Visualisierung chemischer Signale auf Einzelzell-Ebene21. Oktober 2025 Das Forschungsteam vom Institut für Hygiene der Universität Münster vor dem modifizierten Fluoreszenzmikroskop-t-MALDI-2-Massenspektrometer. Von links: Sebastian Beßler, Alexander Potthoff, Jens Soltwisch, Jan Schwenzfeier, Klaus Dreisewerd. Bildquelle: Peter Leßmann Ein Forschungsteam der Universität Münster hat durch die Kombination von Fluoreszenzmikroskopie und Massenspektrometrie Stoffwechselunterschiede im Tumor sichtbar gemacht. Die neue Methode könnte vielseitig bereichern. Innovative Methoden, die Veränderungen auf Einzelzell-Ebene sichtbar machen, können zu schnelleren und präziseren Diagnosen sowie zu gezielteren Therapien führen und somit die Behandlungsergebnisse zum Beispiel bei Krebspatienten verbessern. Ein Forschungsteam vom Institut für Hygiene der Universität Münster hat eine neue Messmethode entwickelt, die Fluoreszenzmikroskopie erstmals direkt mit bildgebender MALDI-Massenspektrometrie verbindet (MALDI: Matrix-unterstützte Laserdesorption/Ionisation). Damit lassen sich die chemischen Profile einzelner benachbarter Zellen in Gewebeproben auf demselben Schnittraster und mit einer räumlichen Auflösung von etwa einem tausendstel Millimeter bestimmen. Wechselwirkungen auf Einzelzell-Ebene erkennbar Wie in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ berichtet, hat das Team auf diese Weise bislang verborgene, unterschiedliche Stoffwechselmuster zwischen benachbarten Zellen in Tumorgewebe sichtbar gemacht. „Zum ersten Mal können wir fluoreszenzbasiert Zelltypen identifizieren und diese im Gewebe-Kontext mit ihrer chemischen Signatur zusammenbringen. Chemische Unterschiede und Wechselwirkungen auf Einzelzell-Ebene sind erkennbar“, sagt Dr. Alexander Potthoff, Erstautor der Studie. Bei der bildgebenden MALDI-Massenspektrometrie werden Moleküle mithilfe eines Lasers aus dem Gewebe gelöst und ihre Masse gemessen. Auf diese Weise können Informationen zu zahlreichen Metaboliten und Zellwandbestandteilen gewonnen werden. Da ein Massenspektrometer jedoch nur elektrisch geladene Teilchen erkennt, lässt sich ein zweiter Laser zur Nachionisation einsetzen. Diese sogenannte MALDI-2-Technik erhöht die Nachweisempfindlichkeit für viele wichtige Molekülklassen erheblich. Integration von Fluoreszenzmikroskopie und Massenspektrometrie Die nun vorgestellte Methode kombiniert zwei technische Verbesserungen: erstens die Nutzung einer inversen Bestrahlungsgeometrie, auch Transmissionsmodus genannt, die die räumliche Auflösung steigert. Zweitens die Integration eines Fluoreszenzmikroskops direkt in das verwendete Massenspektrometer. Zusammen mit einer optimierten Probenpräparation lassen sich so fluoreszenzbasierte Messungen, beispielsweise auf Proteinbasis, direkt mit der massenspektrometrischen Analyse des Metaboloms und Lipidoms koppeln – und zwar am exakt gleichen Gewebeschnitt. Die Idee, die Nachweisempfindlichkeit durch einen zweiten Laser zu steigern, hatte das Forschungsteam aus Münster bereits vor einigen Jahren präsentiert. Auch der Transmissionsmodus war bereits zuvor beschrieben worden. Neu ist die Kombination dieser Elemente mit einem direkt integrierten Fluoreszenzmikroskop sowie die Anpassung der Probenvorbereitung. Potenzial für Grundlagenforschung und klinische Anwendung „Das kombinierte Verfahren könnte zahlreiche etablierte Techniken der Fluoreszenzmikroskopie unterstützen. Besonders profitieren dürften Forscherinnen und Forscher in der Grundlagenforschung, beispielsweise in der Zellbiologie, Immunologie und Tumorbiologie“, betont Dr. Jens Soltwisch. Klinisch ist eine ergänzende, schnelle Analyse von Biopsien denkbar, um Therapieentscheidungen zu unterstützen. Langfristig besteht laut Prof. Klaus Dreisewerd noch mehr Potenzial: „Mit weiteren technischen Verbesserungen könnte die räumliche Auflösung in den Bereich von wenigen hundert Nanometer vordringen, sodass sogar einzelne Zellorganellen wie innerzelluläre Lipidtröpfchen, Vesikel oder Synapsen auf ihre chemische Zusammensetzung hin untersucht werden könnten.“ Solche Erkenntnisse helfen auf längere Sicht, neue Wirkstoffe zu entwickeln und die Gesundheitssysteme effizienter zu machen.
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