Wachstumsdifferenzierungsfaktor-15 ist Marker zur Stratifizierung des Leberkrebsrisikos bei metabolisch assoziierter Fettlebererkrankung

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Der FIB (Fibrose)4-Score errechnet sich aus Alter, Thrombozytenzahl und Transaminasen und dient als nichtinvasives Verfahren der Beurteilung einer metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung (MASLD). Obwohl bei MASLD-Patienten mit einem FIB-4-Score >1,3 eine Fibrose-Bewertung mittels Elastographie oder Biopsie empfohlen wird, ist eine geeignetere Methode zur Identifizierung von Hochrisikopatienten erforderlich.

Nun evaluierten japanische Forscher die Verwendung der Serumspiegel von GDF-15 (Wachstums­differenzierungsfaktor-15) für die Stratifizierung des Risikos klinischer Ereignisse bei MASLD-Patienten. Bei GDF-15 handelt es sich um ein Zytokin, das auf Zellstress reagiert und mit dem Metabolischen Syndrom assoziiert ist. Es zeigte sich, dass Serum-GDF-15 ein guter Biomarker mit hoher Vorhersagekraft für Leberkrebs ist und MASLD-Patien­ten sicher identifizieren kann.

Um die Eignung von GDF-15 zu bewerten, ermittelten die Wissenschaftler die GDF15-Serumspiegel bei 518 biopsierten MASLD-Patienten, 216 MASLD-Patienten zur Validierung und 361 MASLD-Patienten, die einen Gesundheits-Check-up erhielten. In der Biopsie-MASLD-Kohorte zeigte sich, dass der GDF-15-Serumspiegel ein Risikofaktor für Leberkrebs war, unabhängig vom Fibrosestadium oder FIB-4-­Index. Bei Verwendung eines GDF-15-Grenzwertes von 1,75 ng/ml auf der Grundlage des Youden-Index hatten Patienten mit einem hohen GDF-15-Spiegel unabhängig vom ­Fibrosestadium eine deutlich höhere HCC-Inzidenzrate.

Während Patienten mit einem FIB-4-Index <1,3 oder niedrigem GDF-15 nur selten HCC entwickelten, traten bei Patienten mit hohem GDF-15-Index und einem FIB-4-Score >1,3 HCC und dekompensierte Lebererkrankungen deutlich häufiger auf und hatten eine schlechtere Prognose. In der Validierungs­kohorte zeigte sich bei Patienten mit hohem GDF-15-Index eine signifikant höhere Inzidenz von HCC und dekompensierten Leberereignissen sowie eine schlechtere Prognose vs. Patienten mit niedrigem GDF-15-­Index. Von den MASLD-Patienten mit einer Check-up-Untersuchung hatten 23,0  % einen FIB-4-Score >1,3 sowie 2,7 % einen FIB-4-Score >1,3 und >1,75 ng/ml GDF-15. (je)