Der Wahrheitseffekt verstärkt sich bei eigener Auswahl der Information23. Januar 2026 Symboldbild: © Syda Productions/stock.adobe.com Je häufiger uns eine Nachricht begegnet, desto eher sind wir geneigt, sie für wahr zu halten. Diese Erkenntnis ist schon 50 Jahre alt. Bochumer Forschende haben jetzt gezeigt, dass dieser sogenannte Wahrheitseffekt sich noch verstärkt, wenn wir die entsprechende Information selbst ausgewählt haben: Es genügt schon, eine Headline angeklickt zu haben, um ihrem Inhalt später mehr Glauben zu schenken. Das Team um Dr. Moritz Ingendahl vom Lehrstuhl Soziale Kognition an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum berichtet von seinen Erkenntnissen im „Journal of Experimental Psychology: General“. Die Forschenden führten online eine Serie von acht Experimenten durch, an denen insgesamt knapp 1000 Menschen teilnahmen. Den Teilnehmenden wurden zunächst Informationen gezeigt, zum Beispiel „Die Bienenelfe ist der kleinste Vogel der Welt.“ Diese Informationen wurden entweder zufällig ausgespielt oder passend zu einem Themenfeld, das die Teilnehmenden ausgewählt hatten. Anschließend sollten die Teilnehmenden den Wahrheitsgehalt von Informationen einschätzen – sowohl von wiederholten als auch von neuen Informationen. „Wir konnten übereinstimmend mit älteren Studien sehen, dass die Teilnehmenden wiederholt auftretenden Informationen mehr Glauben schenkten als neuen“, berichtet Ingendahl. „Darüber hinaus haben wir aber auch zeigen können, dass dieser Einfluss von Wiederholung stärker ist bei Informationen, die sie selbst ausgewählt hatten, im Vergleich zu zufällig präsentierten.“ Aktive Informationssuche braucht mehr Aufmerksamkeit Diese Erkenntnis ist den Autoren zufolge vor allem in digitalen Zusammenhängen bedeutend: So führt das Vertrauen in wiederholte Informationen zum Beispiel dazu, dass Menschen solche Informationen auf Social Media auch eher teilen und somit die Wiederholung weiter ankurbeln. Zudem entscheiden wir, wem wir folgen, und treffen schon dadurch eine eigene Auswahl der Informationen, die wir erhalten. Online-Medien funktionieren darüber hinaus überwiegend so, dass Informationen nur angerissen werden und sich auf einen Klick erst komplett öffnen. Die Gründe für den stärkeren Einfluss von selbst gewählten Informationen vermuten die Forschenden in der Art und Weise der Verarbeitung von Informationen im Gehirn. „Aktive Informationssuche geht mit mehr Aufmerksamkeit und mehr kognitiven Ressourcen einher“, erklärt Ingendahl. „Die Testpersonen konnten sich auch später an aktiv gewählte Informationen besser erinnern als an passiv aufgenommene.“ Der Wahrheitseffekt könne den Erfolg von Fake News verstärken, vermuten die Forschenden. Auf der anderen Seite könnten aber auch Faktencheck-Informationen davon profitieren, wenn sie entsprechend aufgemacht sind.
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