Vibratoren fördern die weibliche Beckenbodengesundheit18. Mai 2022 Macht nicht nur Spaß, ist auch gesund: Frau mit Vibrator. Foto: Seventyfour – stock.adobe.com Die regelmäßige Anwendung von Vibratoren kann die Becken- und sexuelle Gesundheit von Frauen verbessern. Dies ergibt ein systematischer Literatur-Review, der auf dem Jahreskongress der American Urological Association (AUA) präsentiert wurde. Alexandra Dubinskaya, Urologin am Cedar-Sinai Medical Center in Los Angeles (USA) stellte die Ergebnisse bei einer Presseveranstaltung zum diesjährigen AUA-Kongress vor. Sie und ihre Kolleginnen hatten die Literaturquellen PubMed, clinicaltrials.gov, Ovid und die Cochrane-Datenbanken nach den Schlüsselwörtern: „sex toy woman“, „pelvic vibrator“, „sexual stimulation vibrator“, „vaginal vibrator“ „vibrator pelvic floor“ und „vibrator incontinence” durchsucht. Sie fanden insgesamt 549 Artikel. In den Review nahmen sie nur Originalarbeiten mit weiblichen Probanden und Vibratoren, die für den gesundheitlichen Nutzen untersucht wurden, auf. Ausgeschlossen wurden Expertenmeinungen oder inhaltlich unpassende Studien. 18 Originalstudien erfüllten die Kriterien und wurden eingehend geprüft. Die identifizierten Studien fielen in vier Kategorien: Sexualfunktion (9), Beckenbodenmuskulatur (2), Inkontinenz (6) und Vulvodynie (1). Die Ergebnisse waren insgesamt vielversprechend: Die Anwendung von Vibratoren konnte die sexuelle Erfahrung verbessern und korrelierte positiv mit erhöhtem sexuellem Verlangen, sexueller Befriedigung und allgemeiner sexueller Funktion. Vibrationsstimulation verbesserte die Beckenbodenmuskelkraft und verringerte Vulvodynie und Inkontinenz. Die Studien zur Sexualfunktion zeigten im Einzelnen, dass Vibrationsstimulation die Vasodilatation und den Blutfluss sowie die Perfusion des Gewebes verbessert, den Muskeltonus verringert und die Entspannung verstärkt. Die Stoffwechselrate im Gewebe stieg an. Erregung, Orgasmuserleben, Genitalgefühl und Gesamtscores im Female Sexual Function Index (FSFI) stiegen an (p<0,001). Lust, Befriedigung, und die allgemeine sexuelle Funktion profitierten von der Behandlung. Die Zeit bis zum Orgasmus nahm ab, gleichzeitig wurden multiple Orgasmen erleichtert. Generell reduzierte sich die Empfindung von seelischer Belastung (distress) in Bezug auf Sexualität. Bezüglich der Beckenbodenfunktion ergaben sich ebenfalls positive Effekte: Frauen mit Belastungsinkontinenz verloren weniger Urin und brauchten weniger Vorlagen (p<0,001). Harntrakt-Symptome verringerten sich. Die Beckenbodenmuskulatur wurde stärker (p<0,001), die Lebensqualität nahm zu, die Frauen zeigten sich zufrieden mit der Therapie. Zur Behandlung der Vulvodynie gab es nur eine Untersuchung, eine Querschnittsstudie nach Behandlung per Vibrationsstimulation. Die Behandlung hatte eine antinozizeptive und desensibilisierende Wirkung. Die Frauen litten weniger unter Schmerzen und erfuhren stattdessen mehr sexuellen Genuss. 83% waren mit der Behandlung zufrieden und 90% fühlten sich wohl damit, dass ihr Arzt ihnen den Vibrator anbot. “Angesichts der vielversprechenden Vorteile, die in den identifizierten Artikeln gezeigt werden, sollten mehr Forschungsanstrengungen auf die Untersuchung der Nützlichkeit von Vibratoren gerichtet werden”, fordern die Autorinnen. Spezialisten für Beckenbodenmedizin und rekonstruktive Chirurgie sollten Vibratoren in das empfohlene Behandlungsinstrumentarium für Beckenbodenerkrankungen aufnehmen, raten sie. (ms)
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