Warum Endometriose chronische Schmerzen verursacht

Frau hält sich den Bauch vor Schmerzen, Endometriose Repräsentation
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Wiederholte Menstruationszyklen können mehr als nur Endometriose auslösen. Sie können laut einer US-amerikanischen Studie auch das Gehirn verändern.

Die Studie der Washington State University (WSU) zeigt, dass wiederkehrende Entzündungen im Zusammenhang mit der Erkrankung das Nervensystem sensibilisieren und so anhaltende Schmerzen verursachen können.

Sie Studie trägt dazu bei, einen der belastendsten Aspekte der Endometriose zu erklären – einer Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Sie betrifft mehr als 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter, weltweit etwa 190 Millionen Menschen, und führt häufig zu starken Unterleibsschmerzen und Unfruchtbarkeit.

In einer im „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlichten Studie fanden die WSU-Wissenschaftlerin Kanako Hayashi und ihre Kollegen heraus, dass wiederholte Entzündungszyklen dauerhafte Veränderungen im Gehirn auslösen können, die die Schmerzen verstärken und langfristig aufrechterhalten.

Endometriose beeinflusst das Nervensystem

„Wir zeigen, dass es sich hier nicht nur um eine lokale gynäkologische Erkrankung handelt“, so Hayashi, Professorin an der School of Molecular Biosciences der WSU. „Sobald das System sensibilisiert ist, reagiert das Gehirn weiterhin, selbst wenn die ursprünglichen Läsionen verschwunden sind.“

Endometriose stellt Forscher seit Langem vor ein Rätsel, da die Schmerzintensität nicht zuverlässig mit dem Ausmaß der Erkrankung korreliert. Manche Patientinnen mit ausgedehnten Läsionen berichten von geringen Beschwerden, während andere mit minimalem Gewebewachstum unter stark beeinträchtigenden Symptomen leiden.

„Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass etwas Komplexeres vor sich geht“, erklärt Hayashi. „Es geht nicht nur um die Läsionen selbst, sondern auch darum, wie der Körper und das Nervensystem im Laufe der Zeit reagieren.“

Um dies zu untersuchen, entwickelte das Forschungsteam ein Modell, das wiederholte Menstruationszyklen simuliert. Die meisten früheren Studien induzierten endometrioseähnliche Zustände nur einmal. Hayashis Gruppe führte stattdessen mehrere Zyklen ein und simulierte so den wiederholten Rückfluss von Menstruationsgewebe, die sogenannte retrograde Menstruation, die als ein Faktor für die Erkrankung gilt.

Deutliche Anzeichen von Neuroinflammation sichtbar

Mäuse, die wiederholten Zyklen ausgesetzt waren, zeigten eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit und anhaltende Veränderungen im Nervensystem. Die Entzündung im Beckenbereich nahm zu, und Signale wanderten über Nervenbahnen zum Rückenmark und Gehirn, wo die Forscher deutliche Anzeichen einer Neuroinflammation beobachteten.

„Diese wiederholte Stimulation wirkt, als würde man die Lautstärke immer weiter erhöhen“, erläutert Hayashi. „Schließlich wird das System überempfindlich. Selbst kleine Signale können dann sehr schmerzhaft sein.“

Um die Ergebnisse zu untermauern, analysierte das Team in Zusammenarbeit mit dem Oregon National Primate Research Center auch Gewebeproben von Rhesusaffen mit natürlich vorkommender Endometriose. An der WSU wurden keine Primatenexperimente durchgeführt.

Die Ergebnisse tragen dazu bei, zu erklären, warum Schmerzen auch nach der Entfernung von Läsionen fortbestehen können. Sind die Schmerzverarbeitungskreisläufe im Gehirn erst einmal sensibilisiert, können sie weiterhin unabhängig Schmerzsignale generieren.

„Es entsteht eine Rückkopplungsschleife“, erklärt Hayashi. „Der Körper sendet Signale an das Gehirn, und das Gehirn verstärkt diese Signale zurück an den Körper.“

Die Studie weist zudem auf neue Behandlungsansätze hin. Anstatt sich nur auf die Beseitigung von Läsionen oder die Unterdrückung von Hormonen zu konzentrieren, könnten Therapien gezielt Entzündungen im Nervensystem bekämpfen. In der Studie reduzierten sowohl ein häufig verwendetes Hormonpräparat als auch eine immunmodulierende Substanz die Schmerzempfindlichkeit und die Hirnentzündung im Mausmodell, selbst ohne die Läsionen zu verkleinern.

„Wir verfügen nun über ein System, mit dem wir den gesamten Prozess von Anfang an verfolgen können“, berichtet Hayashi. „Das bietet uns eine vielversprechende Möglichkeit, bessere Behandlungen zu entwickeln und die Krankheit hoffentlich früher zu erkennen.“

(lj/BIERMANN)

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