Venösen Thromboembolien: Kombination aus Anti-Baby-Pille und Übergewicht besonders problematisch18. Oktober 2022 Foto: ©татьяна марамыгина/EyeEm – stock.adobe.com Im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen ohne die Einnahme einer Anti-Baby-Pille führen kombinierte Kontrazeptiva aus einer Östrogen- und einer Gestagenkomponente bei Übergewichtigen zu einem 24-Mal höheren Risiko von venösen Thromboembolien (VTE). Eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin „ESC Heart Failure“ fasst die wichtigsten Erkenntnisse zum Thema zusammen. Es ist bekannt, dass sowohl Übergewicht als auch östrogenhaltige Verhütungsmittel Risikofaktoren für VTE sind. „Trotzdem erhalten übergewichtige Frauen weiterhin diese Medikamente“, kritisiert Studienautor Prof. Giuseppe Rosano vom IRCCS San Raffaele Pisana in Rom (Italien). „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Adipositas und kombinierte orale Kontrazeptiva einen synergistischen Effekt auf das VTE-Risiko haben. Dies sollte bei der Verschreibung berücksichtigt werden. Reine Gestagenpräparate – einschließlich Pillen, Intrauterinpessare oder Implantate – sind bei übergewichtigen Frauen eine sicherere Alternative zur Kombinationspille.“ In dem nun veröffentlichten narrativen Übersichtsartikel werden die neuesten Erkenntnisse über die unabhängigen Auswirkungen von Fettleibigkeit und Verhütungsmitteln sowie deren synergistische Effekte auf das VTE-Risiko hervorgehoben und klinische Empfehlungen gegeben. Erhöhtes VTE-Risiko durch Übergewicht Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sich die weltweite Prävalenz von Fettleibigkeit zwischen 1975 und 2016 fast verdreifacht hat – etwa 15 Prozent der erwachsenen Frauen sind demnach adipös, haben also Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m2 oder mehr. Das VTE-Risiko steigt progressiv mit dem BMI und ist bei adipösen Frauen mehr als doppelt so hoch wie bei nichtadipösen Frauen, wie die Autoren in ihrem Review darlegen. Am stärksten wirkt sich Adipositas ihnen zufolge auf Frauen unter 40 Jahren aus, die im Vergleich zu nichtadipösen Frauen ein fünffach erhöhtes VTE-Risiko haben. Rosano merkt an: „Das besonders hohe Risiko bei adipösen Frauen unter 40 Jahren ist wichtig, da viele in diesem Alter zu Verhütungsmitteln greifen.“ Erhöhtes VTE-Risiko durch eine Kombinationspille Laut Review lassen sich kombinierte orale Kontrazeptiva mit einem erhöhten VTE-Risiko in Verbindung bringen, wobei Pillen-Anwenderinnen ein drei- bis siebenfach erhöhtes VTE-Risiko im Vergleich zu Nichtanwenderinnen aufweisen. Im Gegensatz dazu werden reine Gestagenpräparate nicht mit einem erhöhten VTE-Risiko in Verbindung gebracht. Übergewicht in Kombination mit Anti-Baby-Pille besonders problematisch Die Kombination aus Übergewicht/Fettleibigkeit und der Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit von Blutgerinnseln bei Frauen im gebärfähigen Alter. So ergab eine große bevölkerungsbezogene Studie, dass Übergewicht und Fettleibigkeit mit einem 1,7- bzw. 2,4-fach erhöhten VTE-Risiko verbunden sind. Bei Anwenderinnen der Kombinationspille war das VTE-Risiko jedoch bei übergewichtigen Frauen um das Zwölffache und bei fettleibigen Frauen um das 24-fache erhöht – im Vergleich zu normalgewichtigen Nichtanwenderinnen. Rosano rät übergewichtigen Frauen, die Verhütungsmittel einnehmen, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre anderen prädisponierenden Faktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen einzuschränken, „indem sie zum Beispiel mit dem Rauchen aufhören und sich mehr bewegen“.
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