Vergiftungen bei Hund und Katze durch chemisches Bekämpfungsmittel gegen Nager und Vögel11. April 2022 Vergiftungen durch alpha-Chloralose haben bei rascher symptomatischer Therapie eine gute bis sehr gute Prognose. Ohne zeitnahe Therapie endet die Vergiftung – gerade für Katzen – häufig letal. Foto: © vaclavzavada – pixabay.com Alpha-Chloralose, ein Kondensationsprodukt aus dem Narkosemittel Chloralhydrat und Glukose, wird seit einiger Zeit vermehrt als chemisches Bekämpfungsmittel gegen Nager und Vögel eingesetzt und ist im Handel, meist mit Mehl oder Getreide vermischt oder als Paste verarbeitet, in Köderform erhältlich. Nach Herstellerangaben sollen die Köder nur während der kalten Jahreszeiten ausgelegt und in geschlossenen Räumen verwendet werden, zu denen andere Tiere und Kinder keinen Zugang haben. Entweichen die vergifteten Nagetiere jedoch oder werden die Köder auch in der Außenwelt ausgelegt, stellen sie schnell eine tödliche Gefahrenquelle für Katzen, Hunde und andere Tierarten dar. Darauf weisen der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hin. Die minimale tödliche Dosis bei einer Katze liegt bei etwa 100 mg/kg Körpergewicht, bei Hunden bei 600 – 1000 mg/kg Körpergewicht. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von vier Kilogramm bei einer Hauskatze wären zehn Gramm Köder genug, um die tödliche Dosis zu erreichen. Diese Menge kann sich ggf. schon im Magen einer vergifteten Maus befinden. Besteht der Verdacht, dass ein Tier alpha-Chloralose aufgenommen hat, oder zeigt es entsprechende Vergiftungssymptome, sollte es umgehend in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden, um schnellstmöglich geeignete Behandlungsmaßnahmen einleiten zu können. Vergiftungen mit alpha-Chloralose rechtzeitig erkennen Erste Symptome einer Vergiftung mit alpha-Chloralose sind nach 30 Minuten bis vier Stunden zu erwarten und können sich äußern in Übererregbarkeit gegenüber äußeren Reizen, Krämpfen, Muskelzittern, Bewegungsstörungen, vermehrtem Speichelfluss (v. a. beim Hund), verengten Pupillen, Abgeschlagenheit bis hin zum Koma und Atemnot. Katzen können nach dem Fressen einer vergifteten Maus Bewusstlosigkeit bis hin zu komatösen Zuständen zeigen und heftige Krämpfe entwickeln. Unkontrollierter Harn- und Kotabsatz können erste Anzeichen sein. Das Entwickeln einer Untertemperatur (< 38 °C) ist besonders typisch und wird v. a. bei Katzen beobachtet. Unbehandelt kann diese Untertemperatur zum Tod des Tieres führen und wird bei kalten Außentemperaturen beschleunigt. Besonders gefährdet sind deshalb Freigänger-Katzen, da sie eher zu spät oder gar nicht gefunden werden. Bei Hunden kann teilweise auch eine erhöhte Körpertemperatur beobachtet werden, die vermutlich durch neurologische Symptome wie Krämpfe und Muskelzittern verursacht wird. Ein Infoblatt zur Vergiftung mit alpha-Chloralose steht zum Download zur Verfügung unter bpt-tvt-Infoblatt_Alpha-Chloralose.pdf (tieraerzteverband.de)
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