Von Eltern berichtetes Asthma bei Kindern: Inzidenz variiert stark je nach Definition

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Das Fehlen einer standardisierten Definition des Asthma bronchiale in epidemiologischen Studien beeinträchtigt die Vergleichbarkeit von Inzidenzschätzungen und klinischen Endpunkten. Welchen Einfluss hat die Integration der Bronchodilatotor Response (BDR)?

Dieser Frage ging eine Arbeitsgruppe der Abteilung für Notfallmedizin des Massachusetts General Hospital an der Harvard Medical School in Boston nach, mit Blick auf die von den Eltern angegebenen Asthmadefinitionen. Tatsächlich führte dies dazu, dass die Häufigkeit von Asthma unterschätzt und tendenziell Fälle mit schlechteren klinischen Ergebnissen identifiziert wurden.

Asthmadefinitionen von „breit“ bis „strikt“ überprüft

Für ihre Studie verwendeten die Forschenden um den Erstautor Amir Ghabousian die Daten einer prospektiven Kohorte, an der 919 Säuglinge teilgenommen hatten. Die Teilnehmer wurden ab 2011 in 3 aufeinanderfolgenden Wintern rekrutiert und bis zum Alter von mindestens 6 Jahren beobachtet. Um die Identifikation von Asthmafällen zu beurteilen, verglichen die Forschenden die Inzidenz, Asthmaschwere, Asthmakontrolle und diagnostische Güte der Asthmadefinitionen sowie die jeweilige diagnostische Aussagekraft von BDR und fraktioniertem exhalierten Stickstoffmonoxid (FeNO).

Im Einzelnen prüfte das Team 4 Asthmadefinitionen:

  1. breit: jede von Eltern berichtete, ärztlich gestellte Asthmadiagnose bis zum Alter von 6 Jahren
  2. epidemiologisch: Definition 1 plus entweder Asthmamedikation (z. B. inhalatives Bronchospasmolytikum, inhalatives oder systemisches Glucocorticoid oder Montelukast) oder asthmaassoziierte Symptome im Alter von 5,0–5,9 Jahren
  3. alternativ strikt: Definition 2 plus eine Zunahme des vorhergesagten Einsekundenkapazität (FEV1) um mindestens 8 % nach Bronchodilatation und
  4. strikt: Definition 2 plus eine Zunahme des vorhergesagten FEV1 um mehr als 10 Prozent nach Bronchodilatation.

Asthma-Inzidenz bei breiter Definition deutlich höher

Die klinischen Endpunkte wurden über diese Definitionen hinweg erhoben. Ihre diagnostische Güte verglich man mit der Asthmadiagnose eines ärztlichen Gutachters als Referenzstandard. Über ihre Ergebnisse berichten die Verfasser im „Annals of Allergy, Asthma & Immunology“.

Die Inzidenzraten variierten je nach Definition erheblich: 37,2 Prozent für die breite, 27,7 Prozent  für die epidemiologische, 13,2 Prozent für die alternativ strikte und 9,3 Prozent für die strikte Definition. Der Anteil von Kindern mit Einstufung als intermittierendes Asthma folgte einem ähnlichen Muster (72,4 %, 65,5 %, 56,0 % und 52,8%). Der Übergang von der ersten zur vierten Definition führte zu einer höheren Spezifität und einem höheren positiven prädiktiven Wert, jedoch zu einer niedrigeren Sensitivität. Für den Grad der Asthmakontrolle zeigten sich über die Definitionen hinweg keine konsistenten Trends. (ins)