Viele Betroffene mit atypischem Alzheimer könnten für neue Therapien nicht geeignet sein25. August 2026 Symbolbild: © Wahyuprt/stock.adobe.com Neue Anti-Amyloid-Therapien bieten Hoffnung bei früher Alzheimer-Erkrankung. Eine Studie, die in „Neurology“ veröffentlicht wurde, zeigt jedoch, dass viele Menschen mit atypischen Alzheimer-Formen die aktuellen Behandlungskriterien nicht erfüllen könnten. Die Forschenden stellten fest, dass die Mehrheit der Personen mit atypischer Alzheimer-Krankheit – also Formen, bei denen eher das Denken, die Sprache oder das Sehvermögen als das Gedächtnis beeinträchtigt sind – die Zulassungskriterien für sogenannte Anti-Amyloid-Therapien nicht erfüllen würde. Diese Therapien werden in einem frühen Stadium der Krankheit eingesetzt, oft schon bei ersten Anzeichen von Gedächtnisproblemen. „Atypische Formen der Alzheimer-Krankheit werden in klinischen Studien oft nicht ausreichend erkannt oder berücksichtigt“, berichtet Studienautor Dr. Dror Shir von der Mayo Clinic in Jacksonville (USA) und Mitglied der American Academy of Neurology. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Behandlungskriterien viele dieser Patienten unbeabsichtigt ausschließen könnten, selbst wenn sie sich in einem frühen Stadium der Krankheit befinden.“ Viele Betroffene erfüllen Kriterien für neue Therapien nicht Für die Studie untersuchten die Forschenden 184 Personen mit einer durch medizinische Tests bestätigten atypischen Alzheimer-Krankheit. Ihre ersten Symptome waren nicht primär Gedächtnisprobleme. Die Teilnehmenden litten an einer der folgenden Formen der atypischen Alzheimer-Krankheit: posteriore kortikale Atrophie (beeinträchtigt Sehvermögen und räumliche Wahrnehmung), logopenische Variante der primär progressiven Aphasie (beeinträchtigt Kommunikation und Sprache), dysexekutive Alzheimer-Krankheit (beeinträchtigt Planung und Problemlösung) oder kortikobasales Syndrom (beeinträchtigt Bewegung und Denken). Die Forschenden prüften, ob die Teilnehmenden für die Anti-Amyloid-Therapien Lecanemab und Donanemab infrage kämen; dabei orientierten sie sich an den Kriterien großer klinischer Studien sowie an den für diese Medikamente erstellten Empfehlungen. Es zeigte sich, dass zwischen 70 und 85 Prozent der Teilnehmenden mit atypischer Alzheimer-Krankheit die Zulassungsvoraussetzungen nicht erfüllten. Kognitive Tests könnten atypische Alzheimer-Formen benachteiligen Der häufigste Ausschlussgrund waren schlechte Ergebnisse bei kognitiven Screening-Tests; dies machte 50 bis 67 Prozent der Ausschlüsse aus. Shir merkt an, dass Menschen mit atypischer Alzheimer-Krankheit bei Tests zu visuell-räumlichen Fähigkeiten oder exekutiven Funktionen schlechter abschneiden können, obwohl sie ihren Alltag noch relativ gut bewältigen. Obwohl sich die meisten Studienteilnehmenden noch in einem frühen Krankheitsstadium befanden und viele alltägliche Aktivitäten ausführen konnten, kamen viele nicht für die Behandlungen infrage, da sie bei Tests der kognitiven Leistungsfähigkeit schlecht abschnitten. Die Studie ergab, dass die meisten Patienten die Eignungskriterien nicht erfüllten; Grund hierfür waren schlechte Ergebnisse im „Mini-Mental State Examination“ (MMSE), einem Screening-Test mit elf Fragen. Weitere Ausschlussgründe waren Befunde aus der bildgebenden Diagnostik des Gehirns (betraf 22 bis 27 % der Teilnehmenden) sowie der Schweregrad der Erkrankung, da 19 bis 23 Prozent der Patienten an mittelschwerer oder schwerer Demenz litten. „Diese Ergebnisse deuten auf eine Diskrepanz hin zwischen der Art und Weise, wie wir den Schweregrad der Krankheit messen, und dem Erscheinungsbild der atypischen Alzheimer-Krankheit“, erklärt Shir. „Die derzeitigen Instrumente könnten das funktionelle Stadium der Erkrankung überschätzen.“ Eine Einschränkung der Studie bestand darin, dass sie retrospektiv angelegt war und auf bereits vorhandenen klinischen Daten beruhte; das bedeutet, dass die Forschenden die Eignung anhand dieser Daten einschätzten, anstatt die Patienten direkt zu untersuchen. (lj/BIERMANN) Auch interessant: Neuer Wirkstoff könnte die Entwicklung von Alzheimer bremsen
Mehr erfahren zu: "Bluttest verrät, wie Organe unterschiedlich schnell altern" Bluttest verrät, wie Organe unterschiedlich schnell altern Die Analyse von mehr als 25.000 Gewebeproben aus 40 verschiedenen Gewebearten zeigt, dass Organe unterschiedlich schnell altern und sich diese Veränderungen in Blutproben erkennen lassen. Die Erkenntnisse könnten die Früherkennung […]
Mehr erfahren zu: "Pupillenmessung könnte Erholung des Bewusstseins nach Hirnverletzung vorhersagen" Pupillenmessung könnte Erholung des Bewusstseins nach Hirnverletzung vorhersagen Ein einfache Pupillenmessung am Krankenbett könnte Auskunft darüber geben, ob Patienten mit schweren Hirnverletzungen das Bewusstsein wiedererlangen werden.
Mehr erfahren zu: "Große Sprachmodelle in der Medizin: Übersichtsarbeit analysiert Risiken und Strategien für sicheren klinischen Einsatz" Große Sprachmodelle in der Medizin: Übersichtsarbeit analysiert Risiken und Strategien für sicheren klinischen Einsatz Große Sprachmodelle (LLMs) halten Einzug in klinische Arbeitsabläufe. Ihre Nutzung schreitet häufig jedoch schneller voran, als offizielle Sicherheits- und Schutzmaßnahmen Schritt halten können.