eine sehr hohe funktionelle Belastbarkeit. Unterstützt werde dies durch moderne Fast-Track- beziehungsweise ERAS-Konzepte, bei denen frühe Mobilisation, optimierte Schmerztherapie und individuell angepasste Rehabilitation eng miteinander verzahnt werden. „In den ersten sechs Wochen nach dem Eingriff kommt es vor allem auf eine Reha mit Augenmaß an, mit leichter Bewegung und nicht zu viel Muskeltraining“, betonte Hube.

„Durchschnittlich wird bei der Hüfte das „forgotten joint“ bereits nach einem Jahr erreicht“, so Hube weiter. Bei dem Knie sei dies insgesamt etwas schwieriger und auch der Erfolgsgrad niedriger.

Sporttreiben mit künstlichem Gelenk ist heute erwünscht

Besonders Gelenkschonende Aktivitäten wie Wandern, Schwimmen, Radfahren oder Golf sind nach einem erfolgreichen Gelenkersatz nach Angaben Hubes sinnvoll und unterstützen häufig sogar die Rehabilitation. Sport sei heute nach einem Gelenkersatz ausdrücklich erwünscht und in ausgewählten Fällen und bei entsprechender Erfahrung könnten auch anspruchsvollere Sportarten wie Skifahren wieder möglich sein. Das Beispiel der Profi-Skirennfahrerin Lindsey Vonn, die mit einer Knieteilprothese Wettkämpfe bestritt und bei den Olympischen Winterspielen verunglückte, ist laut Hube jedoch ein „Extrembeispiel“, das von großem Ehrgeiz der Sportlerin getrieben und auf eigenes Risiko stattfand.

Vom Erlernen neuer Sportarten oder von High-Impact-Sportarten wird abgeraten

Entscheidend bei der Wiederaufnahme von Sport ist dem Endoprothetiker zufolge immer die individuelle Situation. Neben dem Implantat spielten Muskelkraft, Koordination, operative Technik und natürlich auch die Erfahrung des Patienten eine wichtige Rolle. So könnten bei guter Technik und Erfahrung nahezu alle Sportarten wieder durchgeführt werden, wenn sie vorher sicher beherrscht wurden. „Von dem Erlernen neuer Sportarten raten wir allerdings ab, da die Muskeln nicht dementsprechend ausgebildet sind“, so Hube. Insbesondere High-Impact-Sportarten seien nach endoprothetischem Ersatz nicht zu empfehlen und förderten den Verschleiß der neuen Gelenke.

„Die Haltbarkeit eines künstlichen  Gelenkes hängt entscheidend davon ab, wie ein Patient in den OP kommt“, betonte Hube. Bei jüngeren Patienten sei eher mit Verschleiß zu rechnen  als bei Älteren und wer High-Impact-Sportarten meide, könne in der Regel erwarten, dass sein neues Gelenk 30 Jahre oder bis zum Lebensende halte, so sein Fazit.


Literatur:

  • Streck LE et al. Activity Following Total Hip Arthroplasty: Which Patients Are Active, and Is Being Active Safe? J Clin Med 2023;12(20):6482. doi: 10.3390/jcm12206482.
  • D’Ambrosi R et al. No difference in the level of sports activity between single versus dual mobility total hip arthroplasty in adults: a clinical trial. Eur J Med Res 2025;30(1):212. doi: 10.1186/s40001-025-02470-1.
  • Palmowski Y et al. In vivo analysis of hip joint loading on Nordic walking novices. J Orthop Surg Res 2021;16(1):596. doi: 10.1186/s13018-021-02741-7.
  • Thiele K et al. Hip Arthroplasty with Increased Expectancy. Z Orthop Unfall 2021;159(1):91–97. doi: 10.1055/a-1019-8053. Epub 2019 Nov 19. PMID: 31746444; English, German.
  • Pentland V et al. Survivorship of modern total hip replacement to 30 years: systematic review, meta-analysis, and extrapolation of global joint registry data. Lancet 2026;407(10531):855–866. doi:10.1016/S0140-6736(25)02305-0.

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