Vom Feind zum Helfer: Immunzellen können Blutgerinnsel auflösen29. April 2025 Dreidimensionale Illustration einer Neutrophile. (Quelle: © Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com) Ein Forschungsteam des LMU Klinikums München und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) hat eine bisher unbekannte Rolle bestimmter Immunzellen bei der Auflösung von Blutgerinnseln entdeckt. Immunzellen wie Neutrophile und Monozyten galten bislang vor allem als Mitverursacher von Thrombosen. Die neue Studie zeigt jedoch, dass diese Zellen auch eine heilende Rolle spielen können – vorausgesetzt, sie sind in der richtigen „Stimmung“. Ein Blick ins Gerinnsel Für ihre Untersuchungen nutzten die Forschenden Thromben, die im Rahmen mechanischer Thrombektomien bei Schlaganfall-Patienten entnommen wurden. Dies ermöglichte den Zugriff auf frisches Thrombusmaterial während der akuten Krankheitsphase. Zusätzlich wurden Blutproben derselben Patienten analysiert, um die Immunzellzusammensetzung im Thrombus mit der im Blut zu vergleichen. Mittels Einzelzelltechnologien wie Single-Cell RNA-Sequenzierung und CITE-seq konnten die beteiligten Immunzellen mit hoher Auflösung charakterisiert werden. Ergänzend kamen Mausmodelle und In-vitro Experimente zum Einsatz, um die beobachteten Mechanismen funktionell zu bestätigen. Immunzellen helfen bei der Thrombusauflösung Die Forschenden fanden heraus, dass bestimmte Monozyten – sogenannte nichtklassische Monozyten – Neutrophile anlocken, die sich im sauerstoffarmen Milieu des Thrombus in eine Form umwandeln, die blutgerinnselauflösende Enzyme produziert, insbesondere den Urokinase-Rezeptor (PLAUR). Die Autoren nennen diesen Prozess „Immunothrombolyse“. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Immunzellen nicht nur Schaden anrichten, sondern auch helfen können, Thromben wieder aufzulösen“, erklärt Dr. Kami Pekayvaz, Erstautor der Studie und Clinician Scientist an der Medizinischen Klinik I des LMU Klinikums. „Diese Erkenntnis eröffnet ganz neue therapeutische Möglichkeiten.“ Neue Wege in der Thrombosebehandlung Besonders interessant ist: Wird ein bestimmter Signalweg in den Neutrophilen künstlich aktiviert – der sogenannte HIF1a-Signalweg – entwickeln die Zellen verstärkt thrombusauflösende Eigenschaften. Wenn der Mechanismus blockiert wurde, lösten sich die Thromben bei betroffenen Mäusen deutlich schlechter auf. „Bisherige Medikamente zur Thrombolyse wirken zwar schnell, erhöhen aber das Risiko für gefährliche Blutungen“, erklärt Prof. Konstantin Stark, Letztautor der Studie und Leitender Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des LMU Klinikums. „Wenn es gelingt, die körpereigene Immunabwehr gezielt so zu steuern, dass sie Thromben auflöst, könnte das eine schonendere Behandlungsform sein.“ Ein neues Bild vom Blutgerinnsel Den Forschenden zufolge liefert die Studie eine detaillierte Landkarte der Immunzellaktivität im Thrombus – sowohl beim Menschen als auch in Tiermodellen. Sie zeigt, dass sich Thromben nach ihrer Entstehung dynamisch verändern können und dabei auch immunologisch getriebene heilende Prozesse stattfinden. Die Erkenntnisse könnten langfristig helfen, neue Therapien in der Behandlung von Thrombosen zu entwickeln, welche gefährliche Blutungsnebenwirkungen umgehen.
Mehr erfahren zu: "Hoffnung auf bessere Behandlung kognitiver Einschränkungen bei Schizophrenie" Weiterlesen nach Anmeldung Hoffnung auf bessere Behandlung kognitiver Einschränkungen bei Schizophrenie Menschen mit Schizophrenie leiden häufig nicht nur unter psychotischen Symptomen, sondern auch unter Einschränkungen von Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Eine multizentrische bayrische Studie zeigt nun, dass der Wirkstoff Spironolacton das Potenzial […]
Mehr erfahren zu: "Einigungsdruck bei Gesundheits-Sparpaket – und viel Skepsis" Einigungsdruck bei Gesundheits-Sparpaket – und viel Skepsis Immer höhere Milliardenkosten für die Gesundheitsversorgung sollen unter Kontrolle kommen. Für ein Spargesetz wird es jetzt ernst. Populär sind die geplanten Einschnitte nicht – bis auf Ausnahmen.
Mehr erfahren zu: "Migräne: Fehlende Therapiefreiheit verschlechtert die Versorgung" Migräne: Fehlende Therapiefreiheit verschlechtert die Versorgung Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnen vor einer Begrenzung der Therapiefreiheit in der Migränebehandlung durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.