„Wachsender Bedarf an schlafmedizinischer Expertise bei schwindenden Ressourcen“29. November 2023 Foto: Jorge Ferreiro/stock.adobe.com Vom 7. zum 9. Dezember tagen Schlafmediziner unter dem Motto „Schlaf in Zeiten des Wandels“ in Berlin. Im Interview spricht Kongresspräsident Prof. Ingo Fitze über Herausforderungen für Schlafmediziner. Schlafstörungen und ein nicht erholsamer Nachtschlaf sind ernstzunehmende Symptome und Erkrankungen, die einer weiterführenden Diagnostik und gegebenenfalls Therapie bedürfen. Nicht behandelte Schlafstörungen können zu weiterführenden Erkrankungen, so zu Herzkreislauf- Erkrankungen und mentalen Krankheiten führen und können auch begleitende Erkrankungen verschlechtern. Manche Schlafstörungen können sogar ein Frühsymptom anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel Alzheimer sein. Die Schlafmedizin ist eine sehr breitgefächerte Disziplin, die zur optimalen Abdeckung aller Erkrankungen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit benötigt. Mediziner aus dem internistischen-, pneumologischen, hals-, nasen- ohrenärztlichen, neurologischen, psychiatrischen und pädiatrischen Bereich widmen sich in verschiedenen Forschungsschwerpunkten den sehr unterschiedlichen Erkrankungen, die während des Schlafes auftreten. Einmal jährlich treffen sie sich zum großen Update auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Er findet dieses Jahr vom 7.-9. Dezember in Berlin statt und bietet ein Update zu Schlaferkrankungen aller Art und stellt neue schlafmedizinische Forschungen zu aktuellen Themen wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, Melatonin-Gebrauch oder Klimawandel vor. Prof. Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Zentrum der Charité, einer der wissenschaftlichen Leiter des Kongresses, gibt im folgenden Interview Auskunft darüber, wie sich Schlaferkrankungen verändert haben, und warum man in der Großstadt schlechter schläft. Das Motto „Schlaf in Zeiten des Wandels“ überschreibt die 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Welchen Herausforderungen unserer Zeit müssen Sie sich als Schlafmediziner stellen? Fietze: Die größte Herausforderung ist der wachsende Bedarf an schlafmedizinischer Expertise bei schwindenden Ressourcen. Also haben wir in Deutschland keine gute schlafmedizinische Versorgung. Was muss denn passieren, damit diese gewährleistet ist? Fietze: In keiner Weise. Sie wird eher schlechter. Wir brauchen Exzellenzzentren an Universitäten und in Krankenhäusern, mehr Schlaflabore und viel mehr Schlafpraxen. Die Telemedizin wird teilweise helfen, dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden. Sie muss aber vergütet werden. Haben sich Schlaferkrankungen im Lauf der letzten Jahre verändert? Wenn ja, wie? Fietze: Die Gesellschaft altert, das Übergewicht nimmt zu und die Auslöser für einen schlechter werdenden Schlaf werden nicht weniger. Das sind die wesentlichen Gründe für eine Zunahme von Schlafstörungen. Der Schlaf und seine Bedeutung für unsere Gesundheit sind in den zurückliegenden Jahren mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt. Hat sich die Einstellung der Menschen zum Schlaf Ihrer Meinung nach damit positiv entwickelt? Fietze: Es ist ein Trend zu erkennen, auch Dank der medialen Unterstützung. Aber es halten sich weiterhin viele nicht mehr zutreffende Mythen rund um den Schlaf. Zum vierten Mal in ihrer Geschichte ist die Jahrestagung der DGSM in diesem Jahr in Berlin zu Gast. Werden die Teilnehmer denn im Großstadttrubel gut schlafen oder generell gefragt, was unterscheidet die Schläfer in Großstädten und im ländlichen Raum? Fietze: Nachgewiesenermaßen schläft man in Großstädten schlechter. Das hat mit der Lichtverschmutzung, dem Lärm, der Luft, der Hitze und dem Lebensstil in der Großstadt zu tun. Welche persönliche Note geben sie als Tagungspräsidium dieser Jahrestagung mit? Fietze: Nicht nur heilen, auch vorbeugen. Die Berücksichtigung der vielfältigen Faktoren, die unseren Schlaf beeinflussen, ist wichtig, um dessen Störungen noch besser entgegenwirken und auch behandeln zu können.
Mehr erfahren zu: "Gassen zum BStabG: „Wir werden eine Zäsur in der Versorgung Gesetzlich Krankenversicherter erleben“" Gassen zum BStabG: „Wir werden eine Zäsur in der Versorgung Gesetzlich Krankenversicherter erleben“ Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin scharf kritisiert.
Mehr erfahren zu: "„Die Praxen müssen die Hoheit über ihre Terminorganisation behalten“" „Die Praxen müssen die Hoheit über ihre Terminorganisation behalten“ Eine Digitalisierung, die Praxen entlastet und die Versorgung verbessert, forderte Dr. Sibylle Steiner, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin am 4. September.
Mehr erfahren zu: "Hofmeister auf der KBV-Vertreterversammlung: „Praxen schaffen Arbeitsplätze und Kaufkraft“" Hofmeister auf der KBV-Vertreterversammlung: „Praxen schaffen Arbeitsplätze und Kaufkraft“ Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Arzt-Praxen hat der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Stephan Hofmeister, auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin hervorgehoben.