Vapen als neuer Risikofaktor bei Säuglingstodesfällen in der Diskussion19. August 2026 Foto: Михаил Решетников/stock.adobe.com Beim plötzlichen, unerwarteten Säuglingstod (SUDI) haben Forschende aus Neuseeland einen Zusammenhang mit einem gewohnheitsmäßigem Vaping durch die Mutter ausgemacht. Laut Vertretern der neuseeländischen Universitäten Auckland und Otago stellt mütterliches Vaping einen potenziellen SUDI-Risikofaktor dar. Die Ergebnisse unterstreichen nach Auffassung der Wissenschaftler, dass die öffentliche Aufklärung über das Vaping während der Schwangerschaft und das gemeinsame Schlafen mit dem Kind im Elternbett (Bed-Sharing) neu gedacht werden müssen. Gemeinhin gilt ein Zigarettenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und das gemeinsame Schlafen mit dem Baby im selben Bett als wesentliche Risikofaktoren für SUDI – vor allem, wenn beide Faktoren gemeinsam auftreten. Während in Neuseeland die Zahl der rauchenden Schwangeren zurückgegangen ist, sind die SUDI-Raten aber unverändert geblieben. Verstärktes Risiko: Vapen und gemeinsames Schlafen mit dem Baby im Elternbett Die aktuelle Studie, für die 101 SUDI-Fälle in Neuseeland aus den Jahren 2022 und 2023 untersucht wurden, lieferte für 66 dieser Fälle detaillierte Informationen zur Nikotinexposition der Mutter und zur Schlafumgebung des Säuglings. Die Ergebnisse zeigten, dass in fast drei Vierteln dieser Fälle Rauchen und/oder Vaping angegeben wurde. Demgegenüber standen fast 70 Prozent der Säuglinge, die starben, während sie zusammen mit den Eltern in einem Bett schliefen. Bei den SUDI-Fällen mit Bed-Sharing wurde in der Hälfte der Fälle angegeben, dass die Mutter E-Zigaretten konsumiert. Im Vergleich war dies nur bei einem von fünf Fällen ohne Bed-Sharing der Fall. „Der Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum der Mutter und dem gemeinsamen Schlafen im Elternbett ist hinlänglich bekannt“, erläutert Hauptautor Prof. Ed Mitchell von der Universität Auckland. „Neu und besorgniserregend ist, dass das Vaping möglicherweise ein ähnliches Risikomuster mit sich bringt wie das Rauchen, insbesondere in Kombination mit dem gemeinsamen Schlafen im Elternbett. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Wirkung des Nikotins an sich – und nicht die Art der Nikotinaufnahme – zur Gefährdung des Säuglings beitragen könnte.“ Kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen, aber Vorsicht ist geboten Die Forschenden betonen, dass die Studie nicht beweist, dass Vaping SUDI verursacht. „Ungewissheit bedeutet keine Entwarnung“, erklärt aber Koutor Prof. Barry Taylor von der Universität Otago. „Wenn der mögliche Ausgang der Tod eines Säuglings ist, ist ein vorsorglicher Ansatz geboten, während die wissenschaftliche Beweislage weiter wächst.“ Die Forschenden erklären, dass die Ergebnisse eine grundlegende Frage zur aktuellen Beratung während der Schwangerschaft aufwerfen. „Das Vaping wird weithin als sicherere Alternative zum Rauchen und als Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung betrachtet, auch in der Schwangerschaft. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass wir jede Form der Nikotinexposition während der Schwangerschaft berücksichtigen müssen, insbesondere wenn sie mit dem gemeinsamen Schlafen im Elternbett einhergeht“, unterstreicht Mitchell. In einer begleitenden, im Journal „Acta Paediatrica“ veröffentlichten Analyse vertreten dieselben Autoren die Ansicht, dass für die Nikotinpolitik während der Schwangerschaft ein anderer Ansatz erforderlich ist als für nicht schwangere Frauen. „Nikotin passiert die Plazenta, verringert die Durchblutung des Fötus und senkt das Geburtsgewicht“, merkt Taylor an. „Wir vermuten, dass das Vaping ebenfalls jene Störung der Erregungsregulation beim Säugling hervorrufen könnte, die auch bei Tabakkonsum beobachtet wird.“ Spezifische Unterstützung für die Entwöhnung vapender Schwangerer ist nötig Die Forschenden empfehlen einen schwangerschaftsspezifischen Ansatz, dessen Ziel Nikotinfreiheit ist, sowie eine koordinierte Unterstützung der Frauen durch Suchthilfe, Schwangerschaftsbetreuung, SUDI-Präventionsangebote und Familienunterstützung. „Jede Frau, die während der Schwangerschaft dampft oder raucht, benötigt Unterstützung, die ihre jeweilige Lebenssituation und ihr Selbstvertrauen berücksichtigt“, betont Ko-Autorin Stephanie Cowan von der neuseeländischen Organisation Change for Our Children. „Ziel ist es, jede Frau dabei zu unterstützen, den Konsum so früh wie möglich in der Schwangerschaft aufzugeben, denn nur so werden Mutter und Kind geschützt.“ Bei den untersuchten Fällen von plötzlichem unerwartetem Säuglingstod (SUDI) standen 84,8 Prozent der Todesfälle, die während des gemeinsamen Schlafens im Elternbett auftraten, im Zusammenhang mit Zigaretten- oder E-Zigaretten-Konsum der Mutter. Die Forschenden betonen, dass dringend weitere Untersuchungen erforderlich sind, um die spezifischen Risiken des Dampfens während der Schwangerschaft zu ermitteln. Bis dahin plädieren sie dafür, während der Schwangerschaft – ebenso wie beim Rauchen – vom Vaping abzuraten und Frauen dabei zu unterstützen, so früh wie möglich nikotinfrei zu leben – was ihrer Ansicht nach generell als neuer Gesundheitsstandard etabliert werden sollte. (ac/BIERMANN)
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