Warum das Hepatitis-E-Virus keine Mäuse infizieren kann

Die Forschenden haben sich den gesamten Replikationszyklus des Virus genau angesehen. Foto: © Molekulare und Medizinische Virologie

Viele Viren können sowohl Menschen als auch Tiere infizieren, so auch das Hepatitis-E-Virus. Es wird häufig über kontaminierte Fleischprodukte auf den Menschen übertragen. Mäuse galten bislang als weitgehend resistent gegen eine Infektion ‒ warum, war unklar.

Das Team der Molekularen und Medizinischen Virologie der Ruhr-Universität Bochum hat sich nun eingehender mit dem Replikationszyklus des Virus beschäftigt und Leberzellkulturen von Mäusen untersucht. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Speziesbarriere bei Mäusen direkt beim Eintritt des Virus in die Zelle liegt. Die Forschenden um Erstautorin Dr. Nicola Frericks berichten darüber im Journal „Emerging Microbes & Infections“.

Erbgut wird nicht ausgepackt

„Wir konnten beobachten, dass die meisten Prozesse der Virusinfektion auch in Mäusezellen funktionieren“, berichtet Frericks. So dockte das Virus an die Zellen an. Es konnten auch neue Viruspartikel gebildet und aus der Wirtszelle ausgeschleust werden, wenn man den Viruseintritt umgeht. „Was aber blockiert ist, ist der funktionale Zelleintritt“, erklärt die Forscherin. „Auch wenn unsere Ergebnisse darauf hindeuten, dass die Viruspartikel importiert werden, wird das Erbgut der Viren in den Mäusezellen wohl nicht ausgepackt.“

Die Erkenntnis ist aus mehreren Gründen bedeutend. Zum einen hilft es, das zoonotische Virus genauer zu verstehen und Gefährdungspotenziale auch für andere Tierarten einzuschätzen. Zum anderen könnte es Wege ebnen, ein Mausmodell für die Untersuchung der Erkrankung zu etablieren. „Das wäre eine große Hilfe, um Therapieansätze zu testen“, betont Frericks. „Bisher gibt es gegen Hepatitis E keine spezifische wirksame Behandlung.“