Visuelles Kurzzeitgedächtnis ist vielschichtiger als angenommen6. Januar 2021 Foto: ©bergamont – stock.adobe.com Anders als bislang angenommen basiert das visuelle Kurzzeitgedächtnis nicht nur auf einer Art von Information über ein Objekt. Stattdessen können mehrere Arten von Information gleichzeitig im Kurzzeitgedächtnis aufrechterhalten werden. Das zeigt eine Studie deutscher und chinesischer ForscherInnen. Das visuelle Kurzzeitgedächtnis hilft, Objekte über einen kurzen Zeitraum im Gedächtnis zu behalten, auch wenn diese Objekte nicht mehr sichtbar sind. Bisher wurde angenommen, dass das Gedächtnis nur auf einer Art von Hirnaktivität beruht. Das widerlegen Dr. Hui Zhang, Rebekka Heinen und Prof. Nikolai Axmacher von der Bochumer Arbeitseinheit Neuropsychologie mit dem Team um Jing Liu und Prof. Gui Xue von der Universität in Peking mithilfe von speziellen EEG-Messungen und neuronalen Netzwerken. Die WissenschaftlerInnen zeichneten die Hirnaktivität bei Epilepsie-Patienten mithilfe von Elektroden auf, die zur Operationsplanung in das Gehirn eingesetzt worden waren. Die Patienten sahen Bilder von Objekten wie einer Banane und mussten sich diese für kurze Zeit merken. Neuronale Netzwerke helfen Hirnaktivität zu interpretieren Frühere Arbeiten anderer Gruppen hatten gezeigt, dass neuronale Netzwerke Bilder in ähnlichen Schritten verarbeiten wie Menschen. Sieht ein Mensch oder ein neuronales Netzwerk eine Banane, werden im ersten Schritt einfache Eigenschaften wie die gelbe Farbe und die glatte Textur verarbeitet. Im Verlauf wird die verarbeitete Information immer komplexer. So erkennen Mensch und Netzwerk schließlich, dass es sich um eine spezielle Halbmondform handelt, bis sie am Ende die Banane benennen können. Die ForscherInnen verglichen die verschiedenen Verarbeitungsschritte des neuronalen Netzwerkes mit den Hirndaten der Patienten. So konnten sie feststellen, welche Aktivitätsmuster zur Verarbeitung einfacher visueller Eigenschaften wie der gelben Farbe der Banane gehören und welche zu komplexeren Eigenschaften wie ihrem Namen. Erst einfach, dann komplex Anhand dieser Daten zeigte das Team, dass Objekte nicht wie ursprünglich angenommen nur in einer Form im Kurzzeitgedächtnis abgebildet werden, sondern in mehreren Formen gleichzeitig. Beim Betrachten werden zunächst einfache Eigenschaften der Banane im Gedächtnis aufrechterhalten, dann kommen komplexe Eigenschaften hinzu. Während der Merkphase werden einfache und komplexe Informationen gemeinsam aufrechterhalten. Das visuelle Kurzzeitgedächtnis ist somit vielschichtiger als lange angenommen. Originalpublikation: Liu J et al. Stable maintenance of multiple representational formats in human visual short-term memory. PNAS, 7. Dezember 2020.
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